ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2003Screening auf Gestationsdiabetes

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Screening auf Gestationsdiabetes

PP 2, Ausgabe Dezember 2003, Seite 573

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LNSLNS Der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen hat das Thema „Screening auf Gestationsdiabetes“ beraten und beschlossen, die weiteren Beratungen zu diesem Thema bis zum Vorliegen ausstehender Studienergebnisse, die zum Jahr 2004 erwartet werden, auszusetzen.
Beratungsverfahren
Dem Bundes­aus­schuss lagen für seine Beratungen nationale und internationale HTA-(Health-Technology-Assessment-)Gutachten, Leitlinien sowie eine Vielzahl einzelner wissenschaftlicher Veröffentlichungen vor. Zusätzlich wurden Stellungnahmen von Fachgesellschaften und maßgeblichen Dachverbänden von Ärztegesellschaften sowie Sachverständigen der medizinischen Wissenschaft und Praxis eingeholt. Alle Unterlagen wurden hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Aussagefähigkeit systematisch ausgewertet und in die ausführliche Diskussion sowie abschließende Bewertung des Bundes­aus­schusses einbezogen.
Wissenschaftliche Datenlage
Zum Thema Schwangerschaftsdiabetes existiert umfangreiche wissenschaftliche Literatur, die Anzahl an Unterlagen hoher Evidenzstufen ist jedoch gering, zu wichtigen Fragenkomplexen, die für die Beurteilung eines Screeningverfahrens im Rahmen der Schwangerenvorsorge essentiell sind, finden sich keine validen Untersuchungen.
Zu den wesentlichen Voraussetzungen für ein Screeningprogramm gehören standardisierte Grenzwerte, welche die sichere Unterscheidung von Gesunden und Kranken erlauben. Diese liegen hinsichtlich des Gestationsdiabetes derzeit nicht vor.
Zur Frage des Krankheitswertes von Glucosestoffwechselstörungen während der Schwangerschaft, die unterhalb der Schwelle des manifesten Diabetes mellitus liegen, stehen wesentliche Studienergebnisse („The Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome [HAPO] Study“) aus, die für 2004 erwartet werden. Mithilfe dieser Ergebnisse wird gegebenenfalls eine Festlegung von validen, an Schwangerschaftsergebnissen orientierten Blutzucker-Grenzwerten möglich sein, die mit hinreichender Sicherheit gefährdete von nicht gefährdeten Schwangerschaften unterscheiden.
Fazit
Die Einführung eines bundesweiten Screenings auf Gestationsdiabetes im Rahmen der Schwangerenvorsorge mit standardisierten, international anerkannten Grenzwerten ist auf der Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Daten derzeit nicht möglich.
Der Bundes­aus­schuss setzt daher die Beratung zu diesem Thema bis zum Vorliegen der Studienergebnisse aus.
Ein detaillierter Abschlussbericht zu den Beratungen des Bundes­aus­schusses zum Thema „Screening auf Gestationsdiabetes“ ist unter der Internetadresse http://www.kbv.de/hta abrufbar.
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