ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003SARS-Impfstoff: Erste Erfolge im Tiermodell

AKTUELL: Akut

SARS-Impfstoff: Erste Erfolge im Tiermodell

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3273 / B-2725 / C-2545

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Weltweit arbeiten mehrere Forschergruppen an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das SARS-Coronavirus, den Auslöser des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms. Als Erste publizieren jetzt Forscher der Universität Pittsburgh ihre Ergebnisse im Lancet (2003; 362: 1895–1896). Die Gruppe um Andrea Gambotto vom Molecular Medicine Institute der Universität hat einige Bestandteile des SARS-Coronavirus in ein harmloses Erkältungsvirus (Adenovirus) eingebaut. Es wurden mit gentechnischen Hilfsmitteln drei unterschiedliche Impfviren erzeugt. Sie enthalten entweder ein Fragment des Spike Proteins S1, ein Membranprotein oder ein Nukleokapsidprotein des originalen SARS-Coronavirus, verfügen aber nicht über deren Humanpathogenität.

Die Konstruktion des Impfvirus wurde möglich, weil das gesamte Genom des Virus in einer Rekordzeit von nur zwei Monaten nach der Identifizierung des Erregers entschlüsselt werden konnte. In der Studie wurden sechs Makaken intramuskulär mit einer Mischung der drei Viren geimpft. Zwei weitere Makaken erhielten „leere“ Adenoviren (Kontrollgruppe). Nach 28 Tagen erfolgte eine Auffrischung. Sechs Wochen nach der Impfung war in allen sechs geimpften Makaken, aber bei keinem Tier der Kontrollgruppe eine breite Immunreaktion nachweisbar. Die Tiere hatten neutralisierende Antikörper gegen das Fragment des Spike Proteins S1 entwickelt, und es bestand eine T-Zell-Antwort gegen das Nukleokapsidprotein. Es gibt also Anzeichen, dass die Impfung eine humorale und zelluläre Immunabwehr auslöst. Das ist eine gute Ausgangssituation für die jetzt folgenden Versuche an Frettchen. Hier kann untersucht werden, ob die induzierte Immunantwort die Tiere gegen eine Erkrankung schützt. Im Gegensatz zu den Frettchen erkranken Affen nicht an SARS. Mit dem Beginn klinischer Studien rechnen Experten allerdings frühestens in einem Jahr.

Ende November hatte die chinesische Regierung angekündigt, sie wolle noch vor Ende des Jahres mit klinischen Tests eines eigenen Impfstoffes beginnen. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Es dürfte sich jedoch um
einen klassischen Impfstoff aus abgetöteten oder abgeschwächten natürlichen Viren handeln. Nach eigenen Angaben hat die chinesische Regierung bereits Ende April mit der Herstellung der Impfstoffe begonnen und will in Kürze über 20 000 Impfdosen verfügen. Rüdiger Meyer
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