ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Reform-Studien: Zuzahlungen belasten Frauen

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Reform-Studien: Zuzahlungen belasten Frauen

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3274

Merten, Martina

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LNSLNS Untersuchung bezweifelt Erfolg des geplanten Hausarztmodells.
Der Erfolg des Hausarztmodells, das nach dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) ab dem nächsten Jahr von den Krankenkassen angeboten werden muss, ist zweifelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, die Prof. Dr. Jürgen Wasem vom Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen und sein Team durchführten.
Die Forscher resümierten, dass Länder mit Hausarztmodellen keine geringeren Gesundheitsausgaben haben als Länder ohne dieses Modell. In den Niederlanden, in denen das Hausarztmodell für alle gesetzlich Versicherten gilt, gerate es aufgrund der eingeschränkten Arztwahl zunehmend unter Druck, berichtete Wasem bei der Vorstellung der Studie Mitte November in Berlin. Er steht den Primärarztangeboten skeptisch gegenüber: Entweder seien Hausarztmodelle wegen geringer Bonuszahlungen für Versicherte unattraktiv, oder Krankenkassen würden sie als reine Marketinginstrumente einsetzen. „Anstelle verpflichtender Vorgaben für spezifische Versorgungsangebote sollte der Gesetzgeber Kassen und Leistungsanbietern mehr Möglichkeiten für innovative Versorgungsformen einräumen“, heißt es in der Untersuchung.
In einer weiteren Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung wurden die Auswirkungen der neuen Zuzahlungsregeln untersucht, die ab dem 1. Januar 2004 gelten. „Die Zuzahlungen werden vor allem Rentner, Geringverdiener und Frauen belasten“, sagte Prof. Dr. Anita Pfaff vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie. Pfaff und ihr Forschungsteam führten die Studie in Kooperation mit der Universität Augsburg durch.
Lag die jährliche Selbstbeteiligung einer 40-jährigen Frau bisher bei etwa 25 Euro, so liege sie nach den GMG-Regelungen künftig bei etwa 100 Euro im Jahr. Darüber hinaus führten die gestiegenen Selbstbeteiligungen dazu, dass künftig mehr Personen zu den Härtefällen zählten. Dies führe zu mehr Verwaltungsaufwand wegen der Kontrolle der Belege. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Selbstbelastungen für die Bereiche ambulante Behandlung und Krankenhaus von 2,4 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro steigen werden. Dabei wurde die Begrenzung der Zuzahlungen auf zwei Prozent des Einkommens (ein Prozent für chronisch Kranke) berücksichtigt. MM
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