ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Fakultätentag: Mehr leistungsbezogene Mittel

POLITIK

Fakultätentag: Mehr leistungsbezogene Mittel

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3283 / B-2732 / C-2552

Clade, Harald

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LNSLNS Künftig sollten die Mittel für Forschung und Lehre verstärkt nach dem Wettbewerbsprinzip vergeben werden.
Der Mittelumfang für die leistungsbezogene Zusatzausstattung sollte mindestens 15 Prozent des Landeszuführungsbetrags für Forschung und Lehre betragen. Von diesen 15 Prozent sollten zwei Drittel für die so genannte Exzellenzförderung eingesetzt und ein Drittel für den fakultätsinternen Forschungsförderungsfonds mit Projektförderung eingeplant werden. Dies hat der 12. Außerordentliche Medizinische Fakultätentag (MFT) am 22. November in Mainz gefordert.
Prinzipiell müsse unterschieden werden bei der Mittelverteilung zwischen Grundausstattung und leistungsbezogener Zusatzausstattung. Dabei bemisst die Grundausstattung das Budget für Forschung und Lehre nach Maßgabe der historisch gewachsenen Stellung und allgemeinen Bedeutung des Faches, der Größe einer Einrichtung sowie nach der Lehrbelastung. Die leistungsbezogene Mittelverteilung bezieht sich ausschließlich auf den Forschungsbereich. Bei der Lehre könne eine solche Mittelverteilung nicht angewandt werden, weil
objektivierbare Bewertungsmaßstäbe einstweilen fehlen oder nur begrenzt zur Verfügung stehen, urteilte der MFT.
Die Exzellenzförderung soll der Ausstattungsverbesserung von Einrichtungen dienen, die sich durch eine hervorragende Forschungsleistung auszeichnen. Dadurch soll eine überdurchschnittliche Drittmitteleinwerbung und eine hervorgehobene Publikationsleistung über die Mittelvergabe honoriert werden. Dabei müssten so genannte Impact-Faktoren und andere messbare Publikationsleistungen als Bewertungsmaßstäbe herangezogen werden. Konkret müsse sich die Mittelvergabe nach der Erfahrung von medizinischen Fakultäten orientieren. Die leistungsbezogene Mittelverteilung bei der Exzellenzförderung sollte durch ein spezielles Forschungsreferat unter Kontrolle des Dekanats abgewickelt und administriert werden.
Bei der Projektförderung sollten wissenschaftliche Schwerpunkte gesetzt sowie die Anschub- und Nachwuchsförderung vorangetrieben werden. Dies erfordere die Entwicklung eines Forschungsprofils. Empfohlen wird für die Projektförderung, einen fakultätsinternen Forschungsförderungsfonds einzurichten. Darüber sollten innerhalb der Fakultäten und der Kliniken der Fachbereichsrat, der Fachbereichsvorstand, Dekan und Klinikvorstand entscheiden und den Strukturrahmen für den Förderungsfonds festlegen sowie die Schwerpunktthemen definieren. Für die Organisation der fakultätsinternen Forschungsförderungsfonds sollte die bewährte Struktur der interdisziplinären Zentren für klinische Forschung oder eine vergleichbare Organisationsform gewählt werden. Die Vergabeverfahren sollten in jedem Fall so organisiert sein, dass die von einem fakultätsinternen Förderungsfonds vergebenen Mittel zu externen Dritteln vergleichbar sind und wie eine Drittmitteleinwerbung bei vergleichenden Bewertungen eingestuft werden können. Als solche vergleichende Bewertungen kommen beispielsweise infrage: Fakultätsinterne Einrichtungsvergleiche, Vergleiche von Fakultäten auf Landesebene und Berufungsverfahren.
An den Hochschulen von Baden-Württemberg gilt seit geraumer Zeit ein verstärkter Wettbewerb der Medizinischen Fakultäten bei der Mittelzuweisung. Prinzipiell haben die Fakultäten finanzielle Eigenständigkeit und Autonomie; die Haushaltsverantwortung liegt allein bei ihnen. Zurzeit werden rund 20 Prozent des Budgets der medizinischen Fakultäten über so genannte leistungsorientierte Mittel verteilt. Die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg hat ein internes System der leistungsorientierten Mittelverteilung eingerichtet, in das zurzeit 10 Prozent der Budgets für Forschung und Lehre eingehen, die den Einrichtungen der Fakultät zugewiesen werden.
Dr. rer. pol. Harald Clade
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