ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Arznei­mittel­kommission: Akzeptanz verbessern

POLITIK

Arznei­mittel­kommission: Akzeptanz verbessern

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3285 / B-2734 / C-2554

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die Veröffentlichung medizinischer Leitlinien macht
große Fortschritte. Allerdings muss ihr Bekanntheitsgrad
bei den Ärzten noch erheblich verbessert werden.

Diese Worte tun uns gut, denn wir sind doch bisweilen von Selbstzweifeln geplagt, ob das, was wir tun, wirklich sinnvoll ist.“ Dankbar quittierte Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), das Lob des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, für die „großartige Arbeit“ des Fachausschusses der BÄK bei der diesjährigen Mitgliederversammlung in Köln. Hoppe hatte auf die erhebliche Verantwortungszunahme der BÄK vor allem in zwei Bereichen hingewiesen: in der Versorgungsforschung und beim nationalen Leitlinienprogramm. Vor allem Letzteres wurde durch die Arbeit der AkdÄ 2003 erfolgreich vorangetrieben: Neben zahlreichen Bekanntgaben hat die Kommission vier Therapieempfehlungen und 18 evidenzbasierte Leitlinien vorgelegt. Allerdings habe es auch viel „Gegenwind und Kritik“ gegeben, betonte Müller-Oerlinghausen. So würden sich zurzeit „Kübel des Zorns“ wegen der Leitlinie zur Hormontherapie über die AkdÄ ergießen. Dennoch sei gerade diese ein wichtiger Erfolg. Hierzu werde gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse eine Patientenbroschüre vorbereitet. Erfolgreich verlaufen auch die Planungen zu einem Projekt am Klinikum Saarbrücken, in dem es um die gezielte ärztliche Information zur aktiven Vermeidung unerwünschter Arzneimittelwirkungen geht. Positiv hat sich außerdem der Ende 2002 gestartete Newsletterversand entwickelt: 2003 hat die AkdÄ 36 Newsletter verschickt und so mehr Transparenz und Öffentlichkeit für ihre aktuelle Arbeit geschaffen.
Zu den nicht gelösten Problemen der AkdÄ gehört nach wie vor die unzureichende Verbreitung ihrer Memoranden und Stellungnahmen. So hat eine Studie ergeben, dass der Bekanntheitsgrad der Therapieempfehlungen eng mit dem Verhalten der Kassenärztlichen Vereinigungen verknüpft ist. Die Ärzteschaft müsse zeigen, wie ernst sie es mit Qualitätssicherung meine, und daher die Therapieempfehlungen bundesweit verteilen, forderte Müller-Oerlinghausen. Unterstützung erhielt er von Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte, das Kreuzfeuer der Kritik, in dem die Ärzte stünden, hänge auch mit ihrem Verordnungsverhalten zusammen. Unverändert gebe es hier Defizite, daher seien die Therapieempfehlungen notwendig. Zwar sei es gelungen, den Kollektivregress aus dem GKV-Modernisierungsgesetz zu entfernen. Doch Richtgrößen und Prüfungen erforderten weiterhin die Arzneimittelberatung. Der KBV-Vorsitzende verwies auf den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss und das angegliederte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin, das auch für die Nutzenbewertung der Arzneimittel zuständig ist: Über das neue Institut bestehe eine Chance, die Finanzierung für die Aufgaben der Arznei­mittel­kommission zu realisieren. Denn diese kämpft mit finanziellen Engpässen: Sorgen bereitet zum Beispiel die künftige Finanzierung des mittlerweile in 21. Auflage vorliegenden „Arzneimittelreports“, und auch für den Aufbau der geplanten neuen Datenbank „Artemis“ zur Erfassung unerwünschter Arzneimittelwirkungen, die das bisherige System „Phoenix“ ablösen soll, steht noch kein Geld zur Verfügung.
Für 2004 hat sich die AkdÄ einige interne Reformen vorgenommen: Dazu gehört die Frage, wie die Einbeziehung von Fachmitgliedern in die Erarbeitung gutachterlicher Stellungnahmen und Leitlinien erweitert und die frühzeitige Information innerhalb der Kommission verbessert werden kann. Außerdem soll das Problemfeld möglicher Interessenkonflikte von AkdÄ-Mitgliedern endlich geregelt werden. Heike E. Krüger-Brand
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