ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Plädoyer für unabhängige Studien

POLITIK

Plädoyer für unabhängige Studien

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3285 / B-2734 / C-2554

Korzilius, Heike

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LNSLNS Um sinnvolle Therapieentscheidungen zu treffen, müssen die Ärztinnen und Ärzte auf Erkenntnisse vergleichender, wertender Arzneimittelstudien zurückgreifen können. Benötigt werden nach Ansicht der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in erster Linie Studien, die die Verbesserung relevanter Eckpunkte untersuchen. „Die Ärzte wollen nicht wissen, ob der fünfte Protonenpumpeninhibitor wirksam ist – natürlich ist er das, sonst würde er ja nicht zugelassen –, sondern ob er einen tatsächlichen, medizinisch relevanten Vorteil für den Patienten hat“, betonte der AkdÄ-Vorsitzende Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen während der Medica Ende November in Düsseldorf.
Dafür brauche man herstellerunabhängige, mit öffentlichen Mitteln geförderte Studien – die in Deutschland fehlen. „Das entscheidende Defizit“, so Müller-Oerlinghausen, „könnte man benennen als mangelnde Kultur der Themenwahl, der Prioritätensetzung, der konzertierten Planung im Feld der klinischen Arzneimittelstudien.“ Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass beispielsweise die entscheidenden Impulse zur Neubewertung der Hormontherapie nicht von deutschen, sondern von großen staatlich geförderten Studien aus den USA und Großbritannien ausgegangen seien. Nach Ansicht der AkdÄ kann es nicht den Bundesministerien für Gesundheit und Forschung oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft überlassen bleiben, die wichtigen Themen im Bereich der klinischen Arzneimittelforschung auszuwählen. Die Institutionen der verfassten Ärzteschaft, wie die AdkÄ, aber auch der Gemeinsame Bundes­aus­schuss und das neue Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin, sollten hier entscheidenden Input geben. Die AkdÄ hat einen ersten Schritt getan und dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine Liste von aus ihrer Sicht vordringlichen Studien übergeben. Zur Finanzierung sollte nach Ansicht der AkdÄ ein neutraler Finanzpool geschaffen werden, in den Bund, Länder, Pharmaindustrie und gegebenenfalls die Krankenkassen einzahlen. HK
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