ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003US-Gesundheitsreform: Senioren sollen entlastet werden

POLITIK

US-Gesundheitsreform: Senioren sollen entlastet werden

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3289 / B-2738 / C-2558

Thomas, Kurt

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US-Präsident Bush wirbt für die Medicare Reform: hier vor Senioren in Phoenix, Arizona. Foto: Reuters
US-Präsident Bush wirbt für die Medicare Reform: hier vor Senioren in Phoenix, Arizona. Foto: Reuters
Bislang mussten Medicare-Versicherte ihre Arzneimittelkosten selbst tragen. Um sie vor finanzieller Überforderung zu schützen, hat der Gesetzgeber jetzt ein Programm aufgelegt.

Die wohl umfangreichste Gesundheitsreform seit 40 Jahren haben das US-Repräsentantenhaus und der Senat Ende November beschlossen. Damit ist es Präsident George W. Bush nach jahrelangen Debatten gelungen, die Blockade der oppositionellen Demokraten zu durchbrechen und das Reformpaket auf den Weg zu bringen. Im Repräsentantenhaus stimmten die Abgeordneten mit 220 zu 215 Stimmen für die Reform, im Senat betrug das Stimmenverhältnis 54 zu 44.
Das Gesetz gewährt rund 40 Millionen Rentnern und Behinderten, die im staatlichen Medicare-System versichert sind, erstmals Zuschüsse zu Arzneimitteln. Bislang übernahm Medicare nur die Arzt- und Krankenhauskosten. Für ihre Arzneimittel mussten die Versicherten selbst aufkommen oder eine private Zusatzversicherung abschließen. Die Neuregelung sieht nun vor, dass Versicherte ab 2006 für einen monatlichen Beitrag von 35 Dollar eine Medikamentenversicherung abschließen können, die bei einer Eigenbeteiligung von 250 Dollar jährlich 75 Prozent der Arzneimittelkosten übernimmt. Allerdings gilt hier eine Obergrenze von 2 250 Dollar. Jenseits dieser Summe müssen die Medicare-Versicherten bis zu einer zweiten Kappungsgrenze von 3 600 Dollar die anfallenden Kosten selbst tragen. Beträge, die über der „Katastrophengrenze“ (Ge­sund­heits­mi­nis­ter Tommy Thompson) von 3 600 Dollar liegen, übernimmt der Staat zu 95 Prozent. Ausnahmen gelten für die Ärmsten – Versicherte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 12 123 Dollar.
Ziel der Gesundheitsreform ist es, „mehr Leistungen mit deutlich weniger Kosten zu verbinden“ (Washington Post). So sollen die Medicare-Versicherten in der Übergangszeit bis 2006 zahlreiche verschreibungspflichtige Arzneimittel kostengünstiger als bislang erhalten. Im kommenden und im darauf folgenden Jahr können sie eine Rabatt-Karte vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium erwerben, die ihnen Preisabschläge von bis zu 25 Prozent sichert. Die Regierung Bush hofft, auf diese Weise auch die zunehmenden Arzneimittelimporte aus Kanada zurückzudrängen. Tausende von Patienten vor allem aus grenznahen Regionen reisen Monat für Monat ins Nachbarland, um wegen der niedrigeren Preise dort illegal ihre verschreibungspflichtigen Arzneimittel zu kaufen.
Darüber hinaus enthält das Reformgesetz Elemente, die den Wettbewerb zwischen Medicare und privaten Kran­ken­ver­siche­rungen stärken sollen. Private Unternehmen sollen dem staatlichen System auch in den etablierten Leistungen Konkurrenz machen dürfen. Dazu wird ab 2010 in sechs Regionen ein Modellversuch laufen. Die Demokraten lehnen diese Pläne für einen verschärften Wettbewerb ab. Sie seien ein erster Schritt zur Zerschlagung des staatlichen Versicherungssystems, heißt es dort.
Die Reform enthält zudem eine Reihe von steuerlichen Anreizen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Mit Steuervergünstigungen können beispielsweise Unternehmen rechnen, die ihre pensionierten Mitarbeiter weiter krankenversichern. Neu ist auch die Einführung von privaten Gesundheitssparkonten. Danach können Versicherte, die eine Police mit hoher Eigenbeteiligung haben, einen Teil ihres Einkommens steuerfrei zurückstellen. Außerdem müssen künftig wohlhabende Medicare-Versicherte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 80 000 Dollar für Arztbesuche und ambulante Behandlungen einen höheren Beitrag als den bisher üblichen von rund 60 Dollar zahlen.
Finanzexperten rechnen damit, dass die Gesundheitsreform den Staatshaushalt in den nächsten zehn Jahren mit rund 400 Milliarden Dollar belasten wird. Ärztliche Berufsverbände sagten den Reformen zwar ihre Unterstützung zu, verlangten aber vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Washington Zusicherungen, damit auf die einzelnen Praxen und Ärzte nicht unnötige verwaltungstechnische Zusatzaufgaben zukommen. Amerikanische Arzneimittelhersteller stehen ebenfalls hinter der Reform, die Wirtschaftsexperten zufolge den Unternehmen deutliche Umsatzsteigerungen bescheren dürfte. Kurt Thomas
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