ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Leichenschau: Hilfe zur Seite stellen

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Leichenschau: Hilfe zur Seite stellen

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3302 / B-2748 / C-2568

Helmecke, Gerd

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LNSLNS Seit Jahren ist die ärztliche Leichenschau ein Dauerbrenner, und es wird eine mangelhafte Qualität immer wieder gerügt. Ich bin gespannt, wie viele Kommissionen sich damit noch beschäftigen, und vielleicht wird es demnächst auch noch Kurse und Pflichtfortbildungsveranstaltungen diesbezüglich geben.
Es kann nicht eine Frage mangelnden ärztlichen Wissens bei der Leichenschau sein, wenn größere mechanische Verletzungen als natürlicher Todesfall bezeichnet werden. In erster Linie ist es wohl immer die Situation, dass der Arzt, der zur Leichenschau gerufen wird, selbige allein und ohne Assistenz durchführen muss. Dies stellt in der Regel ein ausgesprochen kompliziertes Unterfangen dar: eine Leiche alleine völlig entkleiden, wenden und untersuchen.
In all den Jahren hat sich an diesen Grundgegebenheiten nichts geändert. Statt lange Artikel zu schreiben und immer wieder neue Totenscheine zu entwerfen, wäre es einfach an der Zeit, dem Arzt tatkräftige Hilfe zum Beispiel durch die Rettungsdienste oder durch die Polizei an die Seite zu stellen, damit eine gründliche Untersuchung jeweils möglich ist.
Wenn über ungeklärte Todesfälle noch weiterhin geschrieben wird, so sollte auch bedacht werden, dass dieser Staat aus Kostengründen toxikologische Untersuchungen so gut wie nicht durchführen lässt. So lange nicht bei jeder Tablettenintoxikation eine toxikologische Untersuchung erfolgt und bei jedem Verstorbenen routinemäßig zumindestens Blut asserviert wird, ist hier mit einer Besserung nicht zu rechnen. Dies liegt aber am System selbst und an den Mitteln, die nicht zur Verfügung gestellt werden, und nicht an der Qualifikation von Ärzten, die eine Leichenschau durchführen.
Dr. med. Gerd Helmecke, Dialysezentrum, Königstraße 4, 53773 Hennef
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