ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Mobbing: Erschreckende Zunahme

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Mobbing: Erschreckende Zunahme

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3303 / B-2749 / C-2569

Schefers-Wenning, Monika

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LNSLNS Auch bei unseren Patienten in einer psychosomatischen Fachklinik hören wir in erschreckendem Maße von Zu-nahme vielfacher Mobbing-Situationen am Arbeitsplatz. Patientinnen und Patienten, die wegen Neurasthenie, depressiver Störungen und psychosomatischer Symptombildung zur medizinischen Rehabilitation kommen, haben oft eine schon lang dauernde Mobbingerfahrung hinter sich. Bei der Gruppe der jüngeren Patienten gelingt es häufig in Zusammenarbeit mit den zuständigen Betriebsärzten, sie in den Arbeitsprozess zu reintegrieren, speziell auch über die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung.
Ein größeres Problem sehen wir bei älteren Patienten, die nach langer Betriebszugehörigkeit und erfahrenen gezielten Kränkungen kaum eine Chance sehen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Eine Konfliktklärung stellt für sie eher eine Bedrohung als eine Hilfe dar. Entlastung wird bei ihnen vorwiegend in der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezie-
hungsweise im Begehren einer Erwerbsunfähigkeitsrente gesehen. Auch hier hat der Betriebsarzt eine zentrale Rolle, Klärungsprozesse und Veränderungen wieder in Gang zu bringen und eine psychosoziale Reintegration zu versuchen.
Eine dritte Betroffenengruppe stellen Patienten dar, die in einer ländlichen Struktur in einem Familienbetrieb tätig sind. Hier kommt aus Sicht der Betroffenen speziell dem Hausarzt eine wichtige Rolle zu, der häufig in verschiedenen Generationsebenen auch familiär tätig ist und dadurch Vermittler werden kann, die manchmal kaum vorstellbare Rückkehr an den Arbeitsplatz zu unterstützen.
Bewährt hat sich die Aufarbeitung traumatischer Mobbingerlebnisse in Berufsproblemegruppen, wie sie zum Beispiel in der Psychosomatischen Klinik in Gengenbach durchgeführt werden, wobei aufgrund der hohen Therapiedichte auch die Eigenbeteiligung am interaktionellen Prozess untersucht und erarbeitet werden kann. Die Übermittlung der hier erarbeiteten Perspektiven an weiter betreuende Ärzte und psychosoziale Dienste sichert die Fortführung der therapeutischen Bemühungen, die unter stationären Bedingungen begonnen wurden.
Monika Schefers-Wenning, Psychosomatische Fachklinik Kinzigtal, 77723 Gengenbach
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