ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Psychotherapie Gleichberechtigung?

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Psychotherapie Gleichberechtigung?

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): A-3304 / B-2750 / C-2570

Mann-Rentz, A.

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LNSLNS Dem Leserbrief von Prof. Dr. Ploeger kann ich mich nur anschließen und möchte kurz eine aktuelle Standortbeschreibung hinzufügen: Seit Mitte d. J. bin ich als „ärztliche Psychotherapeutin“ (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) niedergelassen. Nicht aus Zulassungsnot, sondern aus Überzeugung! Nach den Abrechnungsmodalitäten bei der KV nachgefragt, stieß ich an folgende Grenzen: Wie rechne ich den medizinischen Teil meiner Untersuchung, d. h. die Beurteilung, ob dem psychischem Symptomenkomplex eine somatische Erkrankung zugrunde liegt, ab? Antwort der KV: „Füllen Sie den Konsilschein aus und schicken Sie den Patienten zu einem („richtigen?“) Arzt.“ In dem Punktwert für die „1“ – den Psychologische Psychotherapeuten ebenfalls abrechnen – steckt, mit 40 Punkten, kein wesentlicher Spielraum für umfassende körperliche Untersuchungen. Andere Abrechnungsmöglichkeiten bleiben mir aber nach Auskunft der KV nicht. Somit haben wir doch jetzt den umgekehrten Fall, dass ich als Ärztin nach den Richtlinien der Psychologischen Psychotherapeuten beurteilt – und bezahlt (!) – werde. Da ich aufgrund meiner Ausbildung für somatische Fehlentscheidungen aber dennoch juristisch belangt werden könnte, muss ich meine Untersuchung aber entsprechend gründlich gestalten, sodass ich, verglichen mit Psychologen, sogar für meine Arbeit weniger Geld bekomme. Auf diesen Missstand aufmerksam machend, bekam ich zur Antwort, dass ich eben nur die Zulassung für „Psychotherapie“ hätte. Aus diesem Grund darf ich auch keine Rezepte ausschreiben – obwohl nach der neuzeitlichen Literatur Psychotherapie und Psychopharmakologie keinen Widerspruch mehr darstellen. Obwohl im Raum Braunschweig mehr als 20 Stellen für ärztliche Psychotherapeuten noch frei sind, werde ich behandelt, als ob ich froh sein müsste, überhaupt arbeiten zu dürfen – dann eben unter den Bedingungen für Psychologische Psychotherapeuten. Mit anderen Worten: Psychotherapie ist eine Domäne der Psychologen, in die Ärzte nur aus der Not heraus eintreten? (Kein Wunder, dass Patienten bis zu zwei Jahre Wartezeit in Kauf nehmen müssen.) Bislang lag mir jeglicher Standesdünkel sehr fern – aber alles hat eine Grenze.
Dr. med. A. Mann-Rentz,
Jahnskamp 26, 38112 Braunschweig
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