ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Herzinfarkt: Konventionelle Diagnostik oft unzuverlässig

MEDIZIN: Referiert

Herzinfarkt: Konventionelle Diagnostik oft unzuverlässig

Seger, Gabriele

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LNSLNS Anhand derzeitiger Kriterien zur Diagnose eines Herzinfarkts werden in Großbritannien vermutlich mehr als 25 Prozent der Fälle nicht erkannt. Die European Society of Cardiology und das American College of Cardioloy haben im Jahr 2000 zwar die Messung von Troponinen als zuverlässigeren Hinweis auf einen Herzinfarkt empfohlen, in Großbritannien und anderen Ländern wird die Diagnose jedoch weiterhin überwiegend anhand eines EKG und konventionellen Enzymtests gestellt. Bei einer nicht selektionierten Gruppe von Patienten mit Brustschmerzen, die in einem Lehrkrankenhaus behandelt wurden, in dem sowohl konventionelle Verfahren als auch die neuere Methode angewendet wurde, verglichen die britischen Forscher die Zuverlässigkeit der beiden Diagnosewege miteinander. Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurden alle Patienten, die mehr als 2,5 Stunden an Brustschmerzen litten, mit konventionellen Verfahren sowie anhand der Bestimmung von Troponin T bei der Krankenhauseinweisung auf Vorliegen eines Herzinfarkts untersucht. Die 401 Patienten wurden daraufhin durch das Forscherteam nachuntersucht und weitere sechs Monate beobachtet. In vier Prozent der Fälle war bei der Eingangsuntersuchung im Krankenhaus unter Verwendung konventioneller Methoden eine falsche Diagnose gestellt worden. Fast alle dieser Patienten waren nicht von einem Kardiologen, sondern von Ärzten anderer Fachgebiete untersucht worden. Bei Verwendung des neueren Diagnoseverfahrens konnten hingegen weitere 27 Prozent an Herzinfarktpatienten identifiziert werden, bei 12 Prozent musste die zuvor gestellte Diagnose korrigiert werden. Mehr als die Hälfte der fehlerhaften Diagnosen war auf die diagnostische Unzuverlässigkeit konventioneller Marker zurückzuführen. Für die Vorhersage der Prognose sechs Monate nach Entlassung aus dem Krankenhaus erwies sich die Messung von Troponin T im Vergleich mit anderen Labormarkern ebenfalls als zuverlässiger. Die derzeitigen Kriterien zur Diagnose eines Herzinfarktes, so die Autoren, sind unzuverlässig, zeitaufwendig und beinhalten ein höheres Risiko für Fehldiagnosen. Das neuere Verfahren ist nicht nur sicherer, sondern auch einfacher und schneller in der Handhabung. Die zuverlässigere Prognose könnte zudem helfen, die Dauer der stationären Aufnahme zu verkürzen. Die Ergebnisse verdeutlichen nach Ansicht der Autoren außerdem, dass Hochrisikopatienten, einschließlich Patienten mit plötzlich auftretenden starken Brustschmerzen, von Herzspezialisten behandelt werden sollten. Se

Trevelyan J, Needham EWA, Smith SCH, Mattu RK: Sources of diagnostic inaccuracy of conventional versus new diagnostic criteria for myocardial infarction in an unselected UK population with suspected cardiac chest pain, and investigation of independant prognostic variables. Heart 2003; 89: 1406–1410.

Dr R. K. Mattu, Department of Biological Sciences, University of Warwick, Coventry, CV4 7AL, Großbritannien,
E-Mail: jtrevelyan@hotmail.com

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