ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2003Will denn keiner den Ladenhüter?

VARIA: Post scriptum

Will denn keiner den Ladenhüter?

Dtsch Arztebl 2003; 100(50): [68]

Pfleger, Helmut

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Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen – doch schließlich heiligen pädagogische Zwecke nahezu alle Mittel –, Manfred Mäd-
ler ist der, welcher jedes Jahr mit seiner Frau Monika den Ladenhüter „Der Arzt im Schachspiel“ unverdrossen zum Ärzteturnier anschleppt und wie sauer Bier anbietet, in der nie sterbenden Hoffnung, irgendwann doch einmal ein Exemplar davon zu verkaufen (unter uns ärztlichen Brüdern: eine lesenswerte und dazumal äußerst populäre Abhandlung des Dominikanermönchs Jakobus de Cessolis über den Arzt im Mittelalter und insbesondere seine Repräsentanz im Damenbauern, denn nur dieser darf in intimer Nähe zur Dame sein). Ansonsten beklagt sich Manfred Mädler aber nicht über die Ärzte, ebenso wenig wie umgekehrt, denn diese verlassen im Allgemeinen um manch Schachbuch schwerer und manch vergnüglichen und wissenden Ratschlag reicher Bücherstand und Schachturnier.
Manfred liebt das Schachspiel und hat viel zu erzählen. Unzählige Volkshochschulkurse hat er gegeben (sein bester Schachzug dabei war das Kennenlernen seiner Frau Monika), Dutzende Turniere organisiert, etliche Schachspalten betreut, darunter viele Jahre die im „Stern“. Gott sei’s geklagt, neigt er allerdings gelegentlich zu Exzessen. Oder was halten Sie von seinem jährlichen Schachquiz in einer Schachzeitschrift, bei dem die Schwere der Fragen auch die Wissenden in Verzweiflung stürzt und sie nächtelang durch Enzyklopädien, alte Jahrgänge von Schachzeitschriften etc. wühlen lässt und so zu dieser Zeit natürlich für ein normales Eheleben untauglich macht. Da fällt mir doch gleich ein Witz von Dr. med. Stefan Hehn ein: Stellt eine Frau ihren Mann vor die Entscheidung: „Entweder ich oder Schach“, worauf er erbleichend stammelt: „Welch ein Unglück, dabei habe ich dich so geliebt!“ Könnte auch von Mädler sein.

Nun aber Schach pur. Sehen sie, wie Manfred Mädler als Schwarzer am Zug beim Kandidatenturnier zur Fernschach-WM den Dänen K. Stoltze mit einer hübschen, kleinen Schlusskombination besiegte?
Lösung:

Nach dem Scheinqualitätsopfer 1. ...Txe2! verlor Weiß unweigerlich eine Figur. Es folgte 2. Txe2 Df3+ 3. Kg1 Lxe2 4. Df2 Sd3 (setzt die Pistole auf die Brust bzw. Dame) 5. Dxf3 Lxf3 6. d6 Se5 (ja nicht den voreiligen Bauernfraß 6....Lxe4 7. d7 und der Bauer verwandelt sich in eine neue Dame), wonach Weiß die Waffen streckte – als Nächstes kommt ihm der Bauer e4 abhanden.
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