ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2003Krebsforschung: Richtungswechsel mit DKFZ-Chef Wiestler

AKTUELL: Akut

Krebsforschung: Richtungswechsel mit DKFZ-Chef Wiestler

Dtsch Arztebl 2003; 100(51-52): A-3345 / B-2785 / C-2605

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Eine Hinwendung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zur klinischen Anwendung ist das Ziel von Prof. Dr. Otmar Wiestler, der nach nur viermonatigem Berufungsverfahren zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Heidelberger Institutes ernannt wurde. „Ich möchte das Zentrum zu einem Motor entwickeln, der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Diagnostik und Therapie überführt“, sagte Wiestler bei seiner Einführungspressekonferenz: „Dazu müssen in noch stärkerem Maße als bisher Partner gesucht werden – sowohl aus dem klinischen Bereich als auch aus der Industrie.“ Ein Kernelement bei der Umsetzung dieses Konzeptes sei die Etablierung des ersten deutschen „Comprehensive Cancer Centers“, eines fachübergreifenden Tumorzentrums, in Kooperation mit den Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim.

Wiestler leitet seit 1992 das Institut für Neuropathologie der Universität Bonn, das in der Öffentlichkeit durch sein Engagement für die Forschung mit embryonalen Stammzellen bekannt geworden ist. Seit Beginn seiner Karriere steht die Aufklärung molekularer Ursachen von Gehirntumoren im Mittelpunkt seiner Arbeit. Dieses Forschungsgebiet wird er ins Krebsforschungszentrum einbringen. Im Zusammenhang mit seinem Wechsel nach Heidelberg wurden Bedenken laut, dass künftig auch am DKFZ schwerpunktmäßig mit embryonalen Stammzellen geforscht werden würde. „Dies wird nicht der Fall sein“, betonte Wiestler, „gleichwohl aber soll das Thema adulte Stammzellen eine wichtige Rolle spielen.“ Mannigfache Hinweise deuteten darauf hin, dass Stammzellen und Krebszellen viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen. „Hier könnte der Schlüssel zur Aufklärung wichtiger Merkmale von Tumorzellen liegen. Falls das Konzept eines gemeinsamen Ursprungs von Tumorzellen aus Stammzellen zutrifft, müssen wir diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagte Wiestler. Um dieses wichtige Feld zu erschließen, werde am DKFZ nun der Forschungsschwerpunkt Krebs-Stammzellen etabliert.

Handlungsspielraum für die wissenschaftliche Umorientierung des Heidelberger Zentrums sei dadurch gegegeben, dass innerhalb der nächsten vier Jahre 20 Abteilungsleiter in den Ruhestand gehen würden. Als weiteres zentrales Anliegen nannte Wiestler, den Nachwuchs stärker zu fördern: „Brillante junge Köpfe sind unser größtes Kapital.“
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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