ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2003Die neuen Zuzahlungsregeln

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Die neuen Zuzahlungsregeln

Dtsch Arztebl 2003; 100(51-52): A-3360 / B-2799 / C-2617

Merten, Martina

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LNSLNS - Ab dem 1. Januar 2004 wird bei allen ärztlichen Leistungen eine Zuzahlung von zehn Prozent der Kosten erhoben. Es fallen dabei jedoch mindestens fünf, höchstens zehn Euro je Leistung an.
- Die Zuzahlungen sind bis zum Erreichen einer Belastungsgrenze zu leisten, die die bisherige Überforderungsklausel ablöst. Danach darf die jährliche Eigenbeteiligung der Versicherten zwei Prozent der Bruttoeinnahmen nicht überschreiten, für chronisch Kranke beträgt die Grenze ein Prozent. Wer chronisch krank ist, regelt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss unmittelbar nach seiner Konstitution 2004.
- Auf Familien wird durch Freibeträge Rücksicht genommen. Der Freibetrag, um den sich das relevante Jahreseinkommen verringert, liegt für den Ehepartner bei 4 347 Euro, für jedes Kind beträgt er 3 648 Euro. Bei Alleinerziehenden ist für das erste Kind der höhere Freibetrag von 4 347 Euro in Abzug zu bringen, für jedes weitere Kind der Kinderfreibetrag. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von den Zuzahlungen befreit.
- Die Neuregelungen gelten auch für bisher befreite Empfänger von Fürsorgeleistungen, zum Beispiel für Sozialhilfeempfänger. Bisherige Befreiungsbescheide verlieren damit ihre Gültigkeit.
- Für jede Zuzahlung, die ein Versicherter leistet, bekommt er eine Quittung. Wer die persönliche Belastungsgrenze erreicht, wird für den Rest des Jahres von seiner Krankenkasse von den Zuzahlungen freigestellt. Für das Erreichen der Belastungsgrenze werden künftig alle Zuzahlungen berücksichtigt (bisher nur Zuzahlungen zu Arznei- und Verbandmitteln, Fahrkosten und Heilmitteln).
- Bei Arznei- und Verbandmitteln müssen zehn Prozent des Abgabepreises zugezahlt werden, jedoch nicht weniger als fünf und nicht mehr als zehn Euro.
- Bei Hilfsmitteln wie Einlagen oder Hörgeräten beträgt die Zuzahlung zehn Prozent für jedes Hilfsmittel, mindestens müssen fünf, höchstens zehn Euro zugezahlt werden. Sind die Hilfsmittel zum Verbrauch bestimmt, beträgt die Zuzahlung zehn Prozent je Verbrauchseinheit, maximal jedoch zehn Euro monatlich.
- Bei Heilmitteln wie Krankengymnastik oder Massagen und bei häuslicher Krankenpflege beträgt die Zuzahlung zehn Prozent des Abgabepreises; es werden nicht weniger als fünf und nicht mehr als zehn Euro an Zuzahlungen fällig. Zusätzlich fallen zehn Euro für die gesamte Verordnung an. Liegt der durchschnittliche Rezeptwert von Heilmitteln bei 140 Euro, entspricht die Zuzahlung etwa 17 Prozent – zwei Prozent mehr als bisher. Die Zuzahlung für häusliche Krankenpflege ist auf die ersten 28 Kalendertage begrenzt.
- Bei stationärer Behandlung, stationären Vorsorgemaßnahmen und stationärer Rehabilitation müssen pro Tag, maximal für die Dauer von 28 Tagen, zehn Euro zugezahlt werden.
- Bei ärztlicher und zahnärztlicher Behandlung beträgt die Zuzahlung zehn Euro je Quartal, es sei denn, die Inanspruchnahme ärztlicher Leistung erfolgt auf Überweisung.
- Die Überweisung muss in dem Kalendervierteljahr ausgestellt sein, in dem die Behandlung stattfindet. Ist dies nicht der Fall, ist eine weitere Praxisgebühr fällig. Versicherte, die Kostenerstattung gewählt haben, müssen keine Zuzahlungen leisten.
- Die Teilnahme der Versicherten an Boniprogrammen der Krankenkassen kann zu einer teilweisen Befreiung von den Zuzahlungen oder zu einer Ermäßigung des Krankenkassenbeitrags führen. Martina Merten
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