BRIEFE

Fortbildung Heureka!

Dtsch Arztebl 2003; 100(51-52): A-3370 / B-2808 / C-2626

Meyer, Frank P.

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LNSLNS Gerst schreibt: „Ungeahnte Sprengwirkung auf die künftige Organisation ärztlicher Fortbildung könnte eine Vorschrift in § 95 d (1) des Gesetzentwurfs entfalten. Die Fortbildungsinhalte müssen frei von wirtschaftlichen Interessen sein, heißt es dort lapidar.“
Da kann man nur ausrufen: „Heureka!“ Plötzlich gäbe es im deutschen Gesundheitswesen (fast) keine finanziellen Probleme mehr. Die Frage ist nur, wo werden – quasi über Nacht – die vielen industrieunabhängigen Fortbildungsreferenten herkommen? Das beträfe letztlich auch manche Mitarbeiter des DÄ. So wurde zum Beispiel in Heft 37 über den „Europäischen Kardiologenkongress“ berichtet und der „Nutzen“ von Candesartan bei Herzinsuffizienten in der CHARM-Studie präsentiert: „Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 38 Monaten verringerte sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen unter Candesartan-Therapie um 21 Prozent und die kardiovaskuläre Mortalität um zwölf Prozent.“ Ihre Berichterstatterin hat die industriefreundlichen, umsatzfördernden – aber nichtssagenden – Werte der relativen Risikoreduktion (RRR) verwendet, ohne allerdings zu schreiben, dass es sich eben um die RRR handelt. Die seriösen Zahlen (Ereignisreduktion oder absolute Risikoreduktion) lauten 4,3 Prozent (statt 21 Prozent) und zwei Prozent (statt 12 Prozent). Das entspricht NNT-(number needed to treat)-Werten von 23 beziehungsweise 50 (für 38 Monate). Das ist sicher nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend. Vor allem bleibt viel Spielraum für differenzialtherapeutische Erwägungen.
Durch eine redliche Berichterstattung und Fortbildung ließen sich die Kosten im Gesundheitswesen massiv senken, ohne dass auch nur ein einziger Patient schlechter behandelt würde – im Gegenteil, es ginge manchem besser.
Ich befürchte nur, dass es den Lobbyisten der pharmazeutischen Industrie gelingen wird, § 95 d (1) ebenso zu Fall zu bringen, wie ihnen das bei der Positivliste wiederholt gelang.
Prof. Dr. Frank P. Meyer,
Magdeburger Straße 29,
39167 Groß Rodensleben
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