ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Demodex-Milben und ihre Bedeutung für Gesichtsdermatosen

MEDIZIN: Referiert

Demodex-Milben und ihre Bedeutung für Gesichtsdermatosen

Dtsch Arztebl 1996; 93(47): A-3126 / B-2439 / C-2187

jne

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LNSLNS Die Pathogenität der beim Menschen in den Talgdrüsenfollikeln seborrhoischer Areale saprophytär lebenden Milben Demodex folliculorum und Demodex brevis ist umstritten. Im Gesicht sind sie besonders nasal, paranasal und am Kinn, aber auch im Nacken und in der oberen Brustregion nachzuweisen. Die Besiedlung der Follikel mit Demodex-Milben variiert mit dem Lebensalter. Im Laufe des Lebens nimmt die Milbenbesiedlung ständig zu, um im hohen Alter bei fast allen Menschen, allerdings in niedriger Besiedlungsdichte, vorzukommen.
Demodex-Milben können ein eigenständiges Krankheitsbild auslösen, die Demodex-Follikulitis (Demodikose, Demodikidose). Das klinische Bild ist meist nicht sehr auffällig und besteht in einer rauhen Hautoberfläche durch Ansammlung von Schuppen im Infundibulum der Talgdrüsenfollikel. Follikulär gebundene Papeln und Pusteln sind in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden. Das klinische Bild erinnert am ehesten an eine Rosacea papalopustulosa, die Asymmetrie und Begrenzung auf eine Gesichtshälfte sprechen aber gegen diese Diagnose. Die richtige Diagnose beruht gewöhnlich auf dem Nachweis von zahlreichen Milben und der Besserung nach adäquater Behandlung.
Demodex-Milben können eine entzündliche Follikulitis im Wimpernbereich (Blepharoconjunctivitis acarica) auslösen. Viele dieser Patienten haben eine seborrhoische Dermatitis mit Augenbeteiligung, andere haben eine mit Rosazea assoziierte Blepharitis. Objektiv finden sich Rötung der Lidränder, Schuppung, Pigmentierung der Zilienaustrittsstellen, eine Schuppenmanschette an der Zilienbasis und konjunktivale Injektion.
Der schnellste Weg zum Milbennachweis besteht in der Biopsie der Hautoberfläche mit Hilfe von rasch härtenden Polymeren wie Zyanoakrylat (Follikelbiopsie, skin surface biopsy). Eine andere Methode, um Demodex-Milben nachzuweisen, besteht darin, daß man Follikelfilamente mit Komedonenquetschern oder Pinzetten ausdrückt oder Pusteln und Papulopusteln eröffnet. Bei der Demodex-Blepharitis gelingt der Milbennachweis mit der Spaltlampe. Nur ausnahmsweise ist eine Hautbiopsie mit histopathologischer Aufarbeitung indiziert, um die Diagnose einer Demodex-Follikulitis zu sichern.
Allgemein gilt, daß Demodex-Milben nur dann bekämpft werden sollten, wenn ein deutlicher Zusammenhang von Infestation und Krankheit besteht. Zur topischen Behandlung ist eine Vielzahl antiparasitärer Substanzen verfügbar, einschließlich Benzoylbenzoat, Lindan (Hexachlorzyklohexan), Pyrethrin, Malathion, Allethrin, Crotamiton und Metronidazol. Die meisten davon sind für die Behandlung der Skabies zugelassen und können in der gleichen Weise angewandt werden. Metronidazol kann auch, wie bei der Trichomoniasis, wirkungsvoll zur systemischen Behandlung eingesetzt werden. Eine Prophylaxe der Demodex-Infestation gibt es nicht, da Demodex-Milben zur normalen Standortflora gehören. jne


Jansen T, Plewig G: Demodex-Milben und ihre Bedeutung für Gesichtsdermatosen. Münch. Med. Wochenschr. 1996; 138: 483–487
Dr. med. Thomas Jansen, Dermatologische Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität, Frauenlobstraße 9–11, 80337 München

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