ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2003Heiler, Rituale und Patienten

BÜCHER

Heiler, Rituale und Patienten

Dtsch Arztebl 2003; 100(51-52): A-3375 / B-2812 / C-2630

Wörrle, Bernhard

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Schamanismus
Jenseits simpler Stereotypen
Bernhard Wörrle: Heiler, Rituale und Patienten. Schamanismus in den Anden Ecuadors. Dietrich Reimer Verlag, Berlin, 2002, 408 Seiten, 100 SW-Abbildungen, kartoniert, 30 €
Schamanismus ist ein Thema, das in den letzten Jahren auch in unseren Breiten zunehmend an Interesse gewonnen hat – bei medizinischen Laien und Patienten wie auch bei Ärzten. Auf dem Buchmarkt drückt sich das in einer stetig wachsenden Zahl neuer oder wieder aufgelegter Bücher aus, die der Leserschaft in ihrer Mehrzahl eine praxisorientierte Einführung in schamanisches Wissen und Techniken vermitteln wollen. Schamanismus wird dabei gerne als das älteste Heilsystem der Menschheit idealisiert, welches sich in exotischen, von der westlichen Zivilisation (noch) nicht erreichten Regionen dieser Welt – wie dem Himalaja, Sibirien, den Anden oder Amazonien – bis heute erhalten habe.
Einen anderen Zugang zu diesem Thema vermittelt der Ethnologe Bernhard Wörrle in seinem Buch über die Schamanen aus einem „Heilerdorf“ bei Otavalo, im Norden von Ecuador. Während einer einjährigen Feldforschung untersuchte er, wie die traditionellen indianischen „Heiler“ heute leben und arbeiten. In einem auch für Nicht-Ethnologen angenehm lesbaren Stil beschreibt Wörrle den Schamanismus als eine lebendige soziale Praxis zur Bewältigung von Krankheit und diversen anderen Arten von Unglück. Es gelingt ihm, jenseits simpler Stereotypen ein differenziertes Bild der traditionellen Medizin in diesem auch bei deutschen Touristen beliebten Teil der Anden zu zeichnen und dabei die verschiedenen Dimensionen des Phänomens – von der indianischen Kosmologie über die Rituale bis hin zum Pragmatismus der verschiedenen Akteure und zum sozialen und kulturellen Wandel – schlüssig miteinander in Beziehung zu setzen. Auch die einschlägige ethnologische Literatur zum Thema wird ausführlich rezipiert.
Für alle jene, die sich für Schamanismus als ein soziales und kulturelles Phänomen der Gegenwart interessieren, bietet dieses Buch eine anregende Lektüre. Michael Knipper
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