ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2003„Der Charlatan strebt nicht nach Wahrheit, er verlangt nur nach Geld“

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„Der Charlatan strebt nicht nach Wahrheit, er verlangt nur nach Geld“

Teichler, Jens-Uwe

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Jens-Uwe Teichler: „Der Charlatan strebt nicht nach Wahrheit, er verlangt nur nach Geld“. Zur Auseinandersetzung zwischen naturwissenschaftlicher Medizin und Laienmedizin im deutschen Kaiserreich am Beispiel von Hypnotismus und Heilmagnetismus. Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Beiheft 18, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2002, 233 Seiten, 16 Abbildungen, kartoniert, 34 €
Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert konnte die naturwissenschaftlich fundierte Medizin beachtliche Erfolge in Grundlagenforschung und Diagnose verzeichnen. Konterkariert wurde diese Entwicklung durch eine steigende Zahl von Laienmedizinern, die nach der Freigabe der Heilkunde in der Reichsgewerbeordnung 1871 den Ärzten mit alternativen Heilmethoden zunehmend Konkurrenz machten.
Zu den beliebtesten dieser Heilmethoden gehörte neben Naturheilkunde und Homöopathie der Heilmagnetismus, dem Jens-Uwe Teichler erstmals eine ausführliche, nüchtern analysierende Studie widmet. Auf breiter Quellengrundlage stellt er zunächst die Entwicklung des Hypnotismus durch schulmedizinisch geprägte Ärzte dar, nimmt dann die praktizierenden Laienmediziner, ihre Patienten und ihre Berufsorganisationen in den Blick, um schließlich den Konflikt zwischen Ärzteschaft und Heilmagnetiseuren als Beispiel für die Auseinandersetzung zwischen Ärzteschaft und Laienmedizinern im Kaiserreich zu untersuchen.
Den Heilmagnetiseuren gelang es, ihre Heilmethode äußerst werbewirksam zu vermarkten. Ihre öffentlichen hypnotischen Experimente provozierten heftige Anfeindungen seitens der Ärzteschaft. Die wenigen Ärzte, die sich selbst der Hypnose bedienten, wirkten nicht mäßigend auf den Konflikt zwischen Ärzteschaft und Heilmagnetiseuren ein. Im Gegenteil nahmen sie aktiv am Kampf der Ärzteschaft gegen das „Kurpfuschertum“ teil. Unterstützung erhielt die Ärzteschaft durch den Staat, der den Aktionsradius der Nichtapprobierten einzuengen versuchte. Die Laienmediziner wiederum wussten einen großen Teil der öffentlichen Meinung hinter sich, die die medizin- und ärztekritischen Parolen der Laienmediziner gerne aufgriff. Der Rückhalt in der Öffentlichkeit, die Zusammenschlüsse der Laienmediziner in Berufs- und Interessenverbänden und ihre Unterstützung durch mitgliederstarke und streitbare Laienorganisationen bewahrten den Laienmedizinern ihre Existenzgrundlage. Ein gesetzliches Verbot der Laienpraxis, das sich die Ärzteschaft wünschte, erwies sich als politisch nicht durchsetzbar. Cornelia Regin
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