ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2003Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „UAW-News“ – International

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „UAW-News“ – International

Dtsch Arztebl 2003; 100(51-52): A-3407 / B-2839 / C-2655

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LNSLNS Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft
„UAW-News“ – International
Erhöhte Inzidenz von zerebrovaskulären Ereignissen unter
COX-2-Inhibitoren im Vergleich zu Meloxicam

Die AkdÄ möchte Sie im Folgenden über Publikationen und Meldungen aus dem internationalen Raum informieren und hofft, Ihnen damit nützliche Hinweise auch für den Praxisalltag geben zu können.
Cyclooxygenase-(COX-)2-selektive Substanzen wurden mit dem Ziel entwickelt, die Häufigkeit von gastrointestinalen UAW im Vergleich zu nichtselektiven nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) zu vermindern (1; 2). Diese Hoffnung hat sich nur zum Teil erfüllt. Die Kenntnisse über das tatsächliche UAW-Profil von Coxiben sind immer noch unzureichend, weshalb Zurückhaltung in der Verordnung geboten ist. Die längste klinische Erfahrung besteht mit den Substanzen Rofecoxib (Vioxx®) und Celecoxib (Celebrex®). Aus dem Blick scheint bei vielen Anwendern geraten zu sein, dass bei den traditionellen NSAR ebenfalls Substanzen mit erhöhter COX-2-Selektivität, wie zum Beispiel Meloxicam (Mobec®), zur Verfügung stehen. COX-2-Hemmer vermindern die vasodilatatorische und plättchenaggregationshemmende Prostacyclinproduktion und könnten auf diese Weise prothrombotische Aktivität haben. Die Datenlage zur Häufigkeit von vaskulären Ereignissen ist aber bislang noch nicht eindeutig (3).
In einer neuen Studie aus England (4) wurde jetzt festgestellt, dass die alters- und geschlechtskorrigierte Häufigkeit von zerebrovaskulären Ereignissen unter Celecoxib im Vergleich zu Meloxicam signifikant erhöht ist (Relatives Risiko 1,66; 95 % Konfidenzintervall 1,10–2,51). Es gab jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Celecoxib und Meloxicam bei den kardiovaskulären (RR 1,72; KI 0,87–3,40) und bei den peripheren venös-thrombotischen Ereignissen (RR 1,06; KI 0,51–2,19). Eine ähnliche Untersuchung zu Rofecoxib und Meloxicam (5) zeigte ebenfalls eine erhöhte Rate an zerebrovaskulären Ereignissen (RR 1,68; KI 1,15–2,46), hat aber eine Verminderung der peripheren venös-thrombotischen Ereignisse (RR 0,29; KI 0,11–0,78) bei unveränderten kardiovaskulären Ereignissen (RR 1,38; KI 0,71–2,67) gezeigt. Der Untersuchungszeitraum umfasste jeweils neun Monate nach der ersten Verschreibung. Die Gabe von NSAR in den drei der Verschreibung vorausgehenden Monaten hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse.
Die angewendete Methode, das Prescription Event Monitoring (PEM), ist eine beobachtende Methode der Arzneimittelsicherheit nach der Markteinführung, die vor allem in staatlichen Gesundheitssystemen wie in Großbritannien zur Anwendung kommt. PEM ist nichtinterventionell, das heißt, der Arzt wird in der Wahl seiner Verschreibung nicht beeinflusst. Die Methode erfasst daher Patienten ohne Ein- und Ausschlusskriterien unter den Bedingungen der alltäglichen Praxis.
Die Inzidenz der Ereignisse in den jeweiligen Kohorten war niedrig (< 0,5 %), wie dies bei nichtselektierten Patienten von Allgemeinpraxen zu erwarten ist. Daher muss die Relevanz der Ergebnisse im Zusammenhang mit anderen klinischen und pharmakoepidemiologischen Untersuchungen zu COX-2-Inhibitoren gesehen werden. Es erscheint jedoch wichtig, dass selektive COX-2-Inhibitoren zumindest keine geringeren vaskulären Ereignisraten als das klassische Meloxicam aufweisen. Ob gehäufte zerebrovaskuläre Ereignisse als Klasseneffekt anzusehen sind, bleibt offen.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen unter der AkdÄ-Internetpräsenz www.akdae.de abrufen.
Literatur
1. Bombardier C, Laine L, Reicin A et al.: Comparison of upper gastrointestinal toxicity of rofecoxib and naproxen in patients with rheumatoid arthritis. VIGOR Study Group. N Engl J Med 2000; 343: 1520–1528.
2. Silverstein FE, Faich G, Goldstein JL et al.: Gastrointestinal toxicity with celecoxib vs nonsteroidal anti-inflammatory drugs for osteoarthritis and rheumatoid arthritis: the CLASS study: A randomized controlled trial. Celecoxib Long-term Arthritis Safety Study.
JAMA 2000; 284: 1247–1255.
3. Mukherjee D, Nissen SE, Topol EJ: Risk of cardiovascular events associated with selective COX-2 inhibitors. JAMA 2001; 286: 954–959.
4. Layton D, Hughes K, Harris S, Shakir SA: Comparison of the incidence rates of thromboembolic events reported for patients prescribed celecoxib and meloxicam in general practice in England using Prescription-Event Monitoring (PEM) data. Rheumatology (Oxford) 2003; 42: 1354–1364.
5. Layton D, Heeley E, Hughes K, Shakir SA: Comparison of the incidence rates of thromboembolic events reported for patients prescribed rofecoxib and meloxicam in general practice in England using prescription-event monitoring (PEM) data. Rheumatology (Oxford) 2003; 42: 1342–1353.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233–237, 50931 Köln, Telefon: 02 21/40 04-5 28, Fax: 02 21/40 04-5 39, E-Mail: info@akdae.de, Internet: www.akdae.de
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