Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Prof. Maders Betrachtungen über Eigenheiten des Berufsfeldes Allgemeinmedizin heben zu Recht das Unscharfe, das Unausgelesene, Uncharakteristische, kurzum das Komplexe, hervor, mit dem der Generalist häufiger konfrontiert ist als die übrigen Disziplinen. Ein Badge, geprägt mit der Maderschen Definition „Spezialist sui generis“ passte deshalb gut aufs Revers des Praktiker-Kittels. Das Phänomen der Selbstorganisation von Prozessen beherrscht alle Ebenen der AM, wobei der Doktor selbst zum Prozesselement wird. Was will Prof. Mader deutlich machen, wenn er seine Termini aus der Denkwelt der Komplexitätswissenschaften bezieht? Meinte er vielleicht dies: Die AM ist durch ihren Auftrag und aus epistemischer Sicht (das ist jetzt unsere Meinung), dringend gefordert, nicht nur ihre politische Stellung im System, sondern ihr Eigenverständnis auch im Wissenschaftlichen neu zu formulieren: Die AM wird dann sagen müssen, mit welchen Methoden der Wissenschaft sie ihr Kerngeschäft durchführen will, das Erfassen, Analysieren, Ordnen und Überwachen des in seinem Umfeld komplex-unscharfen „Systems Patient“. Dass die AM diese Outline-Prozeduren empirisch-intuitiv gut besorgt, beweist sie täglich. Gedankt wurde ihr dies nicht. Im Gegenteil, man greift sie immer wieder an, gerade wegen der Unschärfe ihres Arbeitsmilieus und wegen zu schwach begründeter Methoden. Will die AM dem ein Ende setzen, um sozusagen „wissenschaftlicher“ dazustehen, so muss sie allen übrigen Disziplinen deutlich machen können, was sie eigentlich tut und was die Komplexität ihres Umfeldes im Besonderen ausmacht – und wie sie mit dieser umgeht. Dazu braucht sie die Mittel, das Denken, das Erklären, das Vokabular und die Semantik, die die Wissenschaft von der Non-Linearität und der Systemanalyse bereithält. Die AM hätte dann ein ganz neues Beschreibungssystem an der Hand, für alle NL-dynamischen Systeme in der Medizin und deren Eigenheiten, mit denen sie (natürlich auch alle anderen Fächer) aber in besonderer und prozedural typischer Weise verfährt. Phänomenologie und Semantik des Non-Linearen ins eigene Denken und Wirken zu integrieren, das Bemühen Komplexität zu erklären, das sind für uns die zeitlogischen und ehrlichen Essenzen für ein wahrhaft neues Arztbild in der Allgemeinmedizin. Wenn Prof. Mader dies so oder so ähnlich sieht, so möge er meine begeisterte Zustimmung akzeptieren.
Dr. med. H. Forchheimer, Leitzachtalstraße 153, 83730 Fischbachau
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote