ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Börsebius über Steuersparmodelle (I): Alle Jahre wieder

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Börsebius über Steuersparmodelle (I): Alle Jahre wieder

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, kommt so mancher Steuerberater mit sorgenvollem Blick daher, man solle doch "was tun", um die drückende Steuerlast zu senken und dem Fiskus nicht alles in den Rachen zu werfen. Da trifft es sich gerade possierlich, daß just ein Anbieter einer Schiffsbeteiligung oder einer Ostimmobilie oder eines Flugzeugleasing oder . . . auf den Plan tritt, er habe da eine wunderbare Offerte. . .
Und wie das so ist mit wirklichen Perlen, die seien halt schnell weg, und es gelte, sich heute, spätestens morgen, noch zu entscheiden. Da ist er wieder, der Druck. Von innen und außen. "Sei doch nicht so blöd und mach’ das endlich mit dem Modell", meckert der innere Neidhammel, "so viel Steuern hat der Staat ausgerechnet von mir nicht verdient, und schließlich hat der Kollege Chefarzt das auch gezeichnet, und dann sind wir zusammen schlau."
Von außen drängelt der Steuerberater, die Anbieter drängeln sowieso, was bei denen unmittelbar einleuchtet, gibt ja schließlich dicke Kohle für die Herrschaften. Je nach Produkt kassiert so ein Anlagevermittler Provisionen bis zu einer Höhe von sieben Prozent der Investitionssumme.
Wohlgemerkt, von der ganzen Summe, und nicht etwa vom eingesetzten Eigenkapital, sondern eben auch vom zusätzlich aufgenommenen Fremdkapital. Da kommen ganz schnell fette Provisionen heraus, und dafür kann man doch mal eine Runde über Gebühr freundlich sein, zumal die Hochglanzprospekte oft genug edle Inhalte suggerieren, aber meist eben nur suggerieren.
Der guten Ordnung halber: Die Provisionen für den Anlagevermittler, den Vermittlungslohn für den Kredit, Mietgarantien und weiß der Teufel was noch alles zahlt natürlich nicht der Initiator, der streckt die Beträge bestenfalls vor. Diese Aufschläge bezahlen Sie alle schön brav selber, als sogenannte weiche Kosten, man könnte auch sagen, als Aufblasen des Substanzwertes. Aber nochmal zum Steuerberater. Wieso findet er denn solche Modelle klasse? Die boshafte, gleichwohl nicht böswillige Annahme ist die, daß etliche Steuerberater auch noch Provisionen für die vorgeschlagenen Modelle kassieren. "Zufällig habe ich grade einen vielversprechenden Prospekt, den habe ich sogar selbst gezeichnet."
Ich wette, mancher von Ihnen hört das nicht zum erstenmal. Die feine Art ist das freilich nicht. Wahr ist aber auch, daß der ansonsten "redliche" Steuerberater von so einem Modell auch deswegen profitiert, weil er schlicht mehr zu tun hat und damit mehr abrechnen kann. Jahr für Jahr. Und wenn dann so ein Modell steuerlich Ärger macht, dann kann der gute Mann auch noch schön mit dem Finanzamt rumstreiten, danach mit dem Finanzgericht in den Clinch gehen und so gepflegte Altersvorsorge betreiben. Für sich und auf Ihre Kosten, versteht sich. Börsebius
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