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Die von der Redaktion des Deutschen Ärzteblattes übersetzte Geschichte (Revitalized) wurde dem British Medical Journal (BMJ 2001; 322: 1409 [9 June]) entnommen.
Das British Medical Journal berichtet in unregelmäßigen Abständen über besondere Arzt-Patienten-Beziehungen.


Wie üblich war ich in Eile. Krankenhauskorridore sind zur Mittagszeit voll von sich langsam bewegenden Patienten und ihren Verwandten. Eine junge Frau im Rollstuhl, die von ihrer Mutter geschoben wurde, stellte sich mir in den Weg. Nachdem es mir gelungen war, ihnen auszuweichen, schritt ich wieder tüchtig voran, bis ich plötzlich jemanden meinen Namen rufen hörte. Überrascht drehte ich mich um, um die beiden Frauen zu finden, die mich riefen – Wiedererkennen auf ihren Gesichtern. Ich zerbrach mir den Kopf, um mich zu erinnern, woher ich sie kannte. Patienten erkennen ihre Ärzte sofort wieder, aber umgekehrt ist das nicht der Fall. Sie sehen so anders aus, wenn es ihnen wieder besser geht.
Ach ja, das war es. Die junge Frau lag vor kurzem auf der Intensivstation. Die Frau, die ich sah, entsprach in keinerlei Hinsicht meiner Erinnerung an sie. Ich erinnerte mich an sie als abhängig von künstlicher Beatmung, aufgeschwemmt und zu schwach, um selbst ihre Hand aus dem Bett zu heben. Es hatte lange gedauert, sie von der künstlichen Beatmung abzugewöhnen, und ihr Fortschritt war zu bestimmten Zeiten unmerklich langsam. Sie hatte immer noch eine Tracheostomie, war aber fähig, mithilfe einer Sprechklappe zu sprechen. Ihre Mutter schäumte über vor Freude bei den begeisterten Berichten über den Fortschritt ihrer Tochter.
Die beiden schienen extrem dankbar, dabei hatte ich das Gefühl, nur sehr wenig getan zu haben. Sie war eine junge Frau, die unter anderem an akuter Porphyrie litt. In den letzten beiden Jahren hatte sie mehr als zehn Monate auf der Intensivstation verbracht. Es gab Zeiten, da fühlte ich mich hilflos. Alles, was wir tun konnten, war, sie zu beatmen, ihr Methadon gegen die Schmerzen zu verabreichen und ihr die bestmögliche Pflege zukommen zu lassen. Ich fühlte mich verlegen, wenn ich sie auf der Intensivstation sah, weil ich ihr medizinisch kaum helfen konnte. Aber ich bemühte mich. Ich war immer beeindruckt, wie ruhig sie in manchen schwierigen Situationen blieb. Sie gab nie auf und konnte schließlich die Station verlassen. Anschließend, wie so oft, verlor ich den Kontakt zur ihr.
Jetzt sah ich sie vor mir: stolz und glücklich zu leben und dankbar für die medizinischen Eingriffe, die ich für so unzureichend gehalten hatte. Plötzlich schien meine Eile nicht mehr so groß. Ich blieb stehen und unterhielt mich mit ihr. Ich erfuhr, wie sie lernte, wieder zu gehen und wie sie ihre ersten Schritte machte. Ich erfuhr von ihren regelmäßigen Ausflügen im Rollstuhl, einschließlich ihrer Besuche im Pub. Ich erfuhr, dass ihr Leben wertvoll war.
Für den Rest des Tages fühlte ich mich wie auf Wolken. Völlig aus meiner depressiven Stimmung herausgeholt, hatte ich ein positives Feedback von einer Patientin, von der ich dachte, dass ich sie nicht optimal therapiert hätte – dafür hatte es Sinn gemacht, über den Korridor zu gehen. Die Daseinsberechtigung der Intensivmedizin war auf Anhieb wieder hergestellt. Perry Board
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