ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2004Rehabilitation: Ambulant vor stationär

SEITE EINS

Rehabilitation: Ambulant vor stationär

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der von der Politik geforderte Trend zu einer verstärkten wohnortnahen ambulanten Rehabilitation setzt sich nur zögernd fort. Dabei ist die ambulante Versorgung in einigen Indikationsbereichen der stationären ebenbürtig. Die Bedarfsschätzungen für die Versorgung im ambulanten Bereich differieren. Die Sozialversicherungen gehen von einer Zielgröße in Höhe von 20 Prozent aus. Davon ist man zurzeit noch weit entfernt.
Lediglich vier Prozent aller Rehabilitationsmaßnahmen zulasten der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte im Jahr 2002 wurden
an jene 103 Rehabilitationszentren überwiesen, die bereits heute ambulante Rehabilitationsmaßnahmen anbieten. Von den 450 000 Rehabilitationsmaßnahmen-Bewilligungen (ohne Entwöhnungsbehandlung) kamen nur rund 19 000 Patienten in den Genuss ambulanter Rehabilitationsleistungen. Schwerpunkt war die Orthopädie mit 87 Prozent aller Maßnahmen. Mit fast 40 Prozent der Rehabilitationsmaßnahmen nach Unfallfolgen und annähernd 60 Prozent wegen Bandscheibenerkrankungen sind davon im Bereich der Techniker Krankenkasse fast ausschließlich orthopädische (muskuloskelettale) Indikationen betroffen.
Eine empirische Studie im Zentrum für ambulante Rehabilitation in Berlin hat nachgewiesen, dass die Durchführung von ambulant erbrachten Rehabilitationsleistungen im Bereich der orthopädischen Rehabilitation lediglich zwischen 70 und 80 Prozent derjenigen Kosten verursacht, die bei vollstationärer Unterbringung des Rehabilitanden anfallen würden. Die Befolgung des Prinzips „ambulant vor stationär“ wirkt auch hier kostensparend.
Allerdings warnt die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V., Berlin, mit Recht davor, dass sich Rehabilitationsträger vorschnell in das Wagnis der ambulanten Rehabilitation stürzen, denn dies ist zurzeit betriebswirtschaftlich riskant. Langfristig kann sich aber die ambulante Rehabilitation etablieren, wenn die Vergütungs- und Tagespflegesätze der Kostenträger erhöht würden. Dr. rer. pol. Harald Clade

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote