ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2004Bronchialkarzinom: Antikörper-Therapie enttäuschend

AKTUELL: Akut

Bronchialkarzinom: Antikörper-Therapie enttäuschend

Dtsch Arztebl 2004; 101(4): A-149 / B-129 / C-129

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Obwohl viele nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC) den HER2-Rezeptor ausbilden, an dem der Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) ansetzt, scheint das Medikament bei diesem Tumor nicht wirksam zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine in den Annals of Oncology (2004; 15: 19–27) publizierte Studie. Unter der Leitung von Dr. Ulrich Gatzemeier (Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie am Krankenhaus Großhansdorf) wurden 619 Patienten mit NSCLC gescreent. Von ihnen erfüllten 103 die Einschlusskriterien: Die nicht vorbehandelten Patienten mit Tumoren im Stadium IIIB/IV mussten HER2-positiv sein. Sie wurden auf zwei Gruppen randomisiert. Eine Hälfte wurde mit sechs Zyklen Gemcitabin plus Cisplatin behandelt. Die andere Hälfte erhielt zusätzlich Trastuzumab.

Bei Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom verlängert Trastuzumab die Überlebenszeit, weil der Antikörper den Rezeptor HER-2 außer Kraft setzt und so das Tumorwachstum bremst. Beim NSCLC scheint dies nicht der Fall zu sein. Weder in der Ansprechrate noch bei der medianen Zeit bis zur Progression, noch im medianen progressionsfreien Überleben gab es einen Vorteil. Die Ergebnisse waren sogar tendenziell schlechter, wenn auch die Unterschiede statistisch nicht signifikant waren.
Gatzemeier zeigt sich in einer Pressemitteilung der European Society for Medical Oncology enttäuscht über die Ergebnisse der Phase-II-Studie. Positive Ergebnisse habe es einzig in einer Untergruppe von sechs Patienten mit einer besonders starken Expression von HER2 gegeben. Hier wurde eine Ansprechrate von 83 Prozent erzielt, wohingegen es im Gesamtkollektiv der Herceptin-Behandelten 36 Prozent waren. Das mediane progressionsfreie Überleben war mit 8,5 Monaten ebenfalls länger (zum Vergleich: sieben Monate im Gesamtkollektiv der Herceptin-Behandelten). Gatzemeier schlägt daher vor, die Therapie in weiteren Studien auf diese Gruppe zu beschränken, auf die jedoch weniger als fünf Prozent aller Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC entfallen. Rüdiger Meyer
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