ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2004Dosiswerte in der Röntgendiagnostik: Ergänzung

MEDIZIN: Diskussion

Dosiswerte in der Röntgendiagnostik: Ergänzung

Dtsch Arztebl 2004; 101(4): A-197 / B-170 / C-169

Cohnen, Matthias

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Ausführungen der Autoren stellen einen wichtigen Beitrag zum Thema Strahlenschutz des Patienten dar. Für den Zuweiser wichtig ist dabei weniger die detaillierte Kenntnis einzelner Dosiswerte, sondern die Aussage, dass „dem Radiologen [. . .] alle verfügbaren Informationen über bisherige medizinische Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen“ sind. Der Fachmann für die technische Durchführung und Interpretation der resultierenden Aufnahme ist der Radiologe, der im Zusammenwirken mit den jeweiligen zuweisenden Kollegen die richtige Untersuchungsmethode zur Klärung der jeweiligen Fragestellung auswählt. Die Tabelle gibt Durchschnittswerte für die effektive Dosis einzelner radiologischer Untersuchungen an. Gefehlt hat eine Angabe zum Thorax in zwei Ebenen, der bei etwa 0,1 mSv liegen dürfte. Dann wird auch der Faktor 50, um den die effektive Dosis einer CT-Thorax höher als bei einer Übersichtsaufnahme liegt, besser verständlich. Ähnliches gilt für die Untersuchung des Abdomens in zwei Ebenen, hier könnten dann bis zu 2 mSv erreicht werden. Nicht vergessen werden sollte, dass bei Dünndarmuntersuchungen („Sellinck“), die ja häufig bei jungen Patientinnen und Patienten durchgeführt werden, Dosiswerte eines Abdomen-CT leicht erreicht werden. Weiterhin sollte bedacht werden, dass die weibliche Brustdrüse sowohl bei der Herzkatheteruntersuchung als auch beim Thorax-CT direkt im Strahlengang beziehungsweise dem Primärstrahlbündel gelegen ist. Gerade für die CT ergeben sich hier erhebliche Ortsdosiswerte, die die einer Mammographie beispielsweise weit übersteigen (2). Ein weiterer Hinweis sollte noch im Hinblick auf die neuen Mehrschicht-Spiral-Computertomographie-Geräte gegeben werden. Nach den ersten Daten, unter anderem auch der eigenen Arbeitsgruppe, führt die Mehrzeilen-Technologie nicht zu einer Dosiserhöhung per se, wenn dieselben Parameter wie bei einer Einzeilen-CT verwendet werden. Die erhöhte Leistungsfähigkeit führt aber zu einer Ausweitung der Indikationsstellungen (zum Beispiel Herz-CT, Lungenembolie-Detektion, CT-Angiographie) sowie zum Trend, eine Untersuchung in mehreren Perfusionsphasen durchzuführen, sodass hierdurch eine Dosiserhöhung im Mittel eintreten kann (1, 3).
Der nominelle Risikokoeffizient beträgt durchschnittlich fünf Prozent pro Sievert. Die Größenordnung der effektiven Dosis einer Röntgenuntersuchung liegt jedoch im Milli-Sievert-Bereich. Das rechnerische Risiko, einen Tumor durch eine Röntgenuntersuchung zu entwickeln, sollte jedoch im Zusammenhang mit dem allgemeinen Risiko, zum Beispiel für ein Tumorleiden, gesehen werden. Dies dürfte bei etwa 25 Prozent liegen (4). Hierbei geht es nicht darum, Risiken abzuwiegeln, sondern diese in der Größenordnung zu veranschaulichen und in Verbindung mit dem Nutzen beziehungsweise dem diagnostischen Gewinn einer Maßnahme zu betrachten, um den Gedanken des Strahlenschutzes („ALARA“) verfolgen zu können. Ich hoffe, dass die Arbeit auf diesem Wege sehr zur Verringerung der Strahlenexposition beitragen kann.

Literatur
1. Brix G, Nagel HD, Stamm G, Veit R, Lechel U, Griebel J, Galanski M: Radiation exposure in multislice versus single-slice spiral CT: results of a nationwide survey. Eur Radio 2003; im Druck.
2. Cohnen M, Poll L, Püttmann C, Ewen K, Mödder U:
Radiation exposure in multi-slice CT of the heart. Fortschr Röntgenstr 2001; 173: 295–299.
3. Cohnen M, Poll LW, Püttmann C, Ewen K, Saleh A, Mödder U: Effective doses in standard protocols for multi-
slice CT scanning. Eur Radiol 2003; 13: 1148, 1153.
4. Ewen K (ed): Moderne Bildgebung. Stuttgart: Thieme Verlag 1997.
Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Cohnen
Institut für Diagnostische Radiologie, MNR-Klinik
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige