ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2004Technik-Finanzierung: Leasen oder kaufen?

VARIA: Wirtschaft

Technik-Finanzierung: Leasen oder kaufen?

Dtsch Arztebl 2004; 101(4): A-201 / B-174

Iburg, Holger

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LNSLNS Das letzte Wort sollte der Steuerberater haben.

Obwohl im Gesundheitswesen jährlich etwa 2,7 Milliarden Euro in mobile Wirtschaftsgüter investiert werden, ist die Technik in vielen Arztpraxen überaltert. Als alte Technik gilt, was länger als zehn Jahre in Betrieb gewesen ist. Der Zentralverband der Elektrotechnik und Elektronikindustrie schätzt, dass in Praxen und Kliniken Altgeräte im Wert von 25 Milliarden Euro stehen. Die Folge ist ein gewaltiger Investitionsstau.
Ärzte, die sich trotz der unsicheren politischen Rahmenbedingungen für die Anschaffung eines neuen Diagnose- oder Therapiegerätes entscheiden, stehen vor der Entscheidung, wie sie dieses finanzieren wollen. „Dabei legt die Höhe der zu erwartenden Investitionskosten im Grunde die Finanzierungsform fest“, meint Rudolf Beyenburg, Mitglied der Geschäftsleitung von GE Medical Systems Europe, einem weltweiten Anbieter von Medizintechnik.
Vier Alternativen
Es gibt vier Finanzierungsarten: Kauf, Mietkauf, Leasing und Kredit-Finanzierung.
Die zumeist unüblichste Art der Beschaffung ist der reine Kauf. Dafür muss die Summe in bar vorliegen.
Der Mietkauf sieht feste monatliche Raten vor, am Ende der Zahlungszeit geht das Objekt in den Besitz des Mietkäufers über. Bei den meisten Geräten bietet sich diese Finanzierungsform nicht an, weil entweder die Raten sehr hoch sind oder nach einer langen Abzahlungszeit das Gerät veraltet ist.
Leasinggesellschaften versprechen günstige Beschaffung und Schonung der finanziellen Ressourcen. Geleast werden kann mittlerweile nahezu alles: Laborausstattungen, Praxiseinrichtungen, Wartezimmermobiliar oder auch das Bereitschaftsfahrzeug. Wolfgang Eck, Sprecher der Deutschen Leasing AG, erklärt das Prinzip: „Die Leasinggesellschaft kauft in Absprache mit dem Arzt das gewünschte Gerät und übernimmt die komplette Finanzierung. Der Arzt nutzt das Gerät uneingeschränkt, ohne dass er die Investitionssumme aufbringen muss. Stattdessen zahlt er eine monatliche feste Leasingrate.“ Kundendienst und Gewährleistung bleiben in vollem Umfang erhalten. Manche Leasingfirmen bieten obendrein an, Wartung und Versicherung in die Leasingrate mit einzubeziehen; zwecks Unterscheidung spricht man im Markt dann auch gern von Nutzungsverträgen. Nach Ablauf der Leasingzeit – gesetzlich festgelegt sind bei medizintechnischen Großgeräten maximal 86 bis 96 Monate – besteht ein Restwert, der sich nach dem dann gültigen Marktwert oder Restbuchwert richtet. Diesen kann der Arzt bezahlen – dann erst gehört das Gerät ihm. Oder es geht an die Leasingfirma zurück. Dritte Möglichkeit: ein neues Gerät leasen. Manche Leasingfirmen können deshalb niedrigere Raten – und damit Vertragszins – anbieten, weil sie etwa im Ausland eigene Verwertungsmöglichkeiten haben und somit einem Arzt in Deutschland, wo der Gebrauchtgerätemarkt noch nicht so etabliert ist, es ersparen können, voll zu amortisieren. Damit ergeben sich im Grundsatz ähnliche Vorteile für einen Arzt beim Leasen eines medizintechnischen Großgerätes wie beim Leasen eines Wagens, wobei die Autoleasinggesellschaft Restwertrisiko und -chance trägt. Vor ihrer Investitionsentscheidung sollten Ärzte oder Praxisgemeinschaften entscheiden, ob sie nach vier Jahren Leasing etwa eines Computertomographen (CT) noch eine Restwertsumme von rund 353 000 Euro aufbringen wollen, damit der CT ihr Eigentum wird. Andererseits beinhalteten Angebote wie das der Medizintechnik-Experten der Deutschen Leasing neben dem reinen Finanzierungsaspekt auch Investitionsconsulting sowie zusätzliche Serviceleistungen, hebt Wolfgang Eck hervor.
Als weitere Alternative bietet sich die Kredit-Finanzierung an. Vorteil: Die über die gesamte Laufzeit feststehende Verzinsung ist wie beim Leasing überschaubar, aber bietet etwas bessere Planungssicherheit (ähnlich wie beim Mietkauf), weil sich potenzielle Erhöhungen der Mehrwertsteuer in der Zukunft nicht in einer Anpassung der Rate niederschlagen können. Nicht zu unterschätzen beim Kredit: Der Kreditnehmer tritt gegenüber dem Geräteanbieter als Barzahler auf und kann möglicherweise bessere Konditionen aushandeln. Darüber hinaus ist er nach dem Kauf der Eigentümer. Fairerweise muss man allerdings festhalten, dass auch beim Leasing der Kunde den besten Preis aushandeln kann. Manche Leasinggesellschaften treten gegenüber Herstellern als Großkunden auf und können entscheidend günstigere Konditionen an ihre Kunden durchreichen.
Die steuerlichen Aspekte
Bei der Entscheidung für Leasing oder Kredit dürfen zudem steuerliche Aspekte nicht unberücksichtigt bleiben. Einerseits sind Leasingraten voll abzugsfähige Betriebskosten, beim Kredit dagegen nur die Zinsen und die Abschreibung. Andererseits kann etwa der Aufwand für Abschreibungen anders ausfallen, oder es können höhere Steuern durch Verlängern der Bilanz fällig werden. Schon aus diesen Gründen sollte vor der Unterschrift zu Kauf oder Leasing immer das beratende Gespräch mit dem Steuerberater stehen. Leasinggesellschaften verweisen etwa darauf, dass Leasing bei Praxisneugründungen nahezu unschlagbar ist, weil es den Verlust im Falle eines Scheiterns um 16 Prozent im Vergleich zu einer Mietkauf- oder Kreditfinanzierung reduziert. Dieses hängt damit zusammen, dass die Ärzte nicht umsatzsteuerausweisfähig sind.
Oft vergessen werden die versteckten Kosten einer Anschaffung. Passt etwa ein Ultraschallgerät noch durch die Haustür, sieht das bei einem Kernspintomographen anders aus. Hier müssen unter Umständen ganze Gebäudeteile aufgerissen und nach der Aufstellung wieder instand gesetzt werden. Hinzu kommen Einbau-, Wartungs- und Ausbaukosten (für Altgeräte) sowie Aufwendungen für Ausfallzeiten. Denn zumeist kann während der Bauphase nicht gearbeitet, mithin auch kein Geld verdient werden.
Leasing ist die einfachere Alternative. Die Leasingfirmen beschaffen das Gerät und bieten günstige Raten. Die Gesellschaften prüfen vor allem bei Großinvestitionen die Bonität ihrer Kunden. Da sie aber auch das Leasing-Objekt und dessen Verwertbarkeit im Blick haben, bieten sie mitunter attraktivere Konditionen und sind schneller in der Entscheidung als Banken. Manche Firmen wie die Ärzte- und Apotheker-Leasing GmbH in München haben sich zudem auf das Leasen von Medizingeräten spezialisiert. Die Banken sind bisweilen restriktiver bei der Geldvergabe. Sie betrachten, gerade bei großen Anschaffungen, die gesamte wirtschaftliche Situation des Kreditnehmers. Über die steuerliche Wirksamkeit von Leasing und Kredit sollten Ärzte vorher mit ihrem Steuerberater reden – wegen der teilweise gravierenden Differenzen im Einzelfall. Denn nicht die günstigste, sondern die richtige Finanzierung ist existenzsichernd. Dr. Holger Iburg
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