VARIA: Post scriptum

Teuflische Züge

Dtsch Arztebl 2004; 101(4): [76]

Pfleger, Helmut

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Gotthold Ephraim Lessings Übersetzung aus dem Spanischen eines 1575 erschienenen Werks des Arztes und Philosophen Juan Huarte „Prüfung der Köpfe zu den Wissenschaften“ erschien im Jahre 1752. Das Buch muss damals eine große Wirkung ausgeübt haben, davon künden 31 Ausgaben in Spanisch, 25 in Französisch, acht in Englisch, sieben in Italienisch, drei in Latein, zwei
in Deutsch und eine in Niederländisch.
Huarte geht es um die Begabungseignungen für verschiedene Wissenschaften, wobei er diese in drei Gruppen einteilt, je nachdem ob sie mit dem Gedächtnis, dem Verstande oder der Einbildungskraft erlangt werden können, wobei „die Theorie der Arzneygelahrtheit Theils dem Gedächtnisse, Theils dem Verstande; ihre Praxis aber der Einbildungskraft zukomme“. Da die menschlichen Krankheiten oft verborgen seien und ihre Wirkungen heimlich verrichten, sei in der Me-
dizin dieselbe Art der Einbildungskraft wie bei der Zauberei und der Wahrsagung nötig. „Dasjenige Spiel aber woraus man die Einbildungskraft am besten schliessen kann ist das Schachspiel.“ Um dann am Beispiel eines ihm bekannten, höchst gebildeten scholastischen Gottesgelehrten die Bitterkeit der Niederlage gegen dessen Famulus aufzuzeigen: „Was soll das heissen?“ sagt er ganz zornig. „Ihr der ihr weder die lateinische Sprache, noch die Dialektik, noch die Theologie (ob ihr sie gleich studiret habt) verstehet, ihr gewinnt mir die Spiele ab, mir der ich ganz mit dem Scotus und dem h. Thomas (Anm.: Duns Scotus und Thomas von Aquin) angefüllt bin? Sollte ich nicht mehr Witz haben wie ihr? Wahrhaftig, ich kann mir es nicht anders einbilden, der Teufel muß euch diese Züge eingeben.“
Huartes Erklärung ist diesseitiger: „Das ganze Geheimnis aber bestand darinne, daß der Herr einen grossen Verstand hatte wodurch er das Schwerste was in dem h. Thomas und Scotus ist, begreifen konnte; es fehlte ihm aber an derjenigen Art der Einbildungskraft welche nothwendig erfordert wird, wenn man gut im Schache spielen soll: der Famulus hingegen hatte einen schwachen Verstand und ein schwaches Gedächtniß dagegen aber eine desto feinere Einbildungskraft.“
Und diese brauchen auch Sie jetzt, um mit Dr. med. Udo Thamm als Weißem in einer Partie des letzten Ärzteturniers den Gewinnzug gegen Dr. med. Matias Jolowicz (der immer unter den Ersten ist – welch kombinierte ärztlich-schachliche Einbildungskraft!) zu finden.

Lösung:
Mit dem energischen Vorstoß 1. g4! machte Weiß den eingeklemmten schwarzen König auf dessen missliche Lage aufmerksam – es droht 2. g5 matt. Zwar konnte Schwarz dies mit 1. ...Tg7 noch verhindern, doch zu seinem Unglück war 2. g5+ auch eine Bauerngabel, die einen ganzen Turm eroberte: 2. ...Kg6 3. Txg7+ Kxg7 4. exf6+ – Schwarz gab auf.
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