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Pharmafusionen: Größe ist nicht alles

Dtsch Arztebl 2004; 101(5): A-217

Flintrop, Jens

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Unabhängig davon, ob der Zusammenschluss von Sanofi-Synthélabo und Aventis zustande kommt – die nächste Pharmafusion ist nur eine Frage der Zeit. Denn der Kostendruck ist größer denn je: Weltweit versuchen die Regierungen, auf die immer noch ansehnlichen Gewinnmargen im Arzneimittelsektor einzuwirken, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Hinzu kommt, dass neue Arzneien immer kürzer exklusiv vermarktet werden können.
Sanofi-Synthélabo hat am 26. Januar ein Angebot in Höhe von 47,8 Milliarden Euro zur Übernahme des Konkurrenten Aventis vorgelegt. Dessen Geschäftsführung lehnte das Angebot zunächst als „feindlich“ und zu niedrig ab. Durch die Fusion entstünde der weltweit drittgrößte Pharmakonzern hinter Pfizer und GlaxoSmithKline (nach Umsatz in 2002).
Der Drang nach Größe in der Pharmabranche wird in erster Linie mit Größenvorteilen in Forschung, Produktion und Vertrieb begründet. So muss die teure Forschungsinfrastruktur nur noch einmal vorgehalten werden. Darüber hinaus verspricht die Wirkstoffsuche in größeren Einheiten mehr Erfolg.
In der Realität ist allerdings nur selten ein Zusammenhang zwischen der Größe eines Forschungsteams/-budgets und der Forschungsproduktivität nachweisbar. Im Gegenteil: Kleinere Teams arbeiten oft motivierter und effizienter. Offenbar wirken sich die Bürokratie und die Anonymität eines Großkonzerns negativ auf die Motivation der Forscher aus. Nicht die Größe, sondern die Fokussierung auf Kernkompetenzen erhöhe die Erfolgsquote bei der Wirkstoffsuche, folgern manche Experten.
Dennoch könnte eine Sanofi-Aventis-Fusion erfolgreich sein – vor allem, weil sich die Produkte gut ergänzen. Die Verkaufsschlager von Aventis sind das Allergiemittel Allegra, das Krebsmedikament Taxotere und das Thrombosemittel Lovenox. Sanofi erwirtschaftet seine Gewinne mit dem Blutgerinnungspräparat Plavix, dem Schlafmittel Ambien und dem Krebsarzneimittel Eloxatin.
Schwerer fällt eine Prognose zur Vereinbarkeit der Unternehmenskulturen: Einerseits haben beide Firmen ihren Sitz in Frankreich, was für ein reibungsloses Zusammengehen spricht. Andererseits versucht Aventis bereits seit 1998 – als der Konzern aus der Fusion von Rhône-Poulenc und Hoechst hervorging – die Mentalitätsunterschiede zwischen den französischen und deutschen Mitarbeitern in den Griff zu bekommen. Jens Flintrop
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