ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2004Akupunktur: Großstudie bestätigt Wirkung

AKTUELL: Akut

Akupunktur: Großstudie bestätigt Wirkung

Dtsch Arztebl 2004; 101(5): A-221 / B-193 / C-185

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Während der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (GBA) bisher die Aufnahme der Akupunktur in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung abgelehnt hat, könnte er demnächst seine Meinung ändern. Grund dafür ist eine große randomisierte Akupunktur-Studie. Im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) haben Wissenschaftler der Charité Berlin innerhalb der letzten drei Jahre bei 200 000 Patienten die Wirksamkeit der Methode untersucht. Vorläufiges Ergebnis: Akupunktur ist in der Routineversorgung wirksam und sicher. „Drei von vier Patienten mit Kopfschmerzen oder Lumbalsyndrom ging es auch noch sechs Monate nach der Behandlung deutlich besser“, erklärte Prof. Stefan N. Willich bei einer Pressekonferenz in Berlin. Noch höher hätte die Rate bei Arthroseschmerzen (85 Prozent), Asthma/allergischer Rhinitis (82 Prozent) und Dysmenorrhö (85 Prozent) gelegen, so der Projektleiter und Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin. Die Nebenwirkungen, meist kleinere Blutergüsse, seien hingegen zu vernachlässigen.

Die Studie, an der sich noch 13 weitere Krankenkassen sowie 10 000 für Akupunktur qualifizierte Ärzte beteiligen, besteht aus drei methodisch unterschiedlichen Studienteilen. Kernstück ist eine teilrandomisierte, kontrollierte Studie zum Vergleich der Routineversorgung und Akupunktur bei 50 000 Patienten (zwei Drittel davon Frauen). Dabei zeigte sich bei allen genannten Diagnosen eine hochsignifikante (p < 0,001) Verbesserung durch den gleichzeitigen Einsatz von Akupunktur gegenüber alleiniger Routineversorgung. Therapiesicherheit und Wirtschaftlichkeit der Akupunktur soll eine prospektive Beobachtungsstudie ermitteln. Dazu werden in den kommenden vier Jahren noch weitere 300 000 Patienten untersucht. Eine dritte Teilstudie untersucht die Wirksamkeit von unterschiedlichen Akupunkturpunkten. Überraschenderweise fand sich ein signifikanter Unterschied zwischen der Nadelung von Akupunktur- und Nicht-Akupunkturpunkten jedoch nur bei Arthroseschmerzen.

Zu klären wird ferner noch sein, ob der kombinierte Einsatz von Akupunktur und Routineversorgung wirtschaftlich ist. Trotzdem will die TK noch im Januar dem GBA die Studie vorlegen. Vorstandsmitglied Dr. Christoph Straub ist optimistisch: „An diesen Ergebnissen kommt man nicht vorbei.“ Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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