ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2004Aut-idem-Regelung: Preisniveau von Generika gesunken

POLITIK: Kommentar

Aut-idem-Regelung: Preisniveau von Generika gesunken

Korzilius, Heike

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LNSLNS Bundesregierung zieht positive Zwischenbilanz.

Begleitet vom Protest der Betroffenen – allen voran Ärzte und Arzneimittelhersteller –, trat im Februar 2002 die neue Aut-idem-Regelung in Kraft. Sie verpflichtet die Apotheker, ein preisgünstiges wirkstoffgleiches Arzneimittel mit gleicher Wirkstärke und Packungsgröße und mindestens vergleichbarer Darreichungsform abzugeben, wenn der Arzt nicht selbst ein preisgünstiges Mittel verschreibt oder die Substitution ausdrücklich ausschließt. Als preisgünstig gelten Arzneimittel im unteren Preisdrittel der Gruppe austauschbarer Präparate. Die Bundesregierung versprach sich von dieser neuen Regelung, die die bisherige umkehrte, Einsparungen von rund 230 Millionen Euro jährlich. Die Kritiker befürchteten eine Beschneidung der ärztlichen Therapiefreiheit und einen ruinösen Preiswettbewerb der Generikahersteller. Danach wurde es still um aut idem.
Einsparziel in etwa erreicht
Jetzt hat die Bundesregierung einen Erfahrungsbericht vorgelegt. Danach lag die Zahl der Packungen, die unter die Aut-idem-Regelung fallen, am 1. Oktober vergangenen Jahres bei rund 16 800. Der Umsatz dieser Arzneimittel zulasten der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung erreichte dem Bericht zufolge rund 4,26 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 78 Prozent am Gesamtumsatz des generikafähigen Arzneimittelmarktes. Auf dem gesamten Festbetragsmarkt (neben wirkstoffgleichen gelten auch für -ähnliche und vergleichbare Arzneimittel Festbeträge) war das Preisniveau von Januar 2002 bis Oktober 2003 um rund vier Prozentpunkte rückläufig. Die Preissenkungen für einzelne Arzneimittel, die unter die Substitutions-Regelung fallen, können allerdings deutlich größer sein, so die Bundesregierung in ihrem Bericht. Das liegt ihrer Ansicht nach daran, dass Hersteller von Präparaten, die häufig zulasten der Krankenkassen verordnet werden, die Preise auf oder unter die jeweilige Preisdrittellinie gesenkt haben, um eine Substitution ihrer Präparate zu verhindern. Die Aut-idem-Regelung habe offenbar den Preiswettbewerb bei wirkstoffgleichen Arzneimitteln deutlich belebt, folgert der Regierungsbericht.
Über die tatsächlichen Einsparungen durch aut idem gehen die Annahmen auseinander. Der Regierungsbericht zitiert den Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) mit 228 Millionen Euro errechneter Einsparungen, während der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) auf 170 Millionen Euro für 2003 kommt. Für die Bundesregierung sind damit „die angestrebten finanziellen Auswirkungen wahrscheinlich in etwa erreicht worden“. Außerdem sei der befürchtete Preisverfall bei Generika und die damit einhergehende wirtschaftliche Überforderung betroffener Unternehmen nicht eingetreten. Der BAH sieht das anders. Die Aut-idem-Regelung sei „reines Abkassieren, bei dem die Arzneimittel-Hersteller wieder überproportional betroffen sind“. Dagegen hat der BKK Bundesverband darauf hingewiesen, dass man höhere Einsparungen erreicht hätte, wenn es den Herstellern nicht möglich gewesen wäre, insbesondere durch das Angebot höherpreisiger Generika und die Änderung von Packungsgrößen die Berechnung des unteren Preisdrittels zu beeinflussen.
Dieses komplizierte Berechnungsverfahren ist mit dem GKV-Modernisierungsgesetz obsolet geworden. Seit dem 1. Januar gilt, dass die Festbeträge für wirkstoffgleiche Arzneimittel auf das untere Preisdrittel gesenkt werden. Die Apotheker sind aber weiterhin zur Substitution durch preiswertere Präparate verpflichtet. Sie verhandeln derzeit mit den Kassen darüber, ob sie künftig das jeweils billigste Präparat einer Gruppe abgeben müssen. Eine derart strenge Regelung kann nach Ansicht der Apotheker zu Versorgungsengpässen führen. Für den Arzt schränkt der Wegfall der Preisdrittellinien den Spielraum ein. Er muss künftig eine Substitution immer explizit ausschließen, wenn er keine wünscht. Heike Korzilius
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