ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2004Pille danach: Rezeptfreie Vergabe angestrebt

AKTUELL: Akut

Pille danach: Rezeptfreie Vergabe angestrebt

Dtsch Arztebl 2004; 101(7): A-377 / B-321 / C-313

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Ohne Rezept wird sie in 28 Ländern über den Apothekentisch geschoben. Anders hierzulande: Die „Pille danach“, das umstrittene Notfall-Verhütungsmittel mit dem Gestagen Levonorgestrel (duofem®, Levogy-non®), ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Sie könnte aber in diesem Jahr freigegeben werden. Dafür setzen sich zumindest viele Verbände ein, beispielsweise pro familia e.V. Der Ausschuss für Verschreibungspflicht von Arzneimitteln des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn, hat das Präparat bereits aus der Verschreibungspflicht entlassen. „Wir hoffen, dass es bald zu einer gesetzlichen Freigabe kommt“, sagte Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), bei einer Tagung in Berlin. Die BZgA, die sich seit Jahren mit der „Pille danach“ beschäftigt, will im März eine umfassende Studie vorlegen, die gemeinsam mit dem Bundesgesundheits- und dem Bun­des­for­schungs­minis­terium erstellt wird.

Die Ergebnisse der Studie liegen zwar noch nicht vor, doch die Nachfrage nach Levonorgestrel dürfte auch in Deutschland hoch sein – überträgt man die Erfahrungen anderer europäischer Länder auf Deutschland. „Das Gestagen ist die Antwort auf ein wirkliches Bedürfnis“, beschreibt es die Pariser Gynäkologin Dr. Elisabeth Aubeny. In Frankreich, wo seit Juni 1999 die rezeptfreie Abgabe per Erlass und seit Dezember 2000 per Gesetz erlaubt ist, greifen jeden Monat mehr als 85 000 Frauen auf das Verhütungsmittel zurück. Komplikationen seien dabei nicht bekannt geworden, berichtet Aubeny. Ersetzt würden die regulären Verhütungsmethoden durch die „Pille danach“ nicht: Der Verkauf „normaler“ Kontrazeptiva steige sogar weiter an. Die „Pille danach“ sei strikt von der „Abtreibungspille“ zu unterscheiden, da sie lediglich die Ovulation verhindere, einer bereits eingenisteten Eizelle jedoch nicht schade, betonte Monika Häußler-Sczepan (pro familia).

Bereits im Juli 2003 hat das BfArM die rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“ befürwortet. Die Entscheidung darüber liegt jedoch beim Gesetzgeber. Sollte er der Freigabe zustimmen, muss die Rechtsverordnung noch vom Bundesrat gebilligt werden. Dort blockieren allerdings bisher Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland.
Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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