SUPPLEMENT: Reisemagazin

SÜDNORWEGEN: Die Sonnenseiten des Skagerraks

Dtsch Arztebl 1996; 93(18): [4]

Maus, Josef

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LNSLNSLNSLNS Wenn von Norwegen als Urlaubsland die Rede ist, denken die meisten an die Fjorde oder auch Skigebiete hoch im Norden. Doch auch der Süden des skandinavischen Landes ist von atemberaubender Schönheit. Mandal und Risor sind nur zwei Beispiele dafür. Es gibt viel zu entdecken – und Erholung in nahezu unberührter Natur.


Mitte August, wenn der Sommer im Süden Norwegens auf seinem Höhepunkt ist, verwandelt sich das idyllische Städtchen Mandal in einen einzigen bunten Festplatz. Dort, wo sonst wenige tausend Menschen ein eher beschauliches Leben führen, drängen sich an vier Tagen Gäste aus allen Teilen des Landes und Besucher von weit her. Mitte August ist Schalentierfest in Mandal, die Stadt putzt sich heraus.
Seit 1988 gibt es dieses Festival der besonderen Art, über dessen Anfänge Jan Johannessen vom Verkehrsbüro in erfrischender Offenheit sagt: "Wir können nicht mit einer langen Tradition oder historischen Wurzeln dienen. Wir wollten einfach auch ein großes Fest haben, so wie viele andere Städte in Südnorwegen." Dieses Ziel hat Mandal erreicht. Immerhin zählt die Stadt an den vier Augusttagen rund 50 000 Besucher, von denen ein Teil in gemeinschaftlicher Anstrengung den längsten Schalentier-Tisch der Welt – gute 400 Meter, schwer beladen mit 10 000 Tellern voller Krabben, Garnelen, Muscheln und sonstigen Meerestieren – genüßlich abräumt. Bevor dieses ungewöhnliche Büfett jedoch freigegeben wird, gilt es, König Neptun zu begrüßen, der über und über mit Schalentieren behangen breit lachend "aus dem Meer steigt".
Kurz darauf drängen sich die Menschen dann entlang der festlich geschmückten Hafenpromenade oder bummeln durch die engen Straßen und Gassen der gut erhaltenen Altstadt. In diesen Tagen im August werden die Einwohner der Küstenstadt nicht müde, die vielen Besucher auf Mandals Sonnenseiten hinzuweisen – auf den längsten Sandstrand des ganzen Landes (800 Meter), auf die reizvolle Lage zwischen Meer und Bergen, auf den Naturpark unweit des Stadtzentrums und auf die vielen Möglichkeiten, kurzweilige Urlaubstage zu verleben. Urlaub in Norwegen – für viele ist dies eng mit der Reiseroute "immer nach Norden" verbunden. Traditionell beliebte Ziele sind die malerischen Fjorde und die bizarre Bergwelt tief im Landesinnern. Doch der Süden Norwegens – Kenner der Küstenlandschaft entlang des Skagerraks wissen das – hat ebenso viele Facetten. Die Region Mandal ist da nur ein Beispiel, Skottevig, ein auf Familienurlaub ausgerichtetes maritimes Zentrum, ein anderes. Nur rund 25 Kilometer von Kristiansand, der Hauptstadt des Sorlandes, entfernt, liegt das "Skottevig Maritime Senter" mitten im schönsten Teil des norwegischen Schärengartens. Auf einem weitläufigen, topographisch sehr abwechslungsreich angelegten Arreal fühlen sich hier vor allem Familien mit Kindern und Anhänger des Campings zuhause. Skottevig bietet neben Stellplätzen für Wohnwagen auch voll eingerichtete Appartments und kleinere wie größere Ferienhäuser. Von Skottevig aus lohnen sich Ausflüge nicht nur ins Stadtzentrum von Kristiansand. Vor allem der etwas außerhalb liegende Tier- und Erlebnispark ist einen Besuch wert. Die Betreiber des rund 45 Hektar großen Areals verfolgen eine eigene Philosophie, indem sie den 800 überwiegend skandinavischen Tieren sozusagen das "Hausrecht" einräumen. Das heißt: Die Besucher finden Wanderwege vor, die eben breit genug sind, um bequem den Tierpark zu erkunden. Das ganze restliche Gelände hingegen ist den Tieren selbst vorbehalten. Sie halten sich auf, wo es ihnen gerade gefällt – mitten im Wald oder auch nahe bei den Wanderwegen. Im Tierpark von Kristiansand kann es also durchaus passieren, daß sich nur wenige Tiere dem Besucher zeigen. Marketingleiter Finn Audun Dahl weiß nur Gutes von den Reaktionen der Besucher zu berichten. "Man muß sich halt ein bißchen Zeit nehmen, um unsere Tiere zu sehen. Sieht man sie dann, so wird man durch ihr ungezwungenes, natürliches Verhalten entschädigt. Sie leben hier wirklich fast wie in freier Wildbahn."
Zwei Tage brauche man schon, um den "Dyreparken Kristiansand" kennenzulernen, sagt Dahl. Denn neben den weitläufigen Revieren der verschiedenen Tierarten gibt es noch den Erlebnispark. Dort ist beispielsweise die Phantasiestadt von Thorbjorn Egners "Die Räuber von Kardemumme" in voller Größe und mit allen Details nachgebaut. Kjuttaviga, die naturgetreue Nachbildung einer alten südnorwegischen Küstenstadt, ist ein weiterer Anziehungspunkt für die vielen tausend Besucher.
Während im Erlebnispark von Kristiansand lautes Kinderlachen und ausgelassenes Freizeitvergnügen den Lauf der Dinge bestimmt, liegt wenige Kilometer entfernt ein völlig anderer Ort aus völlig anderer Zeit. Helge Gronli und Eli Solgaard gehen dort in aller Stille ihrer Leidenschaft nach: der Wiederentdeckung des Bronzezeitalters. Der "Bronzeplatz" in Hovag ist ein Angebot an all diejenigen, die die Frühgeschichte des Menschen in der heutigen Zeit erleben möchten. Helge und seine Lebensgefährtin Eli sind fest davon überzeugt, daß die Menschen des Bronzezeitalters (1800 bis 500 vor unserer Zeitrechnung) glücklicher waren als die heutigen Generationen. Ein Freilichtmuseum im eigentlichen Sinne unterhalten die beiden nicht. Vielmehr versuchen sie, so zu leben, zu wohnen und zu arbeiten, wie es die Vorfahren in jener lange zurückliegenden Zeit mutmaßlich getan haben.
Wer Helge und Eli einen Besuch abstattet, wird mit großer Herzlichkeit empfangen. Im Frühling und Herbst sind das zumeist Schulklassen, im Sommer kommen überwiegend einzelne Besucher, die von dem Bronzeplatz gehört haben. Ihnen allen zeigt Helge voller Stolz sein "Langhaus", eine Rekonstruktion eines Bauernhofs aus der Bronzezeit. Es besteht aus schweren Eichenbohlen, ungefähr 10 000 Zweigen von je drei Metern Länge. Die Wände sind aus Lehm, Sand, Kuhdung und Stroh zusammengesetzt, und auf dem Dach liegt Rinde, die mit 40 Tonnen Grassoden bedeckt ist. Der neuzeitliche Bauherr ist übrigens so von der Detailtreue seiner Rekonstruktion überzeugt, daß er in einem Balkenloch als "Opfergabe" Geldstücke aus dem Jahr 1993 deponiert hat: "Damit Archäologen bei späteren Ausgrabungen nicht getäuscht werden." Während Helge Gronli längst vergangene Zeiten zu bewahren sucht, bastelt Dansommer, der größte dänische Anbieter von Ferienhäusern, in Risor an der touristischen Zukunft Norwegens. Risor, die "weiße Stadt am Skagerrak", liegt etwa auf halber Strecke von Kristiansand nach Larvik (Richtung Oslo). Rund 30 Kilometer von dem Städtchen entfernt will Dansommer unter Beweis stellen, daß Norwegen keineswegs nur ein Urlaubsland für "Reisende" ist, sondern auch "stationäre", familiengerechte Angebote bereithält.
Eine Reihe von Ferienhäusern – gruppiert um das Jegertunnet-Hotel – bietet in der Tat reichlich Platz und nicht nur für norwegische Verhältnisse großen Komfort. Die Häuser, ausgelegt für bis zu zehn Personen, verfügen über einen Swimming-Pool, Sauna, Solarium, mehrere Schlafzimmer, eine volleingerichtete Küche, ein geräumiges Wohnzimmer mit offenem Kamin und über großzügige Außenanlagen. Obwohl die Ferienhäuser rund um das Jegertunnet-Hotel in relativer Abgeschiedenheit liegen, sind die Freizeitmöglichkeiten enorm. Das Hotel selbst bietet unter anderem eine Ausbildung im Jagdsport an. Es gibt einen Fahrradverleih und Kanus, mit denen man ausgedehnte Paddelwanderungen über die angrenzenden Seen machen kann. Tauchkurse sind ebenso möglich wie Hochseeangeln. Selbst ein Golfplatz ist in 30minütiger Autofahrt zu erreichen.
Und dann gibt es natürlich noch Risor selbst – eine Stadt wie aus dem Bilderbuch mit überwiegend weiß gestrichenen Holzhäusern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wer den Ort richtig kennenlernen möchte, wendet sich am besten an den "Nachtwächter" der Stadt, aus dem die Geschichten aus und über Risor nur so heraussprudeln. Nach einem solchen Rundgang glaubt man, die "weiße Stadt am Skagerrak" schon seit ewigen Zeiten zu kennen.
Vom Jegertunnet-Hotel aus kann man Risor natürlich mit dem Auto erreichen. Etwa eine halbe Stunde dauert das. Viele nehmen aber statt dessen ein Taxiboot, das auf dem Wasserweg nur acht Minuten braucht und bei der Anfahrt auf den kleinen Hafen die ganze Schönheit der südnorwegischen Küstenstädte offenbart. Josef Maus


Informationen:
Region Mandal: Jan Johannessen, A. Tidemansgate 2, 4500 Mandal, Norwegen, Tel 38 26 08 20,
Fax 38 26 30 66
Skottevig Maritime Senter, 4770 Hovag, Norwegen, Tel 37 27 46 00, Fax 37 27 48 57
Risor, Jegertunet-Hotel: Anders Simonsen, Oysang, 4990 Sondeled, Norwegen, Tel 37 15 46 90,
Fax 37 15 47 54
Dansommer: Voldbjergvej 12, 8240 Risskov, Dänemark, Tel 86 17 61 22, Fax 86 17 68 55
Nortra – Norwegisches Fremdenverkehrsamt: Mundsburger Damm 45, 22087 Hamburg, Tel 040/ 22 71 08 0, Fax 0 40/ 22 71 08 88

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