ArchivDÄ-TitelSupplement: SUPPLEMENT: Ärztestatistik 1/1996Ärztliche Versorgung der Bundesrepublik Deutschland: Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31. Dezember 1995

SUPPLEMENT: Ärztestatistik

Ärztliche Versorgung der Bundesrepublik Deutschland: Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31. Dezember 1995

Dtsch Arztebl 1996; 93(19): [3]

Thust, Wolfdieter

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LNSLNS Im Jahr 1995 ist die Gesamtzahl der bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern gemeldeten Ärztinnen und Ärzte auf 335 348 oder um 2,6 Prozent gestiegen. Subtrahiert man von der Gesamtzahl die 61 468 nicht ärztlich Tätigen, so waren 1995 im Bundesgebiet insgesamt 273 880 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig, das sind rund 6 700 mehr als im Jahr 1994. Die Steigerung war also erneut – wenn auch geringfügig – niedriger als 1994, und zwar um rund 500 Ärztinnen und Ärzte. Die Rate des Netto-Zugangs von 2,6 Prozent liegt deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt, der seit 1980 linear 3,3 Prozent pro Jahr betragen hat (Abbildung 1).


Die Zahl der ärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzte im Praktikum ist mit rund 19 000 nur minimal gestiegen (+0,7 Prozent). Die Bewegungen des Jahres 1994 standen noch deutlich unter dem Aspekt der Auswirkungen des Gesundheitsstrukturgesetzes, die im Jahr 1995 vermutlich keine so durchschlagende Rolle mehr gespielt haben. Die Zuwachsraten für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind allerdings weiterhin durch die Zulassungsbeschränkungen für die vertragsärztliche Versorgung "gebremst", während die Steigerungen für die im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte deutlich höher gelegen hatten. Diese unterschiedliche Tendenz war für das Jahr 1995 erwartet worden, sie ist auch eingetreten, denn die Gesamtzahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist um nur 1,4 Prozent gestiegen, während sich die Zahl der Krankenhausärzte um 2,8 Prozent erhöht hat. So kann festgestellt werden, daß sich – wie schon im letzten Jahr – die Zuwachsraten in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen stabilisiert haben: Die höheren Zugänge der im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte mögen als "Ausgleich" für die starke Abwanderung aus dem Jahr 1993 gesehen werden. Ebenso ist der relativ niedrige Zugang der in der Praxis tätigen Ärztinnen und Ärzte zwar einerseits mit den Zulassungsbeschränkungen im Rahmen der Bedarfsplanung zu sehen, andererseits aber als "Ausgleich" für die im Jahr 1993 stark angewachsenen Arztzahlen. Wie für 1994 bereits festgestellt, ist die langfristige Zuwachstendenz weiterhin unterschritten, so daß für den zu vermutenden Fall eines weiteren moderaten Zuwachses im Jahr 1995 der extrem hohe Zugang aus dem Jahr 1993 fast wieder ausgeglichen wäre.
Der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl ist der Tendenz der letzten Jahre entsprechend leicht gestiegen und erreicht jetzt 37,6 Prozent für die Gesamtzahl sowie 35,5 Prozent für die berufstätigen Ärztinnen. Dabei ist der Anteilszuwachs auch in diesem Jahr für die Gesamtzahl höher als für die Berufstätigen. Daraus ergibt sich, daß anteilsmäßig mehr Ärztinnen als Ärzte nicht ärztlich tätig sind. Wie erwähnt, ist die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte im Bundesgebiet um 2,5 Prozent gestiegen. Dabei ist die Schwankung des Zugangs um diesen Durchschnittswert in den Kammerbereichen auch 1995 wieder gering, denn die meisten Lan­des­ärz­te­kam­mern hatten einen unveränderten Anteil am Bundesgebiet. Allenfalls haben sich Änderungen von Gewichtungen um Zehntel Prozentpunkte nach oben oder unten ergeben. So waren damit die sicher unterschiedlichen Zu- und Abgänge – sei es im Bereich der in den Krankenhäusern oder der in den Praxen tätigen Ärztinnen und Ärzten – fast ausgeglichen. Dabei schwanken die Netto-Zuwachsraten bei den Berufstätigen zwischen 1,8 Prozent und 4,5 Prozent – in den meisten Kammern findet sich allerdings ein Zuwachs zwischen 2 und 3 Prozent. Zu beobachten ist auch, daß die Steigerungen in den neuen Ländern geringfügig über denen der alten Länder liegen.
Unter dem Aspekt des Netto-Zugangs ist also die fast gleichmäßige Verteilung auf die einzelnen Bundesländer beziehungsweise Lan­des­ärz­te­kam­mern erwähnenswert, da eine Fülle von auch teilweise gegenläufigen Veränderungen diese Konstanz der Anteile an der Gesamtzahl aller Ärztinnen und Ärzten bewirkt hat.


Berufstätige Ärzte
Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist 1995 um 6 700 größer gewesen als im Jahr 1994; das entspricht einem Netto-Zugang von 2,5 Prozent. Nimmt man die fünf östlichen Bundesländer zusammen, so lag auch in diesem Jahr der Netto-Zugang bei ihnen deutlich über dem der westlichen Bundesländer, die einen solchen von 2,4 Prozent gegenüber 3,3 Prozent zu verzeichnen hatten.
1995 lag der Netto-Zugang also für das Bundesgebiet insgesamt deutlich unter der langfristig-linearen Rate der letzten 15 Jahre von 3,2 Prozent (Abbildung 2).
Durch die deutlich höhere Zunahme der Zahl der Krankenhausärzte im Jahr 1995 hat sich das Verhältnis der Tätigkeitsbereiche zueinander verändert: Der Anteil der in Krankenhäusern tätigen Ärztinnen und Ärzte liegt nun bei 48,5 Prozent (1994: 48,3 Prozent) und der der in eigener Praxis Tätigen beträgt 40,5 Prozent (1994: 40,9 Prozent). Ebenso hat sich der Anteil der bei Behörden, Körperschaften und in sonstigen Bereichen Tätigen von 10,7 Prozent auf 11 Prozent erhöht. Zwar sind diese Anteilsschwankungen gering, es verbergen sich jedoch nicht unerhebliche Mengenbewegungen dahinter: So betrug der Netto-Zugang der im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte rund 3 700, der in der Praxis tätigen 1 600 Ärztinnen und Ärzte sowie der in den übrigen Bereichen Tätigen 1 500. Vom Gesamt-Netto-Zugang gingen also rund 54 Prozent in die Krankenhäuser, 24 Prozent in die Praxen und 22 Prozent Ärzte in die übrigen Bereiche (Abbildung 3).
Die Zunahme der Zahl der Berufstätigen ist auch 1995 für die einzelnen Arztgruppen sehr unterschiedlich (Abbildung 5). Die höchsten Zuwachsraten fanden sich wieder in der Psychiatrie (9,6 Prozent), der Neurologie (9,1 Prozent), der Dermatologie (3,2 Prozent) und der Urologie (3,0 Prozent ). Bemerkenswert ist – ähnlich wie im Jahr 1994 – der Zuwachs von 9,7 Prozent in der Allgemeinmedizin (2 622 Ärztinnen und Ärzte), der sich wieder durch die Umschreibungen (rund 2 800) erklärt. Zu erwähnen ist auch, daß die Zahl der Praktischen Ärzte um fast 3 600 Ärztinnen und Ärzte zugenommen hat, was vermutlich mit "Umcodierungen" zum "EuroPraktiker" zu tun haben dürfte, da etwa 2 700 weniger Ärzte "ohne Gebietsbezeichnung" registriert waren. Ferner muß hinzugefügt werden, daß sich der Zuwachs der Berufstätigen von rund 6 700 Ärztinnen und Ärzten auch auf sehr viele besonders anzahlmäßig kleinere Arztgruppen verteilt – nämlich spezielle Bezeichnungen, die eine Größenordnung von unter 1 000 Ärztinnen und Ärzten aufweisen.
Die Altersstruktur zeigt, daß der Anteil der über 65jährigen erstmals wieder leicht zugenommen hat und nun 3,2 Prozent beträgt (1994: 3,0 Prozent). Dies betrifft auch die Gruppe der 60- bis 65jährigen, die sogar einen Anteil von 4,5 Prozent gegenüber 3,6 Prozent im Jahr 1994 aufweisen. Dies bedeutet, daß 1995 rund 3 300 Ärztinnen und Ärzte mehr über 60 Jahre alt waren als 1994. Entsprechend ist die Zahl der 50- bis 59jährigen sowie die der 40- bis 49jährigen ebenfalls größer geworden, so daß erstmals seit mehreren Jahren der Anteil der unter 34jährigen von 26,1 auf 24,3 Prozent zurückgegangen ist. Anders ausgedrückt: 1995 waren rund 3 200 Ärztinnen und Ärzte weniger jünger als 34. Dies entspricht dem relativ niedrigeren Zugang an berufstätigen Ärztinnen und Ärzten, welcher die unter 34jährigen betrifft. Damit stellt die Gruppe der 40- bis 60jährigen Ärztinnen und Ärzte weiterhin über die Hälfte aller Berufstätigen insgesamt dar, und zwar mit 51,1 Prozent gegenüber 50,4 Prozent im Jahr 1994. Diese höhere Gewichtung resultiert im wesentlichen aus dem Zuwachs der 50- bis 60jährigen von 4,4 Prozent. Ergebnis: Der Altersdurchschnitt hat sich weiter nach oben, also in die Altersgruppen ab 50 verschoben (Abbildung 6).
Zur Arztdichte ist festzustellen, daß Ende 1994 im Bundesgebiet 81,539 Millionen Einwohner zu verzeichnen waren, wovon 15,531 Millionen Einwohner in den neuen Ländern gelebt haben. Daraus ergibt sich für das Bundesgebiet insgesamt eine Arztdichte von 298 Einwohnern auf den berufstätigen Arzt (1994: 305). Dies entspricht umgekehrt einer Relation von 336 (329) Ärztinnen und Ärzten je 100 000 Einwohner.
Für die fünf neuen Bundesländer ergeben sich noch geringfügig andere Werte: So kamen dort auf einen Arzt 388 Einwohner, was 258 Ärztinnen und Ärzten je 100 000 Einwohnern entspricht.


Krankenhausärzte
Die Zahl der im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte hat sich 1995 mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent signifikant weniger erhöht als in Jahr 1994. Zwar war für das Jahr 1994 der praktische Stillstand der Arztzahl in den Krankenhäusern im Jahr 1993 wegen des Gesundheitsstrukturgesetzes der Grund für die hohe NettoZuwachsrate. Der Netto-Zugang lag 1995 nur knapp unter der langfristigen Zuwachsrate von linear 3,2 Prozent.
Dem Netto-Zugang entspricht eine tatsächliche Erhöhung der Zahlen der Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern um 3 600, ein doch deutlich niedrigerer Wert als im Jahr 1994 (+ 4 550 Ärztinnen und Ärzte). Trotzdem gilt auch, daß die Abgänge aus den Krankenhäusern zwar sicher höher als 1994, aber doch noch eher niedrig waren, da die Brutto-Zugänge in die Praxen (Bundesarztregister) ebenfalls relativ niedrig waren.
1995 ist der Anteil der Ärztinnen im Krankenhaus nicht so stark gestiegen wie im Jahr 1994; jetzt sind 35,5 Prozent (1994: 35,2 Prozent) der Krankenhausärzte Ärztinnen. Demgegenüber ist der Anteil der Ärztinnen bei den nachrückenden Ärzten im Praktikum mit 44,7 Prozent praktisch unverändert geblieben. Auch der Anteil der Ärzte im Praktikum insgesamt hat sich praktisch nicht verändert und beträgt 12,9 Prozent aller in Krankenanstalten tätigen Ärztinnen und Ärzte.
In den einzelnen Fachgebieten haben sich andere Veränderungen ergeben als im Jahr 1994, in dem insbesondere mehr Psychiater, mehr Anästhesisten und mehr Radiologen festgestellt wurden. Im Jahr 1995 waren dies hauptsächlich Augenärzte (+ 5,3 Prozent), Frauenärzte (+ 3,7 Prozent), Kinderärzte (+ 2,8 Prozent), Internisten (+ 2,4 Prozent) und Urologen (+ 2,3 Prozent). Die Zuwachsraten liegen allerdings bei allen Fachgruppen deutlich unter den Zuwachsraten des Jahres 1994, was sich aus der speziellen Situation des Jahres 1994 gegenüber den starken Abgängen im Jahr 1993 erklären dürfte.
Die Altersstruktur der in den Krankenhäusern tätigen Ärztinnen und Ärzte hat sich im Jahr 1995 etwas verändert: Nur noch 42,3 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sind unter 34 Jahre alt (1994: 45,1 Prozent), das sind rund 2 100 Ärztinnen und Ärzte weniger als im Jahr 1994. Dies ist sicher dem schon erwähnten niedrigeren Zugang entsprechend zu erwarten gewesen. Insgesamt sind 3 600 mehr Ärztinnen und Ärzte in Krankenanstalten tätig. Dies hat also die älteren Jahrgänge betroffen, und zwar waren 2 630 Ärztinnen und Ärzte mehr in der Altersgruppe 35- bis 50 Jahre zu verzeichnen, so daß diese Gruppe mittlerweile einen Anteil von 39,6 Prozent gegenüber 38,6 Prozent 1994 aufweist. Fast 700 Ärztinnen und Ärzte mehr sind noch in der Altersgruppe 50 bis 59 registriert gewesen. Hierzu ist zu bemerken, daß sich durch die Verschiebung der Zahlen von einer Jahrgangsgruppe in die andere eine Bewegung vollzieht, die die Zugänge praktisch überlagert. Wenn also Ärzte von der Altersgruppe 35 bis 39 in die der 40- bis 49jährigen "wandern", so bedeutet dies für die Ausgangs-Altersgruppe einen Abgang, so daß der Zugang in diese Altersgruppe durch diesen Abgang beim Vergleich mit dem Vorjahr entsprechend reduziert wird. So könnte der Zugang auch der unter 34jährigen durchaus in der gleichen Höhe des Vorjahres gewesen sein, aber die Zahl der 34jährigen war so groß, daß die Abwanderung in die Altersgruppe 35 bis 39 die Zugänge in die Altersgruppe bis 34 entsprechend vermindert hat.
Auch im Jahr 1994 war der Anteil der 35 bis 39jährigen geringfügig auf 19,2 Prozent gestiegen, was bedeuten könnte, daß gerade Ärztinnen und Ärzte dieser Altersgruppe länger an den Krankenanstalten geblieben sind. Es läßt sich daher nicht mit Sicherheit feststellen, daß die 1995 in die Krankenhäuser "zugegangenen" Ärztinnen und Ärzte im Durchschnitt älter waren als 1994.
Bei den Anerkennungen bei Gebiets- und Schwerpunktsbezeichnungen ist zu bemerken, daß 57 Prozent der um rund 4 830 gestiegenen Anerkennungen die Allgemeinmedizin betreffen (+2 730). Nimmt man die besonders stark gewachsenen Gebiete der Chirurgie (+34 Prozent), der Inneren Medizin (+17 Prozent) und der Psychotherapeutischen Medizin hinzu, so stellen diese zusammen schon 82 Prozent der Zunahme. Eine ganze Reihe von kleineren Gebieten, aber auch Teilgebieten haben hohe Zuwachsraten, die sich meistens aus den niedrigen Vorjahreszahlen erklären.
Schwerpunkte beziehungsweise Teilgebiete, die besonders gestiegen sind, waren zum Beispiel die Visceralchirurgie, die Angiologie, die Neonatologie, aber auch die Physikalische und Rehabilitative Medizin und die Transfusionsmedizin.

Niedergelassene Ärzte
Die Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte hat mit 1,4 Prozent, das sind rund 1 600 Ärztinnen und Ärzte mehr, gegenüber dem letzten Jahr relativ moderat zugenommen. Waren im Jahr 1994 noch 1,8 Prozent Netto-Zugang zu verzeichnen, so entsprach die niedrigere Rate den weiterhin schwieriger werdenden Zulassungsbedingungen. Die Zuwachsrate von 1,4 Prozent liegt unter dem langjährigen linearen Durchschnitt, der bis 1992 etwa 2,6 Prozent betragen hatte, aber durch den hohen Netto-Zugang 1993 (10,3 Prozent) auf rund 3 Prozent linear bis 1995 angestiegen ist.
Wie im Bericht zum Jahr 1994 erwähnt, würde durch drei Jahre mit relativ niedrigem Zugang in etwa der überdurchschnittlich hohe Zuwachs von 1993 insofern ausgeglichen. Ohne die Gesetzesinitiative hätte sich dem langfristigen Trend entsprechend in etwa die gleiche Zugangsbewegung ergeben. Dies scheint einzutreten, weil die Wirkung der verschärften Bedarfsplanung ab 1993 nicht zu verkennen ist. Aus den noch vorhandenen offenen Planungsbereichen ist auch zu erkennen, daß weitere Zulassungen immer mehr nur durch Abgänge möglich sein werden. So ist der Netto-Zugang der Vertragsärzte 1995 aus dem Bundesarztregister mit 1,2 Prozent, entsprechend 1 260 mehr Ärztinnen und Ärzten (Bundesgebiet gesamt), signifikant niedriger als der des Jahres 1994. Bedeutender ist aber die Tatsache, daß der Brutto-Zugang mit über 3 500 Ärztinnen und Ärzten nur durch entsprechend hohe Abgänge möglich war. Ein eigentlicher Rückgang der Zahl der in der Praxis tätigen Ärztinnen und Ärzte wird also erst im Laufe der nächsten Jahre eintreten.
Nach der Altersstruktur der niedergelassenen beziehungsweise zugelassenen Ärztinnen und Ärzte war mit einem relativ niedrigen Abgang zu rechnen, da 1995 wieder rund 500 Ärztinnen und Ärzte weniger über 65 Jahre alt waren als im Jahr 1994. Es zeigt sich jedoch auch in der Altersstruktur der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, daß entsprechend höher besetzte Jahrgänge nachrük-ken, so daß zum Beispiel die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte, die zwischen 60 und 65 Jahre alt sind, 1995 fast um 1 100 Ärztinnen und Ärzte größer geworden ist. Des weiteren zeigt sich aus den Analysen aus dem Bundesarztregister (in dem die Vertragsärzte jahrgangsweise registriert sind), daß zunehmend auch Abgänge in den Altersgruppen von 50- bis 65 Jahren festzustellen sind. Dies mag einerseits auf übereilt aufgenommene Praxistätigkeiten aus dem Jahr 1993 zurückzuführen sein, die dann nicht durchzuhalten waren – es können andererseits aber auch zunehmend Praxen sein, die wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeben mußten.
Die Altersgruppe der 50- bis 59-jährigen ist 1995 um rund 1 750 Ärztinnen und Ärzte gestiegen, entsprechend hat sich der Anteil an allen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten von 32,6 auf 33,7 Prozent erhöht. Dies sind Abgangspotentiale, aus denen in den nächsten Jahren durchaus wieder mit zunehmenden Abgängen zu rechnen sein dürfte. Wenn allerdings die Abgänge unter 65 Jahren überwiegend mit übereilten Zulassungen zusammenhängen, so wäre vom reinen Alterspotential her zunächst mit sinkenden Abgängen zu rechnen.
In jedem Fall wird ab dem 1. Januar 1999 der Vertragsarzt "pensioniert", der das 68. Lebensjahr vollendet hat, so daß 1999 mit besonders hohen Abgängen zu rechnen sein dürfte, denn es werden dann vermutlich noch knapp 3 000 Ärztinnen und Ärzte über 68 Jahre in der Praxis tätig sein.
Von den 110 949 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten waren 34 942 Ärztinnen, das entspricht 31,5 Prozent, welches geringfügig mehr ist als im Jahr 1994. Erwähnenswert ist, daß über 23 Prozent der Ärztinnen, aber nur 14 Prozent der Ärzte unter 40 Jahre alt sind. 8,2 Prozent Ärztinnen sind über 60, aber 12,3 Prozent der Ärzte. Demgegenüber sind die Anteile der in den Altersgruppen 40 bis 59 Jahre Befindlichen in etwa gleich verteilt.
Ein Blick auf die Arztgruppen nach Gebietsbezeichnungen zeigt, daß die Zahl der niedergelassenen Allgemeinmediziner wieder um 9,3 Prozent gestiegen ist, die Zunahme bei Praktischen Ärzten war 31,2 Prozent. Dies erklärt sich einerseits aus den Umschreibungen in die Allgemeinmedizin (rund 2 800) und andererseits aus den Anerkennungen von Euro-Praktikern. Entsprechend ist wie 1994 ein Rückgang der Ärzte ohne Gebietsbezeichnung von 30 Prozent registriert. Es handelt sich hier also um strukturelle Bewegungen, die keine absolute Zugangsbewegung dokumentieren.
Der starke Zugang an Ärzten für Allgemeinmedizin bringt keineswegs eine Entlastung, da es sich lediglich um eine Umschichtung innerhalb der Arztgruppe der Allgemein-/Praktischen Ärzte handelt. Der Anteil der Allgemeinärzte an der Summe aller Ärzte und der des Zugangs am Gesamtzugang ist zwar gestiegen, aber der Anteil der Gesamtzahl der Allgemein-/Praktischen Ärzte ist insgesamt zurückgegangen. So waren 1994: 35 508 und im Jahr 1995: 35 442 Allgemein-/ Praktische Ärzte vertragsärztlich tätig (Abbildung 8).
Die Altersstruktur-Statistik der Allgemeinärzte läßt erkennen, daß in den kommenden Jahren die Entwicklung mit hohen altersbedingten Abgängen bei den Allgemeinärzten beendet ist, da die Zahl der über 60jährigen nur noch etwa 10 Prozent aller Allgemeinärzte ausmacht. Dies dürfte sich in etwa fünf Jahren ändern, da dann wieder stärker besetzte Jahrgänge die Abgangszahlen steigen lassen könnten (Abbildung 9).
Was die einzelnen Arztbezeichnungen betrifft, so sind diese bis auf wenige Ausnahmen dem Gesamt-NettoZugang entsprechend moderat: Zwar sind 7,6 Prozent mehr Anästhesisten zu verzeichnen, aber die übrigen Zuwachsraten liegen zwischen 2 und 3 Prozent, und zwar nur bei wenigen Arztgruppen. Zum Beispiel sind um 0,8 Prozent mehr Internisten tätig gewesen, während bei anderen, vor allem kleineren Arztgruppen sogar Rückgänge eingetreten sind.
Die Bedarfsplanung mit den entsprechenden Zulassungsbeschränkungen hat also weiter deutliche Auswirkungen gezeigt. Es bleibt abzuwarten, wie sich insbesondere die Abgänge entwickeln werden, denn es dürfte von der Anzahl der offenen Planungsbereiche, das heißt von den noch möglichen Zulassungen her, mit immer weniger Brutto-Zugängen zu rechnen sein. So werden vermutlich in den nächsten Jahren Zugänge nur in der zahlenmäßigen Größenordnung der Abgänge möglich sein.


Ärzte in Behörden, Körperschaften und in sonstigen Bereichen
Der Netto-Zugang in dieses Tätigkeitsfeld von 5,2 Prozent hat den relativ moderaten Zugang des Jahres 1994 (2,4 Prozent) deutlich übertroffen. Dies sind etwa 1 500 Ärztinnen und Ärzte mehr, die den Bereich anteilsmäßig wieder etwas ansteigen lassen. Zwar konnten die Zuwachsraten vor 1990, die im langfristigen Durchschnitt bei 7,5 Prozent gelegen hatten, auch im Jahr 1995 nicht erreicht werden, aber der Netto-Zugang von 5,2 Prozent befindet sich doch deutlich über den übrigen Steigerungsraten.
Besonders betroffen sind dabei die Zugänge in die sonstigen Bereiche (+ 6,8 Prozent), in denen die Praxisassistenten enthalten sind. Die Zahl hat sich um 15,5 Prozent erhöht, und zwar von 5 741 auf 6 629. Ohne die Praxis-assistenten ist die in den sonstigen Bereichen tätige Arztzahl um nur 2,8 Prozent gestiegen.
Sowohl im Bereich "in Behörden, Körperschaften" als auch in dem "in sonstigen Bereichen" waren die Ärztinnen und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung sowie die Praktischen Ärzte und die Allgemeinmediziner mit rund 48 Prozent bei Behörden und Körperschaften und mit 60 Prozent Anteil in sonstigen Bereichen vertreten. Nimmt man die Internisten hinzu, so sind etwa zwei Drittel der in diesen Bereichen tätigen Ärztinnen und Ärzte betroffen. Andere Arztgruppen sind daher nur in kleineren Zahlen vertreten, wie etwa die Arbeitsmedizin, öffentliches Gesundheitswesen, Psychiatrie sowie Radiologie.


Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit hat sich im Jahre 1995 um 3,3 Prozent erhöht; das entspricht rund 1 900 Ärztinnen und Ärzten. Das ist geringfügig mehr als im Jahr 1994. Dies ist jedoch eine relativ unsichere Zahl, da nicht alle Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern gemeldet sind. Deshalb ist also die Gesamtzahl von rund 61 500 Ärztinnen und Ärzten ohne ärztliche Tätigkeit als Mindestzahl zu betrachten.
In dieser Gruppe befinden sich auch die rund 8 000 im September 1995 als arbeitslos gemeldeten Ärztinnen und Ärzte; bezogen auf die Berufstätigen ergäbe dies eine Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, daß die Anzahl der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte schwer zu quantifizieren bleibt, da außer den tatsächlich gemeldeten konkrete Angaben fehlen und sich lediglich durch Schätzungen aus dem Bereich der ärztlich nicht Tätigen, zum Beispiel über die Altersstruktur, andere Zahlen ableiten lassen.
Auch ist nicht zu quantifizieren, wie viele Ärztinnen aus Familiengründen zeitweise ärztlich nicht tätig sind. Die Annahme, es würden nur Ärztinnen und Ärzte über 65 Jahre in "Pension" gehen, betrifft im wesentlichen nur den Krankenhausbereich und nicht den der in der Praxis Tätigen. Auch von daher können keine exakten Angaben errechnet werden.


Ausländische Ärzte
Die Zahl der ausländischen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist mit 12 727 um 3 Prozent gestiegen, also etwas weniger als im Jahr 1994. Dabei haben sich die Zahlen der Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus und in der Niederlassung nicht verändert, so daß der Zuwachs von 370 Ärztinnen und Ärzten in sonstige Bereiche gegangen ist.
Zu den einzelnen Herkunftsregionen kann folgendes gesagt werden: 2,5 Prozent mehr Ärztinnen und Ärzte kamen aus den EU-Staaten, wobei alle Länder im wesentlichen gleich betroffen waren. Hier hat sich in der gleichen Größenordnung auch die Zahl der in der Praxis Tätigen verändert.
Was das übrige Europa betrifft, so hat sich eine Steigerung von 6,7 Prozent ergeben, welches 280 Ärztinnen und Ärzten entspricht, die fast alle aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen sind. Auch für diese Ländergruppe ist der Zugang der als Niedergelassene tätige höher gewesen als der der im Krankenhaus arbeitenden Ärztinnen und Ärzte.
Ansonsten haben sich praktisch keine Verschiebungen ergeben, so daß sich auch die Struktur insgesamt kaum verändert hat: 49 Prozent der ausländischen Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Krankenhäusern, und 24 Prozent sind als Niedergelassene tätig. 28 Prozent aller ausländischen Ärztinnen und Ärzte kommen aus EU-Staaten und fast zwei Drittel aus Europa.


Fazit
Insgesamt gesehen ist die Arztzahlentwicklung im Jahr 1995 wie 1994 moderat. Dabei ist beachtenswert, daß der Netto-Zugang in die Krankenhäuser von rund 3 600 Ärztinnen und Ärzten zwar niedriger als im Jahr 1994 ist, daß er aber auf einem höheren Niveau aufsetzt. Durch die hohen Abgänge 1993 waren sicher große Lücken entstanden. Die "Breite" der zugegangenen Fachbereiche läßt den Schluß zu, daß die Abgänge in den einzelnen Gebieten wohl wieder ausgeglichen zu sein scheinen.
Der Brutto-Zugang bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten lag in der Größenordnung des Jahres 1994, das heißt bei rund 3 500 Ärztinnen und Ärzten. Es scheint, daß dies bei den verschärften Zulassungsbedingungen durch die Bedarfsplanung nur durch relativ hohe Abgänge möglich war. Es ist interessant zu beobachten, daß nicht nur über 65jährige, sondern sogar mehrheitlich zwischen 50- und 65jährige aus der vertragsärztlichen Versorgung ausgeschieden sind.
Es ist wahrscheinlich, daß bei den stetig weniger werdenden offenen Planungsbereichen immer mehr Ärztinnen und Ärzte nur noch durch entsprechende Abgänge eine Zulassung erhalten können. Von der Altersstruktur her wird erst in einigen Jahren eine verstärkt steigende Abgangszahl zu erwarten sein.
Die ohne Zweifel zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen, in Krankenhäusern zu arbeiten, und die Probleme bei der Niederlassung haben bisher noch nicht zu einem "Rückstau" oder zu deutlich steigenden Zahlen arbeitsloser Ärztinnen und Ärzte geführt. Wie lange sich diese Tendenz noch halten kann, bleibt abzuwarten.


Anschrift des Verfassers:
Dr. rer. pol. Wolfdieter Thust
Kassenärztliche Bundesvereinigung
Herbert-Lewin-Straße 5
50931 Köln

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