ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Immobilien: Altersgerechtes Wohnen als neue Chance

SUPPLEMENT: Geldanlage

Immobilien: Altersgerechtes Wohnen als neue Chance

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [10]

PJ

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LNSLNSLNSLNS Immer mehr Anbieter werben für den Lebensabend in seniorengerechten Wohnanlagen. Ein Wohnsitz dort kann, auch unter Geldanlageaspekten, eine Überlegung wert sein. Prospekte wie Objekt sollte man vor einer Entscheidung aber stets gründlich unter die Lupe nehmen.


Alt sein ist heute längst nicht mehr gleichbedeutend mit pflegebedürftig sein. Oft ist heute die Rede von den "jungen Alten", die ihre Freizeit mit dem Ter-minkalender planen und mit umfangreichen Aktivitäten ihren Lebensabend genießen. Das hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt: Die meisten älteren Menschen wollen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben.
Dennoch läßt es sich meist nicht vermeiden, daß eines Tages auch der Körper seinen Tribut verlangt. Treppensteigen über mehrere Stockwerke, aber auch die langen Wege zum nächsten Supermarkt können dann zum Problem werden. Es ist daher sicherlich sinnvoll, daß sich jeder Gedanken um seine persönliche Wohnform der Zukunft macht. Denn Tatsache ist, daß Wohnungen älterer Menschen im Durchschnitt rund 20 Quadratmeter größer sind als die Wohnungen der unter 35jährigen. Schwierigkeiten sind damit vorprogrammiert, denn eine große Wohnung will auch geputzt und instand gehalten werden.
Als Alternative bietet sich der rechtzeitige Umzug in eine andere Wohnung oder die Anpassung der eigenen Wohnung an die künftigen Möglichkeiten an, beispielsweise durch teilweise Untervermietung. Seniorengerechte Wohnungen sind nicht zu groß dimensioniert und keineswegs mit Möbeln überfrachtet. Wichtige Einrichtungen wie etwa Bad und Toilette sind so geräumig, daß sie auch bei altersbedingten Problemen problemlos genutzt werden können. Möglicherweise kommen auch Umbauten in Frage, beispielsweise das Absenken der Türschwellen. Die Erfahrung zeigt, daß sich solche Maßnahmen – frühzeitig in Angriff genommen – schnell bezahlt machen.
In jedem Fall spielt auch die Lage der Immobilie eine wichtige Rolle: Wohnungen, die auch für Senioren alle Möglichkeiten bieten, sind mit einem funktionierenden Fahrstuhl und breiten Türen ausgestattet und haben alle wichtigen Einrichtungen quasi "vor der Haustür" – angefangen vom Lebensmittelladen über den Arzt bis hin zum Bekleidungsgeschäft. Auch Gemeinschaftseinrichtungen sind sicherlich vorteilhaft: ob Schwimmbad, Bibliothek oder auch nur eine sorgfältig gepflegte Parkanlage.
Freilich werden sich diese Möglichkeiten oftmals nicht problemlos organisieren lassen. Gerade in letzter Zeit sind deshalb in vielen deutschen Städten gezielt "seniorengerechte Wohnanlagen" erstellt worden, die einerseits ein möglichst selbständiges Wohnen im Alter erlauben, andererseits aber auch – bei Bedarf – alle Leistungen bieten, die erforderlich sein können, beispielsweise die Versorgung mit warmen Mahlzeiten oder die ärztliche Betreuung, die bis zur Pflege reichen kann. Teuer müssen – und sollten – solche Wohnungen keineswegs sein: Zumindest vom Konzept her handelt es sich um "ganz normale" Eigentumswohnungen, denn schließlich werden die in Anspruch genommenen Sonderleistungen auch gesondert vergütet. Lediglich für eine seniorengerechte Ausstattung müssen oftmals Mehrpreise bewilligt werden, die jedoch die Baukosten nicht wesentlich in die Höhe treiben sollten.
Gerade diese seniorengerechten Immobilienkonzepte bieten auch interessante Chancen für Geldanleger: Während des aktiven Berufslebens "kauft" sich der Investor in eine solche Anlage ein, die er dann zu gegebener Zeit auch selbst nutzen kann. Einerseits sichert sich der Anleger mit dem Kauf der Immobilie ein hohes Maß an Inflationsschutz und relativ interessante Erträge und Steuervorteile. Andererseits bedeuten die "eigenen vier Wände" im Alter eine Sicherheit vor Mieterhöhungen und der Willkür eines Vermieters oder Heimbesitzers.
Allerdings strahlen manche Angebotsprospekte einen übertriebenen Optimismus aus. Zunächst muß der Preis "stimmen", das heißt der Kaufpreis muß marktgerecht sein. Dies sollte jeder Investor vor der Vertragsunterschrift möglichst vor Ort überprüfen und dabei auch gleich feststellen, ob die Immobilie tatsächlich günstig gelegen ist.


An Eigenbedarf denken
Zweitens ist zu klären, was im Falle des Eigenbedarfs zu geschehen hat. Das deutsche Mietrecht ist bekanntlich relativ streng. Wenn die eigene Seniorenwohnung durch einen anderen älteren Menschen genutzt wird, kann die Eigenbedarf-Anmeldung erhebliche rechtliche Probleme auslösen – von den moralischen Bedenken ganz zu schweigen.
Vorteilhaft ist es hier, wenn der Initiator der Anlage entsprechende Tauschmöglichkeiten verbindlich zusagt: Sollte dann die eigene Wohnung längerfristig vermietet sein, erhält der Investor eben eine andere zur Eigennutzung, die von der Lage und Qualität her möglichst gleichwertig sein sollte. Da derartige Garantien freilich sehr langfristig sind, sollte jeder Anleger die Seriosität des Anbieters genau prüfen.
Der Tochtergesellschaft einer Großbank oder Sparkasse kann hier sicherlich ein größeres Vertrauen geschenkt werden als einem neuen Anbieter, der bisher weder andere Projekte erfolgreich umgesetzt hat, noch überhaupt auf nennenswerte eigene Erfahrungen im Immobiliengeschäft verweisen kann. PJ

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