ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Gold: Manches spricht für steigende Notierung des gelben Metalls

SUPPLEMENT: Geldanlage

Gold: Manches spricht für steigende Notierung des gelben Metalls

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [12]

AL

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LNSLNS Sein Geld zu Teilen in Gold anzulegen, ist nicht gerade der letzte Schrei. Soll ich, soll ich nicht? Das fragen sich folglich viele Anleger. "Sie können ruhig", meinen einige Banker. Selbst wenn man nie genau weiß, was die Notenbanken tun – im Moment sieht es nicht schlecht aus für Gold.


Hat Gold seinen Dornröschenschlaf beendet?" Diese Frage stellte die schweizerische Uebersee Bank im Januar 1996 und beantwortete sie mit "Ja". Und dazu bestand vor einigen Monaten auch Anlaß. In kurzem Abstand hatte der Preis für das gelbe Metall wichtige Widerstandslinien nach oben durchbrochen. Mit 414,80 US-Dollar am 5. Februar wurde schließlich ein neuer Höchstpreis erreicht seit August 1990, als die Iraker in Kuwait einmarschierten.
Mittlerweile ist es zwar wieder etwas ruhiger geworden um das gelbe Metall. Der Goldpreis fiel wieder unter die 400er Marke. Nach wie vor sprechen aber die fundamentalen Faktoren für steigende Notierungen. 1995 lag die Nachfrage nach Gold um schätzungsweise 700 Tonnen unter der Neuproduktion des Jahres. Ausgeglichen wurde diese Angebotslücke durch Terminverkäufe der Produzenten. 511 Tonnen Gold haben die Minengesellschaften 1995 per Termin verkauft. Das bedeutet einen neuen Rekord der Goldterminverkäufe der Produzenten, wie das Analysehaus Gold Fields Mineral Services, London, ermittelte.
Nur die Terminverkäufe der Minengesellschaften verhinderten also bislang, daß die Angebotslücke am Markt virulent wurde. Die Londoner Goldanalysten halten es allerdings für unwahrscheinlich, daß die Minengesellschaften noch einmal so viel Gold per Termin auf den Markt werfen wie 1995. Ein südafrikanischer Hersteller hat seine Produktion bereits für die nächsten 8 ½ Jahre per Termin verkauft, ein anderer das Gold, das in den nächsten sechs Jahren erst aus der Erde geholt werden soll.
Doch das Geschäft mit den Vorverkäufen kann sowieso nur funktionieren, wenn die Notenbanken mitspielen. Denn die Minengesellschaften mußten sich dort immer häufiger Barren borgen, wenn die Käufer der Terminkontrakte die Lieferung des physischen Metalls verlangten. Die Notenbanken helfen gern mit ihren Vorräten aus, wenn sie einen ordentliche Leihzins erzielen können. Denn wenn die Barren in den Tresoren lagern, bringen sie keinen Ertrag.
Die Notenbanken sind mit einem Goldschatz von 35 000 Tonnen die größten Goldhorter. Wenn sie sich nur zum Verkauf eines kleinen Teils davon entschließen würden, käme es zu einem erheblichen Druck auf den Preis. Aber das werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht tun, denn auch sie möchten Wertverluste vermeiden.


Gold als Reserve
Als Währungsmetall hat Gold längst ausgedient. Anders als zu Zeiten des Goldstandards ist es kein Steuerungsinstrument für die Geldpolitik mehr. Darauf wies Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer im April bei einem Besuch in der Schweiz hin. In der Schweizer Verfassung ist die Goldbindung des Franken verankert. Gold habe für die Notenbanken als "letzte Währungsreserve" aber einen einzigartigen Stellenwert, sagte der deutsche Notenbankchef. An einem stabilen Goldpreis sind demnach auch die Notenbanken interessiert sein.
Der Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds (IWF) konnte sich auf seiner jüngsten Tagung in Washington nicht über den Vorschlag verständigen, eine begrenzte Menge Gold aus den IWF-Beständen zu verkaufen, um damit Finanzmittel für eine Schuldenentlastung der ärmsten Länder zu erhalten. Solche Goldauktionen durch den internationalen Währungsfonds und das US-Schatzamt hat es bereits zwischen 1976 und 1980 gegeben. In dieser Zeit wurden 1 223 Tonnen versteigert. Der Durchschnittserlös für die Unze Gold stieg bei den Versteigerungen von 122 Dollar auf 580 Dollar in den fünf letzten Auktionen. Begleitet wurde die Versteigerungsserie durch einen rasanten Anstieg des Goldpreises bis auf 850 Dollar je Feinunze im Januar 1980.
Ein geordneter, organisierter Verkauf des gelben Metalls bekommt dem Goldpreis offenbar besser als die stete Bedrohung durch Einzelverkäufe verschiedener Notenbanken, die in der Vergangenheit immer wieder stattgefunden haben (Kanada, Belgien). Um dieses Unsicherheitsmoment zu beseitigen, hat kürzlich der Schweizer Bankverein vorgeschlagen, die Notenbanken sollten ihre Goldverkäufe in Zukunft über offizielle Auktionen vornehmen. Das sei marktschonender als Verkäufe der einzelnen Länder je nach Marktsituation.
Weitere Probleme für den Goldmarkt könnten sich aus der Europäischen Währungsunion ergeben. Allein die EU-Staaten besitzen 15 000 Tonnen Gold. Einen Teil davon sollen die Zentralbanken nach dem Abkommen von Maastricht in die Reserve der Europäischen Zentralbank einstellen. Aber was geschieht mit dem Rest? Zweifellos schwebt auf lange Sicht stets das Damokles-Schwert von Goldverkäufen aus den Währungsreserven der Mitgliedsländer über dem Goldmarkt. Auf der anderen Seite gilt: Die Länder mit hohen Goldvorräten, unter ihnen Deutschland, können kein Interesse daran haben, den Markt kaputtzumachen. AL

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