ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1996CARE: Journalistischer Anstand
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LNSLNSLNSLNS Nachdem ich auch in Ihrer Zeitschrift zweimal außerordentlich heftig angegriffen worden bin und die inzwischen als erfolgreich anerkannte Aktion "Menschlichkeit für Ruanda" böse kritisiert wurde, empfinde ich es als ein durchaus ungewöhnliches Beispiel für journalistischen Anstand, daß Sie über meine Rehabilitierung berichten. Erlauben Sie mir aber wenige Anmerkungen:
CARE Deutschland habe ich als ehrenamtlicher Vorsitzender und nicht als Geschäftsführer geführt. Die Beanstandungen des BMZ zu einzelnen Projekten hatten dafür bestellte Geschäftsführer sachlich und fachlich zu vertreten. Mein Fehler lag in der Auswahl dieser Geschäftsführer . . . Die entscheidenden Beanstandungen des BMZ habe ich dann noch vor meinem Rücktritt selbst geklärt. Das BMZ hat übrigens niemals eine zweckfremde Mittelverwendung behauptet oder gar festgestellt.
Die Aberkennung und erneute Zuerkennung des DZI-Spendensiegels ist schlechterdings skurril. Die Gründe für die Aberkennung waren ebenso konstruiert und abwegig wie die Begründung, jetzt habe sich die Organisationsstruktur von CARE Deutschland wesentlich verbessert, die im übrigen bei der Aberkennung des Spendensiegels nicht zur Debatte stand. Hier hat sich das DZI zunächst an die Medienkampagne angehängt und dann eine nicht haltbare Entscheidung korrigiert, mit erneut fadenscheinigen Begründungen.
Die Bonner Staatsanwaltschaft hat jeden gegen mich in den Medien erhobenen Vorwurf geprüft, also Spesen, Erster-Klasse-Flüge, Beschaffungen, Brückengesellschaften und vor allem die ungeheuerliche Behauptung, meinetwegen wären krebskranke Kinder in Rußland gestorben. Nach Feststellung der Staatsanwaltschaft sind alle diese Behauptungen widerlegt, und ein strafbefangenes Verhalten ist in keinem Fall gegeben.
Den Hartmannbund habe ich seit meiner Beurlaubung Anfang Dezember 1994 bis zur Entscheidung des Arbeitsgerichtes 2,3 Millionen DM gekostet, ohne dafür noch irgendeine Leistung erbracht zu haben. Da ich inzwischen die alleinige Verantwortung für die Betreuung von 500 000 schwerstkranken Flüchtlingen aus Ruanda – in vielen Fällen lebensrettend – übernommen habe und sehr stolz auf diese einmalige humanitäre Leistung unter Beteiligung von 1 300 Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern bin, empfinde ich die vom Hartmannbund gezahlte Abfindung von 1,8 Millionen DM als nur gerecht. Sie erlaubt mir in den Jahren einer ungewollten vorzeitigen Pensionierung die Erfüllung eines Lebens-traumes, nämlich mit einer neuen Segelyacht die Küsten des Mittelmeeres abzusegeln. Die ungerechtfertigte Rufschädigung habe ich hinnehmen müssen – in anderen Fällen wurden so Existenzen vernichtet. Die neue Perspektive, bewußt unter Verzicht auf jegliche ehrenamtliche Tätigkeit, stimmt mich versöhnlich.
Diplom-Volkswirt Klaus Nöldner, Rheinblickstraße 101, 53619 Rheinbreitbach
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