ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Öko-Beteiligungen: Windkraftwerke - Flügel groß, Chancen klein?

SUPPLEMENT: Geldanlage

Öko-Beteiligungen: Windkraftwerke - Flügel groß, Chancen klein?

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [14]

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LNSLNS All jenen Sparern, die eine seriöse Geldanlage mit ethischen Zielsetzungen verbinden wollen, macht es der Markt nicht einfach. In letzter Zeit werden häufig Beteiligungen an Windkraftprojekten angeboten. Doch auch hier tummeln sich neben den weißen etliche schwarze Schafe.


Die Idee ist schon faszinierend: Viele Geldanleger sind auf der Suche nach Anlageformen, bei denen gute Renditen mit umweltförderndem Unternehmertum in wohlgefälligem Einklang stehen. Diese Leute möchten einfach nicht bloß Aktionäre von Konzernen werden, die sich in ökologisch zweifelhaften Industrieprodukten tummeln oder gar in rüstungsnahen Bereichen operieren. Doch wo gibt es diese Harmonie von Performance und Ökologie? Gibt es sie überhaupt, oder steckt dahinter nur eine unerfüllbare Vision? Bis jetzt jedenfalls spielen Investmentfonds mit Ökotouch im großen Reigen der offenen Fonds nur eine Zwergenrolle, werden also vom Anleger links liegengelassen.


Hinweis auf Einspeisegesetz
Zur Erinnerung: Offene Investmentfonds unterliegen den strengen Auflagen des Gesetzes über Kapitalanlagen (KAG), sind prinzipiell risikoarm und werden über den Banktresen vertrieben, wie zum Beispiel von der Deutschen Banktochter DWS oder im Bereich der Volks- und Raiffeisenbanken von der Union Investment. Ein vielversprechender Ökofonds findet sich hier bislang aber weit und breit nicht. Also erstmal Fehlanzeige beim Versuch, gutes Geld zu verdienen und gleichzeitig das ökologische Gewissen zu beruhigen.
Das Zauberwort könnte "regenerative Energie" heißen. Darunter fallen auch Windkraftwerke. Jede Menge Initiatoren werben mit dem Einstieg in Windparks, suchen dringend Geldgeber und sagen, genau hier fände die so sehnlich gesuchte Symbiose von Rendite und Ökologie statt. Zu Hilfe kommt den Windmachern dabei das Energieeinspeisegesetz. Dieses zwingt nämlich die Energiekonzerne wie beispielsweise die Preussenelektra, die Kilowattstunde für 17,3 Pfennige aufzukaufen und ins eigene Netz einzuspeisen. Damit, so die Initiatoren von Windkraftanlagen, können Geldgeber sicher sein, daß ihre Kapitalanlagen von guten und dauerhaften Eträgen gespeist werden.
Wirklich? Die Stromgiganten jagen einen Lobbyisten nach dem anderen nach Bonn, um das Einspeisegesetz zu kippen. Die Gründe sind klar. Ihre eigenen Gestehungskosten liegen mit rund 10 Pfennigen je Kilowattstunde deutlich unter denen der regenerativen Energieformen. Ob das Gesetz auf Dauer also Bestand hat, ist bei der Macht der Energiekonzerne weiß Gott offen.
Nun gut. Wer sich dem Thema Windparks dennoch nähert, muß mit einem großen Besen die Spreu vom Weizen trennen, wobei die Spreu sowieso weit überwiegt. Bitte vergessen Sie nicht, daß viele Anleger mit zweifelhaften Angeboten auf die Nase gefallen und mittlerweile so gereift sind, sich von herkömmlichen dubiosen Geschichten wie beispielsweise Termingeschäften nicht mehr zu bluffen lassen. Es ist in der Branche auch kein Geheimnis, daß etliche unseriöse Anbieter des grauen und tiefgrauen Kapitalmarktes gerade im Ökobereich eine Nische zu finden glauben, wo sich Anleger noch vergleichsweise leicht über den Tisch ziehen lassen.
Ich persönlich würde mich, wenn mich einer fragte, von der Hanseatischen Aktiengesellschaft fernhalten, was deren Angebote zu Windparks anlangt. Wer sich für solche Projekte interessiert, könnte sich beispielsweise Unterlagen bei der Bremerhavener Energiekontor-EK-GmbH (Fax 0 41 71/ 14 02 09) zur sorgfältigen Prüfung besorgen, muß aber wissen, daß er in jedem Falle eine unternehmerische gewerbliche Beteiligung mit allen Chancen und Risiken eingeht. Da diese aber in der Regel als Kommanditeinlage erfolgt, ist der Verlust normalerweise auf die Höhe der Einlage beschränkt.


Fragenzeichen überwiegen
Über die Bochumer GLS Gemeinschaftsbank eG (Fax 02 34/3 07 93-33) können auch Anteile am GKGWindkraftfonds gezeichnet werden, wobei auch hier eine genaue Prüfung der Unterlagen unerläßlich ist. Die bisher aufgelegten Fonds sind mit einem Volumen um zwei Millionen DM pro (geschlossenem) Fonds allerdings eher gering einzustufen. Die Ausschüttung lag um fünf Prozent, konnte jedoch nicht bei allen Fonds gehalten werden.
Fazit: Eine Investition in Windkraftanlagen wäre aus ökologischer Sicht eine sinnvolle Alternative. Aus wirtschaftlicher Sicht überwiegen allerdings die Fragezeichen. Es gibt einfach zu wenige (seriöse) Angebote, und wenn doch, so hauen sie einen renditemäßig sicher nicht vom Hocker, vom Verlustrisiko einmal abgesehen. Gleichwohl sollten sie auf der Prüfagenda umweltbewußter Anleger Platz finden. Denn im Bereich Schiffsbeteiligungen und geschlossene Immobilienfonds gibt es noch viel ärgere Fangeisen. Bloß dort findet das ökologische Gewissen erst recht keine Ruh’. RR

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