ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Festverzinsliche Wertpapiere: Stufenzinsanleihen haben nur einen engen Markt

SUPPLEMENT: Geldanlage

Festverzinsliche Wertpapiere: Stufenzinsanleihen haben nur einen engen Markt

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [16]

PJ

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LNSLNS Wenden sich Geldanleger von einer Anlageform ab, wird häufig eine Variante ersonnen, um sie wieder anzulocken. Eines der jüngsten Beispiele aus dem festverzinslichen Bereich: Stufenzinsanleihen. Ihr Vorteil: weitgehender Schutz vor Kursrisiken. Ihr Nachteil: ein enger Markt.


Festverzinsliche Wertpapiere haben derzeit an Bedeutung verloren. Nachdem die Zinsen mittlerweile trotz des jüngsten Anstiegs immer noch weit unter dem Langzeit-Durchschnitt notieren, dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis eine Gegenreaktion einsetzt. Vor Kursverlusten sollen jetzt die neuen Stufenzinsanleihen schützen. Das Konzept wurde an die Konstruktion von Bundesschatzbriefen angelehnt. Statt einer regelmäßigen Verzinsung in jeweils gleicher Höhe sehen diese Papiere einen jährlich steigenden Zinssatz vor. Damit sollen die Anleger dazu bewogen werden, die Papiere möglichst über die gesamte Laufzeit in ihrem Besitz zu behalten. Während jedoch Bundesschatzbriefe nicht an der Börse gehandelt, sondern lediglich vom 2. Laufzeitjahr an zu einem bei Ausgabe bereits festgelegten Preis an die ausgebende Bundesschuldenverwaltung zurückgegeben werden können, werden Stufenzinsanleihen in der Regel an der Börse eingeführt. Das bedeutet allerdings auch, daß die Papiere jederzeit wieder verkauft werden können. Auch die bei Bundesschatzbriefen geltende Höchstgrenze von 10 000 DM pro Monat und Anleger gilt hier nicht.

Zwei Nachteile
Emittent einer solchen Stufenzinsanleihe ist derzeit unter anderem die Frankfurter DG-Bank, das Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Die erste Emission (Wertpapier-Kennummer 258 156) sieht eine Verzinsung von 5,125 Prozent im ersten Jahr vor, die auf bis zu 8,0 Prozent im achten Laufzeitjahr ansteigt. Die Emissionsrendite lag zunächst bei 6,1 Prozent, ist mittlerweile aber auf 5,7 Prozent abgerutscht. Etwas niedriger sind die Konditio-nen eines weiteren Stufenzins-Pfandbriefs, den die Westfäli-sche Hypotheken-Bank Ende Dezember 1995 für 102,07 Prozent ausgegeben hat. Der Anfangszins liegt hier bei 5,0 Prozent und steigt ebenfalls auf 8,0 Prozent im siebten Laufzeitjahr. Die Emissionsrendite betrug 5,85 Prozent und beläuft sich jetzt auf 5,5 Prozent. Ein bedeutender Vorteil derartiger Stufenzinsemissionen ist der weitgehende Schutz vor Kursrisiken. Denn selbst wenn die Zinsen in den kommenden Jahren wieder steigen, sollten die Kurse dieser Papiere angesichts der vergleichsweise hohen Endverzinsung nicht wesentlich unter die 100-Prozent-Marke absinken. Zwei Nachteile stehen diesem Pluspunkt gegenüber: Der Markt für solche Papiere ist vergleichsweise eng, so daß ein jederzeitiger Verkauf zu angemessenen Kursen nicht unbedingt sichergestellt ist. Dies gilt in verstärktem Maße mit fortschreitender Laufzeit, wird eine hohe Nominalverzinsung doch angesichts der Zinsabschlagsregelung von vermögenden Anlegern weitgehend gemieden. Zudem müssen nicht nur die Zinsen versteuert werden. Da es sich nicht um eine normal verzinste Anleihe handelt, unterliegen auch eventuelle Kursgewinne – die etwa bei einem stagnierenden oder gar weiter sinkenden Zinsniveau zu erwarten sind – dem Zinsabschlag und der Einkommensteuer.
Stufenzinsanleihen kommen also insbesondere für Anleger in Betracht, die einerseits einen relativ zuverlässigen Schutz vor Kursverlusten im Falle eines Zinsanstiegs suchen, andererseits aber auch noch keinen konkreten Kapitalbedarf haben. Dabei sollte die Problematik des engen Marktes nicht vernachlässigt werden, so daß Papiere eines namhaften Instituts – das nach menschlichem Ermessen die Kurse seiner ausgegebenen Anleihen entsprechend pflegen dürfte – in jedem Fall attraktiver sind als unbekannte Emissionen, bei denen keine Kurspflege erwartet werden kann. PJ

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