SUPPLEMENT: Geldanlage

Festgeld: Überbrücken in der Niedrigzinsphase

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [17]

OM

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LNSLNS Viele Sparer schätzen Termingeldanlagen. Wer jedoch genau weiß, wann er das festgelegte Geld braucht, hat Alternativen: beispielsweise Geldmarktfonds oder Sondersparformen.


Wegen der mageren Renditen raten manche Berater derzeit von einer Festgeldanlage ab. Doch die niedrigen Zinsen sprechen bei der Commerzbank in Frankfurt nicht gegen Festgelder, denn schließlich seien auch die langfristigen Zinsen niedrig. Zum "Überwintern" und dem späteren Einstieg in – dann vermutlich wieder höher rentierende – längerfristige Anlagen würden sich im Prinzip alle kurzfristigen Formen anbieten, auch Festgeld.
Die Vorteile einer Festgeldanlage sind für die Vereinsbank in München die relativ geringe Mindestanlagesumme von 10 000 DM, die festen Zinsen für die vereinbarte Laufzeit sowie der Verhandlungsspielraum bei den Konditionen. Die Baden-Württembergische Bank AG in Stuttgart betrachtet es auch als Pluspunkt, daß die Zinsen sofort nach der Fälligkeit und nicht erst am Jahresende gutgeschrieben werden. Die Nachteile seien allerdings die Mindestlaufzeit von 30 Tagen und die Einschränkung, daß Zuzahlungen immer nur zum Ende der Laufzeit möglich seien und eine vorzeitige Verfügung entfalle.
Für Alfons Maierthaler, den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Augsburg, liegt die Bedeutung des Festgeldes vorrangig in der Möglichkeit, eine kurzfristige Geldanlage auf ein tatsächlich angestrebtes Ziel termingerecht hinzusteuern. "In einer Phase niedriger Zinsen", warnt Maierthaler, "muß Festgeld als Daueranlage kritisch betrachtet werden." Der Zinsunterschied zwischen Termingeld und beispielsweise einem Sparkassenbrief mit fünfjähriger Laufzeit betrage im Augenblick nämlich rund 2,5 Prozent per annum und mehr.
Für Gottfried Neumann, den Vorstandssprecher der Augsburger Aktienbank, ist Festgeld "quasi ein gut verzinster Parkplatz für Anlagebeträge, die man für eine bekannte Zeitspanne anlegen möchte, ohne mit Gebühren oder Risiken in Berührung zu kommen". Gerade in Zeiten einer Niedrigzinsphase zahle sich jedoch die Gegenüberstellung der Zinsen verschiedener Banken für den preisbewußten Anleger aus. Zum Vergleich: Nach einer aktuellen Umfrage liegen bei Festgeldern von 10 000 DM bei drei Monaten Laufzeit die Spitzensätze zwischen 2,75 Prozent (Citibank) und 3,1 Prozent (Augsburger Aktienbank).


Gelder bündeln
Werden die Mittel zu einem Zeitpunkt in der Zukunft benötigt, so ist das Termingeld neben dem Geldmarktfonds auch für die Baden-Württembergische Bank "die einzige Möglichkeit einer Anlage ohne vorherige Kündigung". Oft sei dieser Zeitpunkt aber bekannt. Hier könnten dann Sondersparformen, die auch nur eine dreimonatige Kündigungsfrist haben, genauso interessant sein und oft eine bessere Verzinsung bieten.
Doch warum verstecken sich die Banken bei Zinsumfragen oft hinter der Floskel "nach Vereinbarung", statt exakte Konditionen zu nennen? Neumann unterstellt seinen Konkurrenten dabei, daß sie ihre Kundschaft in zweierlei Kategorien einteilen: In die mündigen Verbraucher, die wissen, was ihr Geld wert ist, und in die Gruppe derer, die auf die Zinssätze im Preisaushang vertrauen. Anlegern, die aufgrund von Beziehungen, Geschick oder Macht verhandlungsentschlossen seien, würde ein besserer Zinsatz eingeräumt als dem braven Normalkunden.
Das sieht die Vereinsbank anders. Da das Institut in diesem Bereich die Entwicklung auf dem Kapitalmarkt direkt weitergeben wolle, unterlägen die Festgeldkonditionen Schwankungen, "so daß es unseriös wäre, einen Standardzins zu nennen". Bei allgemeinen Umfragen vergehen laut Dresdner Bank bis zur Veröffentlichung zudem häufig einige Tage, in denen sich das Konditionsniveau ändern könne.
"Feilschen", so wiegelt die Commerzbank ab, "bringt nicht viel in einer Zeit so reichlicher Liquidität." Viel wichtiger seien Dauerhaftigkeit und Intensität einer Kundenbeziehung. Daneben kommt es aber auch auf den Zeitraum und auf die Höhe des Anlagebetrages an. So schüttet beispielsweise die CTB Bank in Essen bei zwölf Monaten Laufzeit ab 50 000 DM bereits 3,75 Prozent aus. Wie man dahin kommen kann, verrät Neumann: durch familieninternes Bündeln von Anlagebeträgen. OM

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