ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2004Körperwelten: Moralethisches Problem
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LNSLNS Die Ausstellung gestalterisch verfremdeter Leichen gegen Eintritt stellt, ungeachtet der Zustimmung der Spender zu Lebzeiten, ein moralethisches Problem an sich dar. Im Respekt dem toten Körper des Menschen gegenüber wird der Lebende dem Würdeanspruch des gewesenen Menschen gerecht. So hat auch der Körper Verstorbener einen Anspruch auf würdevolle Behandlung. Wir folgen Kant: „Im Reich der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden, was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.“ Aus der ästhetisierenden Präsentation und der Zweckgerichtetheit der Schau zum Gelderwerb offenbart sich ein Umgang mit Verstorbenen, der mit einem Würdebegriff unvereinbar ist. Es liegt nicht in des Menschen Macht, sich seiner Würde zu entäußern. Die Verpflichtung zur Achtung der Würde kann nicht ausgesetzt werden. Eine Zustimmung zu Lebzeiten ist somit aus ethischer Sicht irrelevant und enthebt uns nicht der kritischen Zurkenntnisnahme eines unbestreitbar würdelosen Umganges mit den Toten. Wir sehen in der Degradierung von Leichnamen zu einem formbaren Rohstoff die Bedienung eines Voyeurismus am Werke, dessen visuelle Bedürfnisse nicht vom Bildungsideal gesteuert, sondern an Kinosehgewohnheiten gewachsen sind und der sein filmisches Pendant in der Pornographie findet. Die gewerbsmäßige Präsentation menschlicher Leichname ist daher aus ethischer Sicht unzulässig und verwerflich.
Christoph Mayer, Priv.-Doz. Dr. Andrej Kral, Institut für Physiologie 2, Uniklinikum Frankfurt am Main, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main
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