ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2004Körperwelten: Leichtes Gruseln und Lust am Gaffen
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LNSLNS Etwas zu spät und erst nach dem medieneffektiven Enthüllungsjournalismus unseres Lieblingswochenblattes erscheint endlich auch eine vernünftige Stellungnahme im Ärzteblatt zu dem grausamen, varietéartigen Zurschaustellen präparierter und plastinierter menschlicher Körper. Hat sich denn vorher wirklich niemand Gedanken darüber gemacht, woher die Menschen stammen, die man da begaffen kann? Als ich – ich glaube, es war in der Kurzbroschüre der Ausstellung – das erste Mal etwas von Schwangeren mit Föten las, hat mich das sofort an Präparate aus nationalsozialistischer Zeit erinnert. Der gepriesene Lerneffekt solcher Präparate bleibt mir verborgen, zumal man heute andere, weitaus anschaulichere Möglichkeiten hat, sich über die Entstehung des Lebens in utero zu informieren. Wenn schon kein Lerneffekt, so ist es das leichte Gruseln und die Lust am Gaffen, die wohl beim Besuch der Ausstellung befriedigt wurden. Ich selber habe die Ausstellung nicht gesehen und zudem von deren Besuch abgeraten.
Aber auch in diesem Punkt zählt die Meinung von pietätlosen Lokalpolitikern mehr als die namhafter Anatomen, die sich öffentlich gegen diese Schaustellung ausgesprochen hatten. Ein weiteres trauriges Beispiel unserer Zeit für den Sieg von politischer Macht und verführerischem Mammon über Menschlichkeit und Medizin.
Dr. Stefan Lorenzl,
Gärtnerweg 14, 82061 Neuried
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