ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Deutsche und internationale Aktien: Sell in May and go away?

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Deutsche und internationale Aktien: Sell in May and go away?

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [3]

DT

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LNSLNS Nette Börsensprüche stimmen auch nicht immer. Die Analysten der Deutschen Apotheker- und Ärztebank raten im folgenden nicht zum Verkauf, sondern zum Aktienkauf. Ihr Tip: deutsche Basiswerte, außerdem vielleicht internationale Aktien von Nestlé, Norsk Hydro oder Caterpillar.


Seit Jahresbeginn eilte der deutsche Aktienmarkt von einem Hoch zum anderen. Den vorläufigen Topstand markierten die 30 Standardwerte des Deutschen Aktienindex mit über 2 550 Punkten am 23. April dieses Jahres. Danach kam es zu Gewinnmitnahmen am deutschen Aktienmarkt.
Für 1996 erwarten die Konjunkturforscher lediglich ein Wirtschaftswachstum von einem halben bis ein Prozent in Deutschland. Inflationsgefahren sind angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen und der geringen Nachfrage nicht erkennbar. Die Bundesbank hat Mitte April den Diskontsatz auf 2,5 Prozent gesenkt. Dies ist der niedrigste Stand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Trotz der schwachen Konjunktur besteht nur noch geringe Phantasie für weitere Leitzinssenkungen. Eine Erhöhung von Diskont- oder Lombardsatz in diesem Jahr halten die Wertpapierfachleute der APO-Bank angesichts der schwachen Binnennachfrage aber ebenfalls für unwahrscheinlich.


Deutsche Aktien: günstig
Die seit einigen Monaten zu beobachtende Tendenz zur Normalisierung des DM-Außenwertes gegenüber europäischen Währungen und dem Dollar ist positiv für die deutschen Exportgewinne zu werten. Die Schwäche der DM stärkt deutsche Aktien. Für die nächsten Monate wird von einer anhaltend stabilen Dollarkursentwicklung in der Bandbreite zwischen 1,50 und 1,55 DM ausgegangen.
Im historischen Vergleich sind deutsche Aktien – gemessen an den Ergebniserwartungen der Aktiengesellschaften für 1997 – nicht teuer. Die Analysten der Deutschen Apotheker- und Ärztebank halten an ihrer seit langem publizierten Aussage fest, daß die Aktien 1996 die Renten in ihrer Wertentwicklung weiter klar schlagen werden. Das Kursziel auf Basis des DAX 30 lautet für die nächsten sechs bis neun Monate 2 700. Dabei sollten sogenannte Basiswerte – soweit diese noch nicht in ausreichendem Maße Berücksichtigung gefunden haben – bevorzugt werden. Hierzu zählen Bayer, BASF, Schering, Siemens, Daimler Benz, Veba, RWE und Henkel.
Unter mittel- bis langfristigen Gesichtspunkten stellen die Analysten das Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer heraus. Verglichen mit deutschen und internationalen Unternehmen ist diese Aktie eindeutig unterbewertet. Speziell der Pharmabereich von Bayer verfügt in den nächsten fünf bis acht Jahren über ein mögliches Umsatzpotential neuer Pharma-Erzeugnisse von sieben bis zwölf Milliarden DM. Eine weitere Dividendenerhöhung gilt als sicher.
Am 2. Mai wurde die Siemens-Aktie auf den 5-DM-Nennwert umgestellt. Aber nicht nur optisch ist die Aktie jetzt preiswert. Siemens hat in den vergangenen Jahren die Kosten deutlich gesenkt. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Ergebnisanstieg von rund 20 Prozent prognostiziert. Wie in der Vergangenheit kann davon ausgegangen werden, daß die Siemens-Aktionäre über eine Dividendenerhöhung am Geschäftserfolg teilhaben werden.
Daimler Benz wird in den nächsten Jahren die alte Ertragsstärke wiedergewinnen. Eine tragende Rolle wird dabei der Automobilbereich spielen. Die Luftfahrttochter DASA soll nach erfolgreicher Umstrukturierung bereits 1998 einen positiven dreistelligen Millionenbetrag zum Konzernergebnis beisteuern. Der Stuttgarter Fahrzeugkonzern wird zudem durch einen höheren Anteil von Produktionsstätten in den ausländischen Absatzmärkten langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern. Kurzfristig profitiert Daimler Benz von der eingangs geschilderten Festigkeit des Dollarkurses.


USA: eher teuer
Hinsichtlich ausländischer Aktien ist der internationale Nahrungsmittelkonzern Nestlé erwähnenswert, der in den vergangenen Jahren durch Firmenübernahmen die Produktpalette komplettiert hat. Gesellschaften, die keine Aussicht auf eine ausreichende Rendite boten oder nicht zu den Kerngebieten gehörten, wurden verkauft. Nestlé ist zudem Nutznießer des gestiegenen Dollarkurses. International sind die Preise für Agrarrohstoffe und Erdöl in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Zu den Hauptprofiteuren dieser Entwicklung gehört der norwegische Rohstoffkonzern Norsk Hydro. In den USA erscheint der Aktienmarkt im Hinblick auf das deutlich gestiegene Zinsniveau nicht mehr ganz billig. Dies gilt insbesondere für die großen internationalen Werte. Zyklische Aktien wie beispielsweise der Baumaschinenhersteller Caterpillar sind dagegen eher unterbewertet. DT

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