BRIEFE

Neue Bundesländer: Befürchtungen

PP 3, Ausgabe März 2004, Seite 124

Bauhardt, Helgard

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Erschütternd ist Ihr Bericht. Gut, dass Sie Einzelschicksale benennen und dass diese nicht hinter anonymen Zahlen verborgen bleiben. Die Menschenwürde ist unantastbar, heißt es in unserem Grundgesetz, aber sie wird tagtäglich verletzt – in Ost und West. Nach der Wende sagte mir eine Patientin mit metastasierendem Mammakarzinom (Radiologische Universitätsklinik Jena), dass sie Angst hätte – Angst, wieder gesund zu werden, denn dann wäre sie arbeitslos, und in ihrem Alter würde sie keine neue Arbeit mehr finden. In meiner Geburtsstadt Quedlinburg (Unesco-Weltkulturerbe-Stadt) sollen seit der Wende circa 9 000 Menschen die Stadt verlassen haben. Das dort Ende der Fünfzigerjahre errichtete einzige Freibad wurde vor einiger Zeit zugeschüttet, da die Kommune kein Geld mehr hatte. Wo bleibt da die Prävention? Circa 14 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war Geld für die Errichtung eines Freibades da und jetzt? Wo sind wir hingeraten?
Analog dazu – in meinem jetzigen Wohnort wurde ein Hallenbad geschlossen, weil die Kommune kein Geld mehr hat – Realität im Westen Deutschlands.
Müssen wir nicht befürchten, dass sich durch die armutsbedingte Demütigung der Seele ein hohes Gewaltpotenzial anhäuft, das sich jederzeit irgendwo entladen kann (z. B. ein 11. September in Ffm)? Hätten hier nicht antidemokratische Führerfiguren leichte Beute? Ernst Abbe hat es bereits Ende des 19. Jahrhunderts geschafft, Sozial- und Wirtschaftspolitik in Einklang zu bringen. Für ihn waren Soziales und Wirtschaftliches keine Gegensätze, sondern sie bedingten einander. Er hat sowohl Carl Zeiss, Jena, und Otto Schott, Jena, an die Weltspitze gebracht. Er war eben ein sozial denkender Unternehmer, der in großen Zusammenhängen denken konnte, aus seiner schweren Kindheit die richtigen Konsequenzen gezogen hatte und dem das Wohl der Menschen am Herzen lag.
Dr. med. Helgard Bauhardt, Haldenstraße 11, 73760 Ostfildern
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