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Psychotraumatologie: Anfälligkeit für PTBS

PP 3, Ausgabe März 2004, Seite 126

MS

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Überfälle und Vergewaltigungen können dazu führen, dass die Opfer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Doch es trifft längst nicht jeden. Der Frage, weshalb manche Opfer anfälliger für PTBS sind als andere, gingen vier Psychologen der University of Oxford nach. Sie unterteilten 33 weibliche und 48 männliche Opfer, die drei Monate zuvor tätlich oder sexuell angegriffen worden waren, in drei Gruppen: Die erste Gruppe wies zum Zeitpunkt der Untersuchung alle PTBS-Symptome auf, die zweite Gruppe hatte sich von einer anfänglichen PTBS erholt, die dritte Gruppe war nicht von PTBS betroffen. Die Forscher setzten Fragebogen, Interviews und Gedächtnisexperimente ein. Die Teilnehmer sollten unter anderem den Angriff beschreiben und berichten, was ihnen dabei durch den Kopf ging. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen den kognitiven Prozessen während des Angriffs und der Entwicklung desorganisierter Traumaerinnerungen“, stellten die Autoren fest. Sie glauben, mit dieser Entdeckung einige Hauptsymptome der PTBS, wie blitzartige, unkontrollierbare Erinnerungen oder Gedächtnislücken, erklären zu können. Einen großen Einfluss haben beispielsweise Dissoziationen während des Angriffs. Sie führen dazu, dass die Verarbeitung und Speicherung des Ereignisses sowie der Bezug zur eigenen Person gestört wird. Je stärker diese Beeinträchtigung, desto eher entwickeln die Opfer eine PTBS. Auch die Intelligenz scheint eine Rolle zu spielen. Opfer mit niedriger Intelligenz sind anfälliger für eine PTBS, da sie über weniger Kapazitäten verfügen, das traumatische Ereignis kognitiv zu verarbeiten. ms

Halligan S, Michael T, Clark D, Ehlers A: Posttraumatic Stress Disorder Following Assault: The Role of Cognitive Processing, Trauma Memory, and Appraisals. Journal of Counseling and Clinical Psychology 2003; 71: 419–431.

Sarah L. Halligan, School of Psychology, University of Reading, 3 Earley Gate, Whiteknights, Reading RG6 6AL, UK, E-Mail: s.l.halligan@reading.ac.uk
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