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Sozialphobiker: Geringer Kontakt meist ausreichend

PP 3, Ausgabe März 2004, Seite 128

MS

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Jeder soziale Kontakt belastet Sozialphobiker – auch der Kontakt zum Therapeuten. Die Autoren sind deshalb der Frage nachgegangen, ob der persönliche Kontakt bei der Behandlung von Sozialphobien überhaupt notwendig ist. Sie verglichen verschiedene Behandlungsformen und teilten sie in vier Kategorien ein: Kategorie 1 umfasst vor allem Selbsthilfemaßnahmen. Der Kontakt zwischen Betroffenem und Therapeut ist minimal und wird nur zwecks Diagnose hergestellt. Kategorie 2 beinhaltet ebenfalls Selbsthilfemaßnahmen. Patient und Therapeut sehen sich selten und in losen Abständen. Der Therapeut stellt die Diagnose, überwacht den Verlauf und weist in Selbsthilfemaßnahmen ein. Kategorie 3 umfasst die so genannten Minimal-Kontakt-Therapien. Der Therapeut wird vom Patienten regelmäßig aufgesucht und involviert, jedoch weniger als bei einer herkömmlichen Therapie. Kategorie 4 bezieht sich auf die herkömmliche Therapie mit regelmäßigen Sitzungen, die der Therapeut organisiert und strukturiert.
Durch das Sichten mehrerer Studien kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass der persönliche Kontakt bei psychischen Störungen unterschiedlich wichtig ist. Sozialphobikern ist am besten mit einer Kontakthäufigkeit der Kategorien zwei, drei und vier gedient. Selbsthilfemaßnahmen reichen hingegen allein nicht aus.
Bei spezifischen Phobien wie Spinnen- oder Schlangenphobien haben sich Minimal-Kontakt-Therapien durch Beratungsstellen oder Psychotherapeuten bewährt, wobei die Konfrontation (exposure) unerlässlich ist. Auch bei Panikstörungen genügt geringer Kontakt. Die Minimal-Kontakt-Therapien und Selbsthilfemaßnahmen unter Anleitung eines Therapeuten helfen den meisten Patienten. Bei ernsthafter Agoraphobie ist jedoch mehr Kontakt angebracht. Bei Zwangsstörungen führen alle Kontaktausprägungen zu einer Symptomreduktion. Einige Selbsthilfemaßnahmen können den Effekt einer herkömmlichen Therapie steigern. Für Generalisierte Angststörungen reicht eine niedrige Kontaktfrequenz, wie sie in den Kategorien zwei und drei beschrieben ist, aus. „Für den Therapieerfolg ist weder ein enges therapeutisches Bündnis noch häufiger Kontakt ausschlaggebend“, sagen die Autoren. Studien zeigen jedoch, dass persönlicher Kontakt einen zusätzlichen Positiveffekt bringt. ms

Newman MG, Erickson T, Przeworski A, Dzus E: Self-Helf and Minimal-Contact Therapies for Anxiety Disorders:
Is Human Contact Necessary for Therapeutic Efficacy? Journal of Clinical Psychology 2003; 59: 3: 251–274.

Michelle G. Newman, Department of Psychology, Penn State University, 310 Moore Bldg., University Park, PA 16802-3103, E-Mail: mgnl@psu.edu
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