SUPPLEMENT: Geldanlage

Mdax: Ein neuer Index für die mittleren Werte

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [4]

AL

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LNSLNS Im Blickpunkt der deutschen Börse stehen meist die 30 DAX-Werte. Mit ihnen wird auch der Löwenanteil der Umsätze gemacht. Zahlenmäßig überwiegen jedoch die Aktien der kleinen und mittleren Unternehmen. Sie sollen mit Hilfe des MDax aus dem Schatten der Großen treten.


Kleine und mittlere Aktienwerte, die manchmal ein wesentlich größeres Kurssteigerungspotential bieten als die ganz großen, werden in Zukunft durch den MDax stärkere Beachtung finden. Seit dem 19. Januar 1996 berechnet die Deutsche Börse nämlich diesen Index, der die Kursentwicklung eben der mittleren Werte widerspiegeln soll. Vermutlich noch in diesem Jahr soll ein weiterer Index für die kleinen Werte folgen, die sogenannten Small Caps (SDax).


70 Werte
Der Name MDax steht für Werte mit mittlerer Marktkapitalisierung oder "medium capitalised companies". Er umfaßt diejenigen 70 Werte, die nach Größe und Umsatz auf die 30 Dax-Werte folgen. An der Börse verspricht man sich von ihm, daß die Werte der zweiten Reihe in Zukunft eine größere Aufmerksamkeit bei den Anlegern finden. Erste Schritte auf diesem Wege folgten schon: Die Investmentgesellschaft Schröder Münchmeyer & Hengst hat den ersten reinen MidCap-Fonds aufgelegt. Und die Dresdner Bank emittierte über die Dresdner Finance B.V., Amsterdam, die ersten Partizipationsscheine auf den MDax.
Es gibt einige gute Gründe anzunehmen, daß die sogenannten Mid Caps in Deutschland vor ihrer eigentlichen Entdeckung stehen. Verschiedene Banken wie die Deutsche Bank und die SGZ-Bank sind kürzlich mit Analysen dieses Marktsegments an die Öffentlichkeit gegangen. Dies zeigt, daß die lange vernachlässigten mittleren Werte langsam entdeckt werden. In Ländern mit ausgeprägter Aktienkultur wie den USA und Großbritannienen haben die Research-Abteilungen der Broker schon viel früher mehr Zeit und Geld auf die Analyse der mittleren Werte verwandt. Dort haben sie bezeichnenderweise in den letzten fünf Jahren in Relation zu den Blue Chips auch deutlich besser abgeschnitten als in Deutschland.
Obwohl er von Anlegern und Analysten in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt wurde, konnte der MDax, der bis zum 30. Dezember 1987 zurückgerechnet wurde, die anderen Indices aus der Dax-Familie schlagen, wenn auch nur sehr knapp: Der Dax brachte es bis Ende April 1996 auf ein Plus von 150,5 Prozent, der CDax, der die gesamten gut 300 amtlich gehandelten deutschen Aktien enthält, legte 130,65 Prozent zu. Der MDax aber schaffte eine Performance von 154,64 Prozent.
Er hätte wahrscheinlich noch wesentlich besser abgeschnitten, wenn es nicht im Herbst letzten Jahres zu einem regelrechten Waterloo für diese Titel gekommen wäre. Auf Grund schlechter Unternehmensmeldungen warfen auch Fondsmanager ihre Mid Caps auf den Markt und sorgten für empfindliche Kurseinbußen. Diese konnten bislang nur zum Teil wettgemacht werden. Daher sehen viele Analysten heute auch gute Einstiegsmöglichkeiten. Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden im letzten Jahr und die verbesserten Zukunftsperspektiven dürfte im Dollar zu suchen sein. Die Schwäche der amerikanischen Währung hatte vor allem die mittleren Unternehmen getroffen. Kleinen Unternehmen gelingt es nur schwer, Veränderungen der Währungsrelationen zu entgehen. Eine Standortverlagerung oder der Bau einer neuen Produktionsstätte im billigeren Ausland ist für diese Unternehmen ein Schritt, der die Struktur des Unternehmens radikal ändert, meint Mid Cap-Analyst Stefan Schießer, SGZ-Bank.


Mehr Anleger
Mit der Dollarerholung sollten die Chancen der Mid Caps steigen. Daß die mittleren Werte hierzulande noch nicht so reüssieren konnten wie zum Beispiel in den USA und Großbritannien, liegt auch an der schleppenden Konjunkturerholung (im Vergleich zu USA und Großbritannien).
Im Segment der Mid Caps tummelten sich in der Vergangenheit nur wenige informierte Privatanleger oder Profis. Sie werden nun verstärkt Konkurrenz erhalten. Davon wird der Markt über eine erhöhte Liqudität profitieren. Seit dem 19. Januar registrierte die Börse bereits deutlich höhere Umsätze für diese Titel und eine engere Spanne zwischen Angebots- und Nachfragekursen. Das bedeutet: Beim Kauf erhält der Anleger einen günstigeren Kurs als früher, beim Verkauf einen besseren.
Ausländer, die oft den Trend in der Bundesrepublik durch Käufe oder Verkäufe von Aktien bestimmten, haben den Mid Cap-Sektor bisher weitgehend gemieden. Ausländische Investoren, überwiegend institutionelle Anleger, engagieren sich ausschließlich in Unternehmen, die weltbekannt sind oder deren Produkte einen Namen haben.
Ein wichtiges Kriterium für die Aktienauswahl institutioneller Anleger (aus dem In- und Ausland) ist zudem die Möglichkeit der Kursabsicherung. Diese ist über Optionen für mehr als 20 Dax-Einzeltitel gegeben. Solche Absicherungsmöglichkeiten über Index-Optionen bestanden bislang bei den mittleren Werten nicht. Aber das soll sich im September ändern. Dann wird die Deutsche Termin-Börse einen Index-Kontrakt auf den MDax einführen. Dies war auch der Sinn der Konzeption des MDax. Erleichtert wird damit auch einigen Investmentgesellschaften die Entscheidung für die Auflegung eines MDax-Fonds. AL

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