ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Finanzierungen: Zins-Strategien für das Frühjahr

SUPPLEMENT: Geldanlage

Finanzierungen: Zins-Strategien für das Frühjahr

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [6]

PJ

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LNSLNS Wer im Moment Geld benötigt, den freuen die niedrigen Zinsen. Die meisten Darlehensnehmer wollen deshalb ihre Konditionen möglichst viele Jahre festschreiben. Das muß nicht immer klug sein: Unter bestimmten Umständen können variable Konditionen besser zum Kunden passen.


Gut lachen hatten Darlehensnehmer, die sich Anfang 1996 für eine Immobilienfinanzierung interessierten. Sparkassen und Banken begnügten sich oftmals schon mit weniger als sechs Prozent Jahreszins, und selbst für die Überziehung des privaten Girokontos winkten Sonderkonditionen. Doch gerade der deutsche Kapitalmarkt verzeichnet in den letzten Jahren erhebliche Schwankungen. So verwundert es nicht, wenn die zu Jahresbeginn gebotenen Zinssätze mittlerweile bereits wie-der der Vergangenheit angehören: Das Zinsniveau ist in Deutschland um rund einen halben Prozentpunkt gestiegen, und diese Erhöhung haben die Institute längst in ihren Konditionen weitergegeben.


Günstige Zeiten
Dennoch: So günstig wie im Moment werden Finanzierungen in absehbarer Zeit kaum noch angeboten werden. Denn schließlich steigen in den USA die Zinsen, und dies war zumindest in der Vergangenheit ein untrügerisches Signal dafür, daß auch in Deutschland ein Anstieg zu erwarten ist. Aber auch die bevorstehende Währungsumstellung auf den "Euro" könnte – behalten die Kritiker der Währungsunion recht – ein höheres Zinsniveau zur Folge haben. Potentielle Darlehensnehmer sollten daher jetzt schnell handeln und bei Vertragsabschluß auf eine möglichst lange Zinsfestschreibung achten. Eine 15jährige Zinsbildung kostet zwar einen um rund 1,5 Prozentpunkte höheren Zins als ein variabel verzinstes Darlehen. Dafür ist der Bankkunde jedoch noch bis zum Jahr 2011 abgesichert. Wichtig dabei: Im Vertrag sollte die Möglichkeit zum vorzeitigen Ausstieg, zumindest aber für Sondertilgungen in angemessenem Umfang offengelassen werden. Erfolgen schon bei Vertragsabschluß entsprechende Vereinbarungen, droht kein Risiko einer möglicherweise hohen Vorfälligkeitsentschädigung.
Will sich das Kreditinstitut nicht darauf einlassen, daß im Vertrag ein Sonderkündigungsrecht oder die Möglichkeit zur vorzeitigen Rückführung eines Darlehensteils vereinbart wird, kommt auch eine Staffelung in Betracht. Der überwiegende Teil des Darlehens wird für 15 Jahre festgeschrieben, ein kleinerer Teil jedoch beispielsweise mit 2-, 5- oder 10jähriger Zinsfestschreibung. Damit sichert sich der Kunde einerseits einen weitgehend attraktiven Zins, andererseits aber auch eine Möglichkeit zur vorzeitigen Ablösung.

Wichtig: Höhe des Darlehens
Auch eine variable Kondition kann interessant sein. Erwartet ein Darlehenskunde beispielsweise eine größere Zahlung, etwa aus einer Erbschaft, sichert er sich mit der variablen Kondition die Möglichkeit zur schnellen Darlehensrückführung. Aber auch dann, wenn das Darlehen vergleichsweise niedrig ist, kommt diese Variante in Betracht: Bei 10 000 DM spielt es kaum eine Rolle, ob die Bank 6 oder 8 Prozent Darlehenszins verlangt. Die mögliche Mehrbelastung ist so gering, daß sie getrost vernachlässigt werden kann. In jedem Fall lohnt es sich jedoch, die Konditionen zu vergleichen. Zur Zeit stehen die Kreditinstitute untereinander in einem sehr harten Konkurrenzkampf. Einige Direktbanken berechnen für Refinanzierungen des Wertpapierdepots nur 5,25 bis 6,0 Prozent Zins. Manche kleinere Institute begnügen sich auch bei einem variabel verzinsten Immobiliendarlehen mit derartigen Konditionen.
Entscheidend ist jedoch, inwieweit das "Sicherheitsbedürfnis" des Kreditinstituts gestillt werden kann. Besonders preiswert sind Darlehen, die gut abgesichert sind, also beispielsweise durch ein Depot mit festverzinslichen Wertpapieren, das lediglich zu 60 bis 70 Prozent beliehen wird. Kostengünstig sind auch Immobilienfinanzierungen, solange ein Beleihungsrahmen von 45 bis 60 Prozent der Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten nicht überschritten wird.
Jeder Darlehensnehmer sollte daher nach Möglichkeiten suchen, über die Stellung von Sicherheiten günstigere Konditionen zu erlangen. Dies können Wertpapiere sein oder aber auch eine freie Grundschuld, die auf dem längst schuldenfreien Eigenheim ruht. Zwar ist mit einer derartigen Sicherstellung ein gewisses Risiko verbunden, kann sich die Bank doch im Fall der Zahlungsunfähigkeit relativ problemlos an den Sicherheiten schadlos halten.
Andererseits ist zu bedenken, daß bei einem selbständigen Arzt ohnehin eine Haftung mit dem gesamten betrieblichen und privaten Vermögen besteht, so daß die Vermögenswerte zwar nicht so unkompliziert wie im Fall einer ausdrücklichen Übereignung, aber dennoch weitgehend problemlos in die Hände der Bank fallen können. Zumindest bei intakter Finanzlage sind die Einsparungsmöglichkeiten jedoch so beträchtlich, daß sich die genaue Planung lohnt. PJ

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