ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinSUPPLEMENT: Geldanlage 1/1996Schenkung von Immobilien: Neuregelungen bei der Steuer

SUPPLEMENT: Geldanlage

Schenkung von Immobilien: Neuregelungen bei der Steuer

Dtsch Arztebl 1996; 93(20): [8]

PJ

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LNSLNS Wer bislang steuersparend Vermögen verschenken oder übertragen wollte, wählte dafür häufig Immobilien oder Bares mit entsprechenden Auflagen. Weil das Bundesverfassungsgericht die Besteuerung nach Einheitswerten aber für unzulässig erklärt hat, ist 1996 dabei Eile geboten.


Immobilien sind nach wie vor eine der letzten ganz legalen "Steueroasen" auf deutschem Boden. Zahlreiche Vorteile bei Kauf oder Bau, aber auch bei der Übertragung des Vermögens an die nächste Generation machen Haus und Grund interessant. Änderungen stehen jedoch bevor. Gerade die Vermögen- und die Erbschaftsteuer ist derzeit im Mittelpunkt der Diskussion. Bisher gilt die Regel, daß Kapitalvermögen – also beispielsweise festverzinsliche Wertpapiere – stets mit ihrem realen Wert angesetzt werden. Hingegen gilt für Immobilien der vor Jahrzehnten festgelegte Einheitswert, der um einen pauschalen Zuschlag von 40 Prozent erhöht wird. Dieser Einheitswert ist jedoch wesentlich niedriger als der reale Wert.
Damit rechnet sich diese Regelung: Überträgt ein Vater seinem Sohn ein Barvermögen von 500 000 DM, unterliegen davon immerhin 410 000 DM der Schenkungsteuer – satte 30 750 DM werden dann im Steuerbescheid ausgewiesen. Schenkt er seinem Sohn indes eine Immobilie im Wert von 500 000 DM, liegt der Einheitswert möglicherweise nur bei 60 000 DM. Und damit beträgt der steuerliche Wert der Schenkung nur 84 000 DM (Einheitswert + 40 Prozent). Da jedoch hier der Freibetrag von 90 000 DM greift, geht Vater Staat leer aus. Dabei muß es nicht einmal eine Immobilie sein, die übertragen wird. Die Regelung gilt auch für Barvermögen, das mit der ausdrücklichen Auflage zum Kauf einer ganz bestimmten Immobilie übertragen wird. Man spricht hier von einer "mittelbaren Schenkung". Anteile an geschlossenen Immobilienfonds sind in dieser Form ebenfalls steuerbegünstigt: auch hier gilt die Regelung mit dem niedrigen Einheitswert – ein Grund, warum der Handel mit "Gebraucht-Anteilen" in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung genommen hat. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis diese Regelung von amtlicher Seite als "ungerecht" eingestuft wurde. Und so hat bereits das Bundesverfassungsgericht die Besteuerung nach Einheitswerten für unzulässig erklärt, mit der Folge, daß es noch in diesem Jahr zu einer Neuregelung kommen wird. Bereits jetzt wird die Erbschaftsteuer bei Verträgen, die seit dem 1. Januar 1996 abgeschlossen wurden, nur noch vorläufig festgelegt.

Genaues weiß keiner
Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand definitiv sagen, wie die Neuregelung konkret aussehen könnte. Nach den bisherigen Plänen sollen jedoch Ehegatten, Kinder und Kindeskinder wenig oder keine Erbschaftsteuer für sogenanntes "persönliches Gebrauchsvermögen" bezahlen müssen. Und hierzu ist vermutlich auch die selbstgenutzte Immobilie zu rechnen, so daß Immobilienbesitz auch künftig vergleichsweise günstig behandelt wird. Hingegen ist bei größerem Immobilienvermögen ebenso wie bei der Übertragung an entfernte Verwandte oder gar Freunde mit deutlich höheren Belastungen zu rechnen. Es kann sich also lohnen, jetzt schnell zu handeln. Denn allein schon aus Gründen der Rechtssicherheit ist es fraglich, inwieweit die gesetzlichen Neuregelungen rückwirkend gelten können. Einige Experten gehen derzeit davon aus, daß das neue Recht zwar relativ kurzfristig und überraschend eingeführt wird, dann aber von einem Stichtag an gilt. Auch erscheint noch keineswegs sicher, daß eine Neuregelung – wie immer sie auch aussehen mag – vor den Augen des Bundesverfassungsgerichts Bestand haben wird. Vielmehr dürfte es wieder zu langen Diskussionen kommen, die noch weitere Nachbesserungen nach sich ziehen werden. PJ

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