ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2004Minimierung von Übelkeit und Erbrechen in der postoperativen Phase: Lachgas nicht für PONV verantwortlich
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LNSLNS Die von den Autoren vorgeschlagenen antiemetischen Strategien erscheinen zum Teil unvollständig und wie dargestellt nicht haltbar. Es ist wohl unstrittig, dass die Applikation von halogenierten Inhalationsanästhetika mit einem klinisch relevanten, erhöhten Risiko für das Auftreten von PONV einhergeht: so wurde erst kürzlich nach Untersuchung von 1 180 Patienten ein odds ratio mit 14,5 bis 19,8, je nach angewandtem Inhalationsanästhetikum, angegeben (1). Unerwähnt lassen die Autoren jedoch die Tatsache, dass die Gabe hochpotenter Opiate, wie sie zur Narkose üblich ist, ebenfalls die Inzidenz von PONV erhöht, gemäß einer Übersicht von Apfel et al. verdoppelt sich das Risiko von PONV (2).
Demgegenüber stellen die Autoren die Vermeidung von Lachgas während der Narkose als Vermeidungsstrategie dar. Dem muss deutlich widersprochen werden. Das Lachgas-assoziierte relative Risiko für PONV ist laut der von den Autoren zitierten Metaanalysen (3, 4) mit circa 1,3 deutlich niedriger als das PONV-Risiko für halogenierte Inhalationsanästhetika und auch für Opiate. Da sich bei Verwendung von Lachgas aufgrund seiner narkotischen wie vor allem auch analgetischen Wirkung sowohl Inhalationsnarkotika wie auch Opiate während der Narkose einsparen lassen, kann auch die Rate an Nebenwirkungen – hier eben PONV – dadurch reduziert werden. Nur wenige Studien haben die Auswirkung allein von Lachgas – und nicht von Lachgas in Kombination mit anderen Anästhetika – auf die Inzidenz von PONV untersucht (und kamen dabei zu teilweise widersprüchlichen Ergebnissen). Die derzeit laufende internationale „IMPACT“-Studie wird hoffentlch bald auch hierüber Aufschluss geben. Zuletzt soll noch darauf hingewiesen
sein, dass die von den Autoren zitierte Metaanalyse von Tramèr et al. zusätzlich zeigte, dass das Weglassen von Lachgas während der Narkose mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten intraoperativer Wachheit einhergeht, die „number-needed-to-treat“ lag hier bei 46 (4).

Literatur
1. Apfel CC, Kranke P, Katz MH, Goepfert C, Papenfuss T, Rauch S, Heineck R, Greim CA, Roewer N: Volatile anaesthetics may be the main cause of early but not delayed postoperative vomiting: a randomized controlled trial of factorial design. Br J Anaesth 2002; 88: 659–668.
2. Apfel CC, Roewer N: Einflussfaktoren von Übelkeit und Erbrechen nach Narkosen. Fiktionen und Fakten. Anaesthesist 2000; 49: 629–642.
3. Divatia JV, Vaidya JS, Badwe RA, Hawaldar RW: Omission of nitrous oxide during anesthesia reduces the incidence of postoperative nausea and vomiting. A meta-analysis. Anesthesiolgy 1996; 85: 1055–1062.
4. Tramér M, Moore A, McQuay H: Omitting nitrous oxide in general aneasthesia: meta-analysis of intraoperative awareness and postoperative emesis in randomized controlled trials. Br J Anaesth 1996; 76: 186–193.

Prof. Dr. med. Jörg Weimann, D. E. A. A.
Klinik für Anästhesiologie und
operative Intensivmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin
E-Mail: Joerg.Weimann@charite.de

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