SUPPLEMENT: Geldanlage

Aktienmärkte: Vorsorgen gegen Crash-Gefahren

Dtsch Arztebl 1996; 93(40): [14]

PJ

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LNSLNSLNSLNS Gerade drei Jahre ist es her, daß der Deutsche Aktienindex (DAX) bei 1 400 Punk-
ten notierte. Auch der amerikanische Dow-Jones-Index – soeben 100 Jahre alt geworden – benötigte seinerzeit mehrere Anläufe, um die 3 000-Punkte-Marke zu knacken. Heute stehen beide Börsenbarometer auf nahezu doppelt so hohem Niveau – ein Anstieg, den seinerzeit nicht einmal die größten Optimisten zu prognostizieren gewagt hatten. Doch was, wenn die Börse sich in die andere Richtung entwickelt? Auf jeden Fall Ruhe bewahren, rät der Autor des Beitrags. Vielleicht lohnen sich auch Absicherungen im Vorfeld.


Am legendären "Schwarzen Montag", dem 19. Oktober 1987, brach der Dow-Jones-Index um 22 Prozent ein. Daraufhin stürzten auch die Kurse an der deutschen Börse zeitweilig um mehr als 30 Prozent. Die japanische Börse durchlief in den vergangenen Jahren gar eine Baisse, die den Nikkei-Index um mehr als 70 Prozent drückte.
Dieser Risiken sollte sich jeder Anleger bewußt sein und frühzeitig auf die "Stimmung" achten, die an einer Börse herrscht. Die größten Gefahren – so war es auch 1987 – drohen immer dann, wenn Anleger und Analysten ausgesprochen optimistisch sind. So war die Entwicklung der Börse im Sommer 1987 Tagesgespräch an Stammtischen und in Unternehmenskantinen. Gekauft wurden nahezu alle Papiere, die bereits satte Gewinne erzielt hatten und für die noch Chancen gewittert wurden. Auch die Börsenbriefe schwelgten in Optimismus.
Ein Crash kommt – auch dies belegt das Jahr 1987 – immer dann, wenn die Anleger nervös zu werden beginnen. Sind die Kurse bereits über eine längere Periode gestiegen und wurden zuletzt überproportionale Gewinne erzielt, fürchtet jeder Anleger insgeheim einen Rückschlag. Die Zahl der neuen Käufer geht zurück, die bisherigen Aktienbesitzer wollen sich in der Hoffnung auf mögliche weitere Gewinne noch nicht von ihren Papieren trennen. In dieser Situation genügt ein kleiner "Funke", beispielsweise das Gerücht über eine Unternehmensübernahme oder rückläufige Gewinne, um die "Seifenblase" platzen zu lasen.


Absicherung im Vorfeld
Jeder Anleger sollte daher zwar einerseits das aktuelle Geschehen laufend beobachten, insbesondere die Entwicklung der Zinsen, der fundamentalen Branchendaten sowie der individuellen Unternehmensdaten. Andererseits muß man aber auch auf die Stimmung an der Börse achten. In vielen Fällen wird es sinnvoll sein, sich rechtzeitig von gekauften Papieren zu trennen, selbst wenn dabei Kursverluste hingenommen werden müssen. Daneben bestehen bereits im Vorfeld Absicherungsmöglichkeiten. Anleger, die sinkende Aktienkurse erwarten, können sich durch den Kauf einer Verkaufsoption das Recht sichern, die Papiere zu einem festgelegten Preis zu verkaufen – ungeachtet des tatsächlichen Börsenkurses. Kommt es dann zum Crash, hat sich die Strategie gelohnt, und die erzielten Buchgewinne können eingefahren werden. Steigen die Kurse hingegen weiter, ist der gezahlte Optionspreis quasi als Prämie für die Absicherung zu verstehen, die durch die neuen Gewinne problemlos eskomptiert wird. Dabei ist es nicht einmal erforderlich, jede einzelne Aktienposition abzusichern: Durch den Kauf von PutOptionsscheinen auf einen marktbreiten Index, zum Beispiel den DAX, schützt man sich als Anleger vor einem Rückgang des Gesamtmarktes. Hier ist zwar keine so gute Feinsteuerung wie bei einzelnen Optionen möglich. Dafür lassen sich aber mehrere Positionen auf einmal absichern.
Wenn ein Crash eintritt, ohne daß im Vorfeld entsprechende Maßnahmen getroffen wurden, ist besonnenes Handeln sinnvoll. Solange noch ein im Verhältnis zum Einstandspreis "vernünftiger" Verkaufspreis zu erzielen ist – steuerbar über die Vorgabe eines Limits –, kann ein schneller Verkauf die beste Lösung darstellen.
Ist dies nicht mehr der Fall, sollten die Papiere zumindest gehalten werden. Gerade die Kursrückschläge in den vergangenen vier Jahren haben gezeigt, daß immer mehr Anleger antizyklisch agieren und bereits wenige Tage nach einem Kursrückschlag massiv einsteigen. Insbesondere die Kurse marktengerer Titel steigen dann oftmals genauso schnell, wie sie zunächst gefallen waren. In jedem Fall sollte auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld nüchtern betrachtet werden – ohne auf die meist negativen Schlagzeilen der Boulevard-Medien zu achten: Solange eine Volkswirtschaft noch vergleichsweise solide Bilanzen aufweist, solange mittelfristig damit zu rechnen ist, daß die hinter den eigenen Aktien stehenden Unternehmen weiter wachsen, besteht kein Grund zu einem übereilten Verkauf. Mittel- bis langfristig werden sich die Notierungen wieder an die tatsächlichen Gegebenheiten anpassen, so daß aus den Kurserschütterungen bei einem Börsenkrach sogar Vorteile gezogen werden können.


Kein "Zocken"
Lediglich dann, wenn ein Unternehmen derart am Boden liegt, daß Kapitalmaßnahmen oder sogar ein Konkurs zu befürchten sind, ist ein "Ende mit Schrecken" oft besser als der Versuch, Verluste "auszusitzen". Sehr gefährlich kann es in diesem Zusammenhang auch werden, in Pleite-Unternehmen einzusteigen: Die Aktien der Bremer Vulkan weisen zwar immer wieder einmal Kurssteigerungen um 30, 40 oder mehr Prozent innerhalb von nur einer Woche auf. Sie werden jedoch in schöner Regelmäßigkeit von ebenso hohen Kursverlusten abgelöst. Dieses Metier ist daher den echten "Zockern" vorbehalten, deren Anlagekapital "Spielgeld" ist und die sich täglich, ja vielleicht stündlich mit ihren Papieren befassen können. PJ

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